Viele Unternehmen stehen derzeit vor einer weitreichenden Entscheidung für ihre zukünftige Daten- und Analytics-Landschaft. Das Supportende von SAP BW 7.5 Ende 2027 rückt näher und macht eine Modernisierung der bestehenden Business-Warehouse-Umgebungen unumgänglich. Mit BW/4HANA und der Business Data Cloud (BDC) stehen zwei Lösungsansätze zur Verfügung, die unterschiedliche strategische Zielbilder verfolgen.
Der Autor: Jochen Weintz ist Geschäftsführer von Infocient Consulting
(Bild: Joachim Ackermann)
Mit BW/4HANA hatte SAP bereits frühzeitig einen Nachfolger für das klassische SAP Business Warehouse positioniert. Mit der Einführung der Business Data Cloud kommt nun eine weitere Option hinzu, die deutlich stärker auf Cloud-Technologien und eine systemübergreifende Datenstrategie ausgerichtet ist. Damit wird die BW-Modernisierung zu einer Grundsatzentscheidung und vor allem zu einem inhaltlichen statt zu einem rein technischen Projekt. Unternehmen müssen für sich klären: Soll die bestehende Logik des Business Warehouse fortgeführt werden, oder ist der Zeitpunkt gekommen, die eigene Analytics-Architektur neu auszurichten? Diese Entscheidung über die BW-Modernisierung ist vor allem langfristig relevant. Zwar bietet BW/4HANA derzeit Planungssicherheit durch zugesagten Support bis 2040. Gleichzeitig investiert SAP seine Innovationskraft zunehmend in die Cloud-Plattformen. Die Marschrichtung des Herstellers ist klar: Priorität haben die Cloud-Produkte.
Daten fachlich erzeugen oder nutzen und interpretieren
Der Vorteil von BW/4HANA: Es setzt die Grundprinzipien klassischer BW-Architekturen weitgehend fort. Datenintegration, Datenhaltung, Planung, Berechnungen und fachliche Logik bleiben innerhalb eines zentralen Systems verankert. Für viele Unternehmen ist das ein vertrautes Modell. Über Jahre hinweg wurden im BW nicht nur Daten gespeichert, sondern auch umfangreiche fachliche Anwendungen aufgebaut. Geschäftsregeln, Kennzahlenlogiken, Ausnahmebehandlungen und Planungsprozesse sind häufig direkt im System implementiert. Insbesondere der Query Designer übernimmt dabei oft eine Schlüsselrolle. Queries dienen nicht allein der Berichterstellung, sondern bilden vielfach die eigentliche fachliche Anwendungsebene. Aggregationsregeln, Berechnungen und Interpretationslogiken werden dort zentral definiert und gesteuert. Für Organisationen mit stark individualisierten BW-Anwendungen kann BW/4HANA daher einen geradlinigen Weg darstellen, bestehende Konzepte weiterzuführen.
Die Business Data Cloud verfolgt einen anderen Ansatz. Statt Fachlogik, Datenhaltung und Analyse in einer Plattform zusammenzuführen, trennt sie diese Bereiche bewusst voneinander. Kernbestandteile sind die SAP Datasphere als semantische Datenschicht sowie die SAP Analytics Cloud (SAC) für Reporting, Analyse und Planung. Operative Systeme, Datenmodellierung und analytische Nutzung werden dadurch stärker entkoppelt.
Diese Architektur hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gestaltung von Anwendungen: Die BDC ist nicht darauf ausgelegt, eine umfangreiche fachliche Logik innerhalb der Analytics-Schicht abzubilden. Geschäftsregeln und Entscheidungslogiken sollen nach dem Zielbild der SAP möglichst in den operativen Quellsystemen oder vorgelagerten Anwendungen verankert werden. Die Analytics-Plattform dient damit primär der konsistenten Nutzung und Interpretation von Daten – nicht ihrer fachlichen Erzeugung.
Planung und Fachlogik neu denken
Besonders deutlich werden die Unterschiede der beiden Lösungen bei Planungsszenarien und der Abbildung fachlicher Logik. Im klassischen BW ist die Planung eng mit den Datenmodellen und den fachlichen Prozessen verbunden. In der SAP Analytics Cloud hingegen erfolgt die Planung innerhalb eines eigenständigen, modellbasierten Frameworks. Auch das etablierte Query-Konzept des BW findet in der BDC keine direkte Entsprechung.
