Cloud und Mittelstand

Thomas Timm will neue Teradata-Strategie umsetzen

| Autor / Redakteur: Karin Johanna Quack / Nico Litzel

Thomas Timm, Country Manager Germany bei Teradata
Thomas Timm, Country Manager Germany bei Teradata (Bild: Teradata)

Der Analytics-Spezialist Teradata hat dem deutschen Markt einen eigenen Country Manager spendiert. Bisher hatte Sascha Puljic diese Aufgabe erfüllt – zusätzlich zu seinen Pflichten als Manager für Zentraleuropa, Großbritannien und Irland (CEUKI). Jetzt kümmert sich der langjährige Teradata-Executive Thomas Timm exklusiv um die deutschen Kunden. Hier verrät er, was ihm dabei wichtig ist.

„Der deutsche Markt war immer schon etwas anders als beispielsweise der englische oder amerikanische“, weiß Timm: „Die Kunden hier haben nicht die Trial-and-Error-Mentalität der angelsächsischen Länder. Sie gehen neue Themen vorsichtiger an.“ Deshalb sei es nicht unbedingt ratsam, diesen Markt mit denselben Mitteln anzugehen wie UK oder Irland.

Zudem ist Deutschland für Teradata bereits heute einer der größten Märkte. Zwar will das Unternehmen keine Zahlen für lokale Märkte herunterbrechen, aber es verweist gern auf namhafte deutsche Kunden wie Siemens, Lufthansa oder DHL Express, die Teradata-Software für die Analyse ihrer Datenbestände einsetzen.

Eigenen Angaben zufolge will Timm die neue Ausrichtung der Teradata-Strategie in den deutschen Markt tragen. Die dreht sich vor allem um die kürzlich vorgestellte Analytics-Plattform „Vantage“, mit der sich integrierte Analytics-Ökosysteme aus unterschiedlichen Tools aufbauen lassen. Parallel wirft Teradata seine wachsende Beratungskapazität in die Waage. Consulting wird angesichts immer komplexerer Business-Modelle und IT-Infrastrukturen zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor – auch für Teradata.

Von anderen Branchen lernen

Last, but not least, will der frisch gebackene Country Manager Timm stärker als bisher auf die vertikalen Branchen eingehen, um die deutsche Präsenz des in San Diego beheimateten Analytics-Experten zu stärken. Das schließt auch mittelständische Unternehmen ein, die bislang eher nicht zur Teradata-Zielgruppe gehörten.

Aus unterschiedlichen Branchen zu lernen, gehört mit zum Plan. „Vor sechs bis sieben Jahren waren die Problemstellungen in den einzelnen Industrien sehr unterschiedlich“, erinnert sich Timm, „aber die Unterschiede verschwimmen heute.“ Die Customer Journey stehe überall im Mittelpunkt des Interesses. Und dadurch, dass viele Leistungen nach außen vergeben würden, gestalte sich für den Kunden der Anbieterwechsel immer einfacher. Wer dank eines funktionierenden Analytics-Systems diesen „Churn“ vorhersagen könne, sei auch in der Lage, ihn zu verhindern – egal, in welcher Branche und sowohl im B2C- wie im B2B-Geschäft.

Im Hintergrund oft noch altbacken

Es gibt auch in Deutschland einige Vorzeigeprojekte auf Basis fortgeschrittener Analytics-Anwendungen – häufig mit Open Source Software sowie mit Machine- oder Deep-Learning-Komponenten. Beispiele dafür können unter anderen Siemens (Steuerung der Gasturbinen-Verbrennung), die Deutsche Bahn (Verschleißerkennung) oder das BMW-Werk in Regensburg (Industrie 4.0/Logistik) vorweisen.

Doch abseits des Scheinwerferlichts gehe es teilweise noch recht „altbacken“ zu, hat Timm im Rahmen seiner Beratertätigkeit für Teradata festgestellt. Dort erledigen meist relationale Datenbanken (RDBM) die Routinearbeit, während für neue, unmittelbar kundenbezogene Applikationen meist ganz andere, häufig auch quelloffene Softwarekomponenten zum Einsatz kommen.

Dabei verzichten die deutschen Unternehmen – entgegen ihrer Gewohnheit – oft auf eine generalstabsmäßige Gesamtplanung und versuchen lieber, schnelle Resultate zu erzielen. Denn die Fachbereiche fordern heute industrieweit, so Timm, „viel mehr, als die IT liefern kann“. Diese Taktik kehrt sich am Ende jedoch gern mal gegen die Unternehmen, wenn die entstandenen Anwendungen nicht integrierbar sind, also redundante Arbeit erfordern und zu lückenhaften Prozessen führen.

