Nachbericht Tableau Conference Europe 2019

Tableau – eine Zukunft unter dem Dach von Salesforce

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Das Publikum auf der Tableau Conference Europe 2019 lauschte Vorträgen, Kundenberichten und Produktdemos.
Das Publikum auf der Tableau Conference Europe 2019 lauschte Vorträgen, Kundenberichten und Produktdemos. (Bild: Tableau)

Auf der europäischen Kundenkonferenz in Berlin kündigte Tableau, ein Spezialist für Datenvisualisierung, kürzlich eine Reihe von Neuheiten an. Zudem äußerte sich der CEO Adam Selipsky zu den möglichen Auswirkungen der geplanten Übernahme seines Unternehmens durch den Cloud-Giganten Salesforce.

Adam Selipsky, CEO von Tableau
Adam Selipsky, CEO von Tableau (Bild: Tableau)

Das Wichtigste zuerst: Was erhofft sich CEO Adam Selipsky vom Kauf von Tableau durch Salesforce? Seine Kunden wollen nämlich ganz genau wissen, ob die Übernahme eine Disruption des Geschäfts und der Produktentwicklung bedeuten wird. Schließlich verfügt Salesforce mit Einstein Analytics über eine KI-gestützte BI-Suite und mit Mulesoft seit 2018 auch über eine Plattform zur Datenintegration. Hier könnte es Überschneidungen geben.

Selipsky zerstreute diese Bedenken, in dem er unterstrich, dass Tableau eine eigenständige, „unabhängige“ Geschäftseinheit innerhalb Salesforce sein und er selbst deren Leiter bleiben werde. Sogar der Name werde beibehalten. Von Disruption könne daher keine Rede sein. Vielmehr bedeute die Fusion eine gewaltige Zunahme an verwertbaren Daten: erstens aus den verschiedenen Salesforce Clouds und zweitens aus „Customer 360“, einer Integrationsplattform für Fachbereiche, die auf Mulesoft basiert. Letzteres hob Francois Ajenstat hervor, der Chief Product Officer (CPO). Alle diese Daten müssten selbstredend visualisiert werden, freute sich Ajenstat: „Überall Daten!“

Francois Ajenstat, Chief Product Officer bei Tableau
Francois Ajenstat, Chief Product Officer bei Tableau (Bild: Tableau)

Analytik für jeden: Ask Data und Explain Data

Ajenstat resümierte die Neuheiten in der Tableau-Plattform 2019 Release 2 vom Februar 2019 und gewährte anschließend einen Ausblick auf die Beta des Release 3. Tableau erhöht seine Investitionen in Innovationen, um den Anspruch „Analytik für jeden!“ erfüllen zu können. Das bedeute, dass jede qualifizierte Person im Unternehmen das Gefühl haben sollte, Entscheidungen anhand des vorhandenen Datenmaterials treffen zu können: Manager, Data Scientist, Endverbraucher.

Der erste Schritt in diese Richtung bestand in dem Leistungsmerkmal „Ask Data“, das im Januar 2019 verfügbar wurde. Mithilfe von Natural Language Processing (NLP) kann das System jede eingetippte Frage, die der Nutzer an das System richtet, beantworten. Ask Data verhält sich wie ein virtueller Suchassistent, bislang allerdings nur in Englisch und ohne Spracheingabe.

Die in Release 3 kommende Funktion „Explain Data“ geht noch einen Schritt weiter und erklärt die gefundenen Daten. Dabei kommt nach Angaben von Ajenstat eine statistische Scoring-Software zum Einsatz, die Tableau mit dem MIT-Spin-off Empirical Systems eingekauft hat: „Damit können Kunden ihre Daten interaktiv erforschen“, so der Produktleiter. Die KI-gestützte Funktion liefere Erklärungen für unerwartete Werte in den Nutzerdaten. „Die Nutzer können das Warum schneller finden und Einsichten entdecken, die sie zuvor nicht gefunden hätten.“

In der Demo wurde während der Keynote deutlich, dass hier ein leistungsfähiger Machine-Learning-Algorithmus am Werk ist, aber noch kein Deep Learning genutzt wird. Diese Lücke könnte eventuell Einstein Analytics füllen. Ajenstat sagte, „Explain Data“ käme in den Editionen Tableau Desktop und Tableau Online auf den Markt. Performant ist Tableau seit Anfang 2018 durch die Daten-Engine „Hyper“, die In-memory-Verarbeitung erlaubt.