Während Queries im BW häufig als zentrale Schicht für fachliche Berechnungen und Interpretationen fungieren, verteilt sich diese Logik in der Business Data Cloud auf verschiedene Ebenen. Teile werden in der semantischen Modellierung der Datasphere umgesetzt, andere in der Analyse- und Präsentationsschicht der SAP Analytics Cloud. Dadurch entsteht nicht nur eine andere technische Architektur, sondern auch eine neue Verteilung fachlicher Verantwortung.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist der Umgang mit Semantik. Historisch gewachsene BW-Systeme bieten oft große Freiheiten bei der Interpretation und Darstellung von Daten. Fachbereiche konnten über Jahre hinweg eigene Sichten und Logiken etablieren. Die Business Data Cloud verfolgt dagegen das Ziel einer konsistenten und einheitlichen Datenbasis über verschiedene Systeme hinweg. Dieser Ansatz gewinnt insbesondere im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz an Bedeutung. KI-Anwendungen benötigen klare, nachvollziehbare und einheitlich definierte Datenstrukturen. Unterschiedliche Interpretationen derselben Kennzahlen in verschiedenen Systemen erschweren dagegen belastbare Analysen und automatisierte Entscheidungen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Entscheidung ist nicht nur technologisch
In vielen Unternehmen wird die Diskussion zunächst als Migrationsprojekt verstanden. Tatsächlich geht es jedoch um eine strategische Neuausrichtung der gesamten Analytics-Landschaft. Bestehende BW-Applikationen lassen sich nicht ohne Weiteres in die Business Data Cloud übertragen. Häufig ist eine fachliche und konzeptionelle Neugestaltung erforderlich. Technisch wäre vieles umsetzbar, doch nicht jede Lösung entspricht dem Zielbild der neuen Plattform.
Unternehmen sollten daher zunächst grundlegende Fragen beantworten:
Welche Rolle soll ein Data Warehouse künftig im Unternehmen spielen?
Wo soll fachliche Logik langfristig angesiedelt werden?
Wie stark sollen Cloud-Technologien künftig genutzt werden?
Welche Anforderungen stellen Reporting, Planung und Analytics an die zukünftige Architektur?
Welche organisatorischen und finanziellen Ressourcen stehen für die Transformation zur Verfügung?
Die Entscheidung zwischen BW/4HANA und Business Data Cloud sowie die anschließende Umsetzung der gewählten Strategie zählen zu den komplexesten Transformationsvorhaben im SAP-Umfeld. In vielen Fällen fehlt intern jedoch die Erfahrung aus vergleichbaren Transformationsprojekten. Externe Beratungspartner können hier wertvolle Unterstützung leisten: Sie bringen methodisches Know-how, technologische Expertise und vor allem Erfahrungen aus zahlreichen Migrations- und Modernisierungsprojekten mit. Dadurch sind sie in der Lage, bestehende BW-Landschaften objektiv zu analysieren, Risiken frühzeitig zu identifizieren und realistische Transformationspfade aufzuzeigen.
Gerade weil die Entscheidung für BW/4HANA oder die Business Data Cloud langfristige Auswirkungen auf die Daten- und Analytics-Strategie eines Unternehmens hat, kann unabhängige externe Expertise wesentlich dazu beitragen, Fehlinvestitionen zu vermeiden und die Weichen für eine zukunftsfähige Architektur zu stellen.
Zwischenlösung statt Entscheidung für oder gegen ein System
In der Praxis zeigt sich häufig, dass die Entscheidung nicht zwingend sofort zwischen BW/4HANA und Business Data Cloud fallen muss. Angesichts des nahenden Support-Endes von BW 7.5 kann eine Migration nach BW/4HANA zunächst Zeit schaffen und den stabilen Weiterbetrieb sicherstellen. Gleichzeitig bleibt die Option offen, die Business Data Cloud zu einem späteren Zeitpunkt einzuführen und den Übergang schrittweise zu gestalten. Dieser Ansatz kann insbesondere für Unternehmen attraktiv sein, deren bestehende BW-Landschaften komplexe fachliche Anforderungen abbilden und deren Transformation nicht innerhalb kurzer Zeiträume realisierbar ist.
Fazit
Die Ablösung von SAP BW 7.5 ist weit mehr als ein technisches Upgrade. Unternehmen stehen vor der Entscheidung zwischen zwei unterschiedlichen Zukunftsmodellen: BW/4HANA setzt die bewährte BW-Logik fort und bietet Kontinuität für bestehende Anwendungen. Die Business Data Cloud hingegen steht für eine moderne Cloud-Architektur mit klarer Trennung von Daten, Semantik und analytischen Anwendungen. Welcher Weg der richtige ist, hängt von der individuellen Ausgangssituation, den bestehenden BW-Anwendungen und den strategischen Zielen des Unternehmens ab. Eine fundierte Analyse der fachlichen Anforderungen und der langfristigen Datenstrategie sollte deshalb jeder Migrationsentscheidung vorausgehen.