Kommentar von Andy Schneider, Palo Alto Networks Unternehmen müssen sich binnen Monaten auf neue KI-Cyberangriffe vorbereiten

Von Andy Schneider 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

In den vergangenen Monaten hat die Cybersicherheit einen kritischen Wendepunkt erreicht. Aktuelle Frontier-KI-Modelle können Schwachstellen im Code erstaunlich zuverlässig erkennen und daraus nahezu in Echtzeit konkrete Angriffspfade ableiten. Manche Modelle sind dabei so leistungsfähig, dass der Zugriff auf sie zurzeit auf eine kleine Gruppe vertrauenswürdiger Partner beschränkt ist. Der Grund dafür: Sicherheitslücken sollen gefunden und geschlossen werden, bevor Angreifer sie entdecken und ausnutzen.

Der Autor: Andy Schneider ist CSO EMEA Central bei Palo Alto Networks(Bild:  Palo Alto Networks)
Der Autor: Andy Schneider ist CSO EMEA Central bei Palo Alto Networks
(Bild: Palo Alto Networks)

Noch sind diese fortschrittlichen KI-Fähigkeiten nicht in größerem Umfang für Angreifer verfügbar. Schätzungen zufolge bleibt Unternehmen jedoch nur noch ein Zeitfenster von wenigen Monaten, um sich darauf vorzubereiten. Danach werden KI-gestützte Exploits voraussichtlich zur neuen Norm. Angesichts der Vielzahl bestehender Schwachstellen, die Angreifer mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) schon bald erkennen und potenziell ausnutzen könnten, müssen Unternehmen jetzt handeln. Das bedeutet, Sicherheitslücken zu schließen und parallel dazu die Cyberabwehr richtig aufzustellen, unter anderem durch automatisierte Abwehrmaßnahmen in Echtzeit.

Was Tests von Palo Alto Networks zeigen

Werden die Fähigkeiten der neuesten Frontier-KI-Modelle im Hinblick auf das Erkennen und Ausnutzen von Sicherheitslücken eventuell überschätzt? Nach den Erkenntnissen von Palo Alto Networks ist die Antwort eindeutig: Nein. Seit dem 7. April 2026 testet das Unternehmen als einer der ausgewählten Partner im Rahmen von Project Glasswing das Frontier-KI-Modell Claude Mythos von Anthropic. Zudem testet es weitere Frontier-KI-Modelle, wie zum Beispiel Claude Opus 4.7 von Anthropic und GPT-5.5-Cyber von OpenAI, das über das Programm Trusted Access for Cyber (TAC) zur Verfügung steht. Das Fazit: Diese Modelle sind wahrscheinlich sogar noch besser darin, Schwachstellen zu finden, als ursprünglich angenommen.

Vier Schritte zu einer wirksamen Cyberabwehr

Einzelmaßnahmen greifen gegen KI-gestützte Cyberangriffe zu kurz. Gefragt ist stattdessen ein Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen, die ineinandergreifen. Um sich wirksam auf die durch KI veränderte Bedrohungslage vorzubereiten, sollten Unternehmen an vier zentralen Punkten ansetzen.

1. Sicherheitslücken KI-gestützt aufspüren und schließen

Im ersten Schritt geht es darum, Schwachstellen in Produkten, Anwendungen und Code zu finden und zu beheben, bevor Angreifer sie ausnutzen können. KI-Modelle können dabei helfen, Sicherheitslücken sowohl im eigenen Quellcode als auch in eingebundenen Open-Source-Komponenten aufzuspüren. Gefundene Probleme und Risiken sollten anschließend konsequent behoben werden. Verlässliche Ergebnisse setzen allerdings einen durchdachten KI-Scan-Rahmen voraus. Für präzise Analysen benötigen KI-Modelle den richtigen Kontext und passende Threat Intelligence. Zu berücksichtigen ist auch, dass sich einzelne Modelle je nach Trainingsansatz in ihren Ergebnissen unterscheiden. Deshalb empfiehlt es sich, mehrere Modelle zu nutzen, um alle Schwachstellen zuverlässig zu erkennen. Auf dieser Basis sollten Patching-Prozesse eng mit Produkt- und Entwicklungsteams abgestimmt und spürbar beschleunigt werden.

2. Angriffsfläche erkennen und gezielt reduzieren

Für die Cyberabwehr ist es entscheidend, die eigene Angriffsfläche zu kennen. Unternehmen müssen wissen, welche Systeme und Anwendungen von außen erreichbar sind. Nur so können sie das Gefährdungspotenzial richtig beurteilen und minimieren. Tools für das Angriffsflächenmanagement verschaffen Unternehmen die erforderliche Transparenz. Diese Lösungen erfassen die von außen erreichbare Angriffsfläche und überwachen sie im Zeitverlauf. Auf dieser Grundlage können Unternehmen den externen Zugriff auf Systeme und Anwendungen auf das notwendige Maß begrenzen. Zugleich gilt es, alles abzusichern, was weiterhin von außen erreichbar bleiben muss, wie zum Beispiel Anwendungen für Kunden. Ergänzend sollten Unternehmen ihre gesamte Software- und KI-Lieferkette überprüfen und identifizierte Sicherheitsrisiken beseitigen oder auf ein vertretbares Maß reduzieren.

3. Schutz auf allen Ebenen verankern

Nur mit einer lückenlosen und proaktiven Verteidigungsstrategie gelingt es Unternehmen, Angreifern auf jeder Ebene einen Schritt voraus zu sein. Den Ausgangspunkt bildet eine präzise Analyse der aktuellen Abdeckung der Sicherheitsüberwachung, um blinde Flecken bei der Telemetrie, Erkennung und Prävention auszumachen. Darauf aufbauend sollten Unternehmen für eine durchgängige und erstklassige Extended Detection and Response (XDR) sorgen – unter Einbeziehung aller Hosts vor Ort (on-premises) und in der Cloud. Zu empfehlen ist dabei ein Fokus auf die Erkennung und Abwehr von Cyberangriffen in Echtzeit durch maschinelles Lernen (ML). Unerlässlich sind auch sichere Unternehmensbrowser mit KI-basierten Sicherheitsmechanismen. Grundlegend für den Schutz der einzelnen Nutzer und jeder Verbindung sind zudem ein konsequenter Zero-Trust-Ansatz und eine hohe Identitätssicherheit.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Big Data, Analytics & AI

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

4. Selbst auf KI und Automatisierung setzen

Der Einsatz von KI beschleunigt Cyberangriffe massiv. Automatisierung kann den Angriffsverlauf auf wenige Minuten verkürzen. Im Extremfall vergeht zwischen dem ersten Zugriff und der Datenexfiltration nicht einmal eine Minute. Das heißt, jedes Security Operations Center (SOC) muss die mittlere Zeit bis zur Erkennung (Mean Time to Detect, MTTD) und Reaktion (Mean Time to Respond, MTTR) gleichermaßen auf wenige Minuten senken. Erreichen lässt sich das nur mit KI- und ML-gestützter Erkennung, die vollen Zugriff auf alle relevanten Datenquellen besitzt und diese einbezieht. In Zukunft wird die Automatisierung der Cyberabwehr voraussichtlich zunehmend von autonomen KI-Agenten übernommen, die selbstständig Entscheidungen treffen und Cyberangriffe abwehren. Unternehmen können sie heute schon für ihre Cyberabwehr nutzen. Um die üblichen Lücken von Punktlösungen zu vermeiden, sollte die Automatisierung über eine zentrale Plattform erfolgen.

Fazit: Die