Blueprint

Um den Anspruch „Analytics für alle“ zu erfüllen, will Tableau eine Initiative namens „Tableau Blueprint“ starten. Wie der Name (englisch für Blaupause) schon besagt, soll aus den zahlreichen erprobten Best Practices der zahlreichen Tableau-Nutzer eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für jedes auftretende Problem in der Datenanalyse entstehen. Adam Selipsky führte aus, dass dies einen positiven Faktor der Veränderung für die betreffende Organisation darstelle. Da die Daten stets mit Menschen, Prozessen und Produkten bzw. Services verknüpft seien, würde sich durch Kollaboration und Teilhabe die auf Daten bezogene Kultur der Organisation ändern.

Das Projekt McKinley

Tableau baut die Enterprise-Fähigkeiten seiner Plattform hinsichtlich Skalierung aus, damit die avisierten größeren Nutzerzahlen auch unterstützt werden können. Im Rahmen des Projektes McKinley (gemeint ist der inzwischen umbenannte Berg in Alaska) sollen die Skalierbarkeit durch Unterstützung von Amazon S3, die Verwaltbarkeit und die Sicherheit des Tableau Servers erhöht werden.

Tableau eingebettet in eine Salesforce-Anwendung
Tableau eingebettet in eine Salesforce-Anwendung (Bild: Tableau / Matzer)

Laut Ajenstat werde es zudem neue Tools für Monitoring der Server Performance und für die Migration eines Systems geben. Das Server-Add-on werde separat lizenziert. „Die Skalierbarkeit ist wichtig für unsere großen Kunden, wie etwa die Bank BNP Paribas, Lufthansa oder Telefónica“, sagte Ajenstat. Manche dieser Kunden hätten mehrere zehntausend Nutzer, die mit Tableau arbeiten.

Mit der neuen Möglichkeit, ruhende Daten aus Datenextrakten zu verschlüsseln, will Tableau Unternehmen in die Lage versetzen, vertrauliche Daten auf der Plattform abzulegen. Zugleich soll das Risiko, dass unbefugte Nutzer darauf Zugriff erhalten, minimiert werden. Durch die Option, den eigenen Schlüssel (BYOK: Bring your own key) zu erstellen und zu verteilen, habe der Kunde seine Verschlüsselung völlig selbst im Griff. Auch „Encryption at rest“ ist ein Server-Add-on.

Tableau Catalog

Im Hinblick auf die DSGVO-Konformität achtet Tableau zunehmend auf Governance, Datensicherheit, Datenaufbereitung und effektive Datenverwaltung, was insbesondere Data Stewards und Security-Verantwortliche betrifft. Der neue Tableau Catalog, der als Add-on für das Data Management der Tableau-Plattform bereitgestellt wird, soll dem Nutzer künftig eine vollständige Übersicht über seine internen wie externen Datenbestände liefern. Die Daten sollen ausnahmslos vertrauenswürdig und DSGVO-konform sein. Nutzer können automatisch die Metadaten über eine Information nachverfolgen, darunter Zugriffsrechte, Nutzungsmetriken und Datenherkunft, etwa von ETL-Resultaten.

Beispiel für einen Dashboard Starter in Tableau Online, eine Vorlage für ein Dashboard.
Beispiel für einen Dashboard Starter in Tableau Online, eine Vorlage für ein Dashboard. (Bild: Tableau / Matzer)

Laut Ajenstat braucht der Nutzer keine Terminpläne für die regelmäßige Indizierung anlegen, Konnektivität konfigurieren oder Zugriffsrechte umschreiben – „das wird alles automatisch erledigt“. Die Funktion sei in die Benutzeroberfläche eingebettet. Die neue Catalog-Funktion biete API-Support für den Katalog-Anbieter Alation in allen Daten-Anwendungen, ebenso zu Informatica und dem Data-Governance-Spezialisten Collibra. Der Nutzer könne von diesen Plattformen bidirektional Metadaten mit Tableau austauschen.

Tableau kann über Konnektoren, Adapter usw. mindestens 75 Datenquellen anzapfen und will künftig weitere und vor allem bessere Konnektoren anbieten, so etwa zu SAP HANA (Single-Node). Damit die damit angezapften und importierten Daten auch gereinigt, vereinheitlicht und aktualisiert werden können, bietet Tableau seit 2018 ein zweigeteiltes Data-Preparation-Tool an: den Prep Builder und den Prep Conductor (auf dem Server). Die gute Nachricht: Im 2019-Release 3 soll der Prep-Conductor als Service bereitgestellt werden. Damit wird die nötige Investition dem tatsächlich Bedarf angepasst und entsprechend günstiger.

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