Masterplan statt Datenmodell-Korsett

Deshalb schlägt Timm vor, dass die IT-Bereiche gemeinsam mit den Fachabteilungen einen „Masterplan“ entwerfen. Auch das in den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts populäre „unternehmensweite Datenmodell“ sei nach wie vor sinnvoll, aber das könne man auch nachträglich festlegen. „Wir dürfen an dem Modell nicht so lange arbeiten, bis sich die ursprüngliche Fragestellung geändert hat“, mahnt der Teradata-Manager, „vielmehr sollten wir erst überlegen, was wir eigentlich mit den Daten machen wollen, und dann erst ein Datenmodell dafür bauen.“

Mithilfe der Integrationsplattform Vantage will Teradata Kunden befähigen, unterschiedliche Datenbanktechniken und Analysewerkzeuge nahtlos zu verbinden. „Unsere Idee ist es, klassische Komponenten wie RDBM-Systeme mit unstrukturierten Daten zu kombinieren.“ Das Design für das Gesamtsystem stehe dabei fest, auch wenn die Schnittstellen für zu integrierende Tools jeweils angepasst werden müssten.

Schatten-KI ist fatal für die Unternehmung

„Das ist ein neuer Marktzugang“, erläutert Timm: „Wir bewegen uns quasi weg vom klassischen Data-Warehouse-Anwender.“ Zumal der Kunde heute nicht einmal eigene Hardware benötige: „Wir stellen exakt dieselbe Software auch in der Cloud bereit; Sie können das in den Stores von Azure oder AWS erwerben.“

CIOs werden das wohl nicht so gern hören. Viele von ihnen haben immer noch mit der „Schatten-IT“ zu kämpfen, die vor einigen Jahren in den Fachbereichen grassierte. So wie damals die ersten Business-Anwendungen aus der Cloud, so animieren heute anwenderfreundliche Analytics-Tools oder vorgefertigte Modelle für Machine-Learning-Applikationen die Manager der Marketing-, Vertriebs- oder Produktionsabteilungen, eigene Lösungen für ihre Probleme zu finden. Manche Analysten sprechen auch schon von einer „Schatten-KI“.

„Das wollen wir sicher nicht unterstützen“, beteuert Timm, „denn eine solche Schatten-KI ist fatal für die Unternehmung: Es gibt keinen durchgängigen Datenschutz, der Überblick fehlt und ebenso die Konsistenz, die Anwendungen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.“ Die Flucht der Fachabteilungen in die Nische führe mittel- bis langfristig zum „Datenchaos“.

Deshalb sollten sich IT und Geschäftsbereiche auf Regeln einigen, rät der Country Manager seinen Kunden. Und am besten natürlich die Teradata-eigene Vantage-Plattform nutzen. Dort ließen sich unterschiedlichste Werkzeuge miteinander verbinden – auch solche, mit denen die traditionelle IT bislang weniger zu tun hatte, die aber bei jungen Mitarbeitern hoch im Kurs stünden: „Python und R sind die Sprachen, die Universitätsabgänger sprechen.“

Klein anfangen und ständig ausbauen

Nicht spricht aber dagegen, neben den neuen Werkzeugen auch weiter SQL zu nutzen. Der Kunde könne mit einem oder zwei Tools beginnen und das System sukzessive erweitern, verspricht Timm. Zudem könne das Unternehmen innerhalb des Ökosystems relativ gefahrlos mit der Cloud experimentieren. Es müsse sich allerdings darauf einstellen, dass vor allem Amazon die Daten ungern beziehungsweise nur gegen Gebühr wieder hergebe. Deshalb eigne sich für die ersten Schritte in die Cloud am besten eine begrenzte Anwendung, beispielsweise ein Proof of Concept.

Letztere Möglichkeit werde „sehr gut angenommen“, berichtet Timm. Alles in allem habe sich der vor allem in den USA hohe Wellen schlagende Cloud-Hype aber schon spürbar beruhigt. „Wir sehen heute weniger dauerhafte Verlagerungen in die Cloud“, so der Teradata-Manager: „Die meisten Kunden tendieren mittlerweile zu einer Hybrid-Cloud. Wenn die Daten on premise gewonnen werden, ist es ja auch wenig sinnvoll, sie erst in die Cloud zu schaffen und dann zurückzuspielen.“

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