Eine aktuelle Studie von Cisco hat die globale KI-Readiness unter die Lupe genommen. Dabei wurde untersucht, wie gut Unternehmen auf Einführung und Betrieb von KI-Lösungen vorbereitet sind. In Deutschland sind nur sechs Prozent aller Firmen optimal gerüstet.
Der Reifegrad deutscher Unternehmen bei der KI-Strategie 2023 und 2024 im Vergleich.
(Bild: Cisco)
Für Ciscos „KI-Readiness Index“ wurden rund 8.000 IT-Verantwortliche aus 30 Ländern befragt. Zu den Ergebnissen zählt, dass nur sechs Prozent aller deutschen Unternehmen optimal auf den KI-Einsatz vorbereitet sind. Im vergangenen Jahr lag dieser Anteil noch bei sieben Prozent. Weitere 29 Prozent der deutschen Firmen sehen sich immerhin gut für das Thema gerüstet – genauso viele wie bereits 2023. Nahezu alle Befragten (98 Prozent) gaben an, dass der Einsatz von KI in den vergangenen sechs Monaten dringlicher geworden sei. Dazu passt, dass laut der Studie 95 Prozent der deutschen Betriebe bereits über eine KI-Strategie verfügen oder diese entwickeln.
„Stillstand bei KI-Readiness bedeutet faktisch einen Rückschritt. Das können wir in Deutschland nicht ignorieren“, meint Christian Korff, Mitglied der Geschäftsführung von Cisco Deutschland und Leiter der Bundesfachkommission „Künstliche Intelligenz und Wertschöpfung 4.0“ des Wirtschaftsrats der CDU. Der leichte Rückgang in der Spitzengruppe verdeutliche die Herausforderungen für Unternehmen bei der Einführung, dem Betrieb und der optimalen Nutzung von KI. „Angesichts der rasanten Marktentwicklung und der zu erwartenden großen Auswirkungen von KI auf den Geschäftsbetrieb ist die KI-Readiness für den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb erfolgskritisch. Und aktuell treten wir auf der Stelle“, so Korff.
Deutschland nur im Mittelfeld
Im Hinblick auf die Spitzengruppe der Schrittmacher („Pacemaker“), die vollständig auf KI vorbereitet sind, ist Deutschland im europäischen Vergleich vom dritten auf den sechsten Rang abgerutscht. Die Nase vorn haben derzeit Großbritannien (10 Prozent), Italien und Spanien (je 9 Prozent) sowie die Schweiz (8 Prozent). Diese Entwicklung ist für deutsche Unternehmen bedenklich, denn die Zeit drängt: 47 Prozent der hiesigen Befragten glauben, dass sie ihre KI-Strategie innerhalb eines Jahres umsetzen müssen, um erhebliche negative Auswirkungen auf ihr Geschäft zu vermeiden. 84 Prozent gehen hierbei von einem Zeitraum von höchstens 18 Monaten aus.
Dementsprechend wird investiert: 42 Prozent der Unternehmen nutzen 10 bis 30 Prozent ihres IT-Budgets für KI. Dabei sind vor allem die Bereiche Cybersicherheit (37 Prozent), IT-Infrastruktur (35 Prozent) und Datenanalyse (35 Prozent) im Fokus. Man erhofft sich insbesondere höhere Effizienz und Produktivität (48 Prozent), mehr Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit (43 Prozent) sowie bessere Kundenerfahrung und -zufriedenheit (45 Prozent). Die Erfolge liegen allerdings bei vier von zehn Befragten unter den Erwartungen. Betroffen sind dabei vor allem die Verbesserung (45 Prozent), Automatisierung (41 Prozent) oder Unterstützung (40 Prozent) von Prozessen.
Zahlreiche Hindernisse bremsen KI-Projekte aus
Die Cisco-Studie zeigt auch zahlreiche Hindernisse auf, die Unternehmen bei der Umsetzung ihrer KI-Strategien behindern. Dazu zählen beispielsweise Probleme bei der nötigen Infrastruktur: So verfügen nur 14 Prozent der deutschen Unternehmen über die erforderlichen GPUs, um aktuellen und künftigen KI-Anforderungen gerecht zu werden. Nur 20 Prozent können Daten in KI-Modellen mit End-to-End-Verschlüsselung, Sicherheitsaudits, kontinuierlicher Überwachung und sofortiger Reaktion auf Bedrohungen schützen.
Eine weitere Problemquelle ist der Fachkräftemangel, der im Vergleich zum Vorjahr sogar schlimmer geworden ist. Trotzdem herrscht Druck von oben, um die Umsetzung von KI-Projekten voranzutreiben. In knapp der Hälfte (48 Prozent) der befragten Unternehmen geht die Initiative von CEO und Geschäftsführung aus. Nur rund ein Viertel (24 Prozent) der Firmen gab an, über sehr gute Ressourcen und die richtigen Mitarbeiter für den erfolgreichen KI-Einsatz zu verfügen.
Stand: 08.12.2025
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Reichlich Verbesserungsbedarf
Auch in anderen Bereichen fallen die Ergebnisse der Cisco-Studie eher ernüchternd für die deutschen Unternehmen aus. So sind nur 30 Prozent (2023: 31 Prozent) gut oder sehr gut auf die Datenanforderungen von KI vorbereitet. Im überwiegenden Teil der Firmen (88 Prozent) sind Daten immer noch fragmentiert oder in Silos gespeichert.
Beim Thema Governance herrscht ebenfalls reichlich Optimierungsbedarf. So werden beispielsweise KI-Richtlinien nur langsam eingeführt: 74 Prozent der Unternehmen verfügen über keine umfassende KI-Governance. Hinsichtlich der Unternehmenskultur liegt Deutschland zwar hinter Großbritannien auf dem zweiten Rang in Europa, weist aber mit nur vier Prozent einen sehr geringen Anteil an „Pacemakern“ auf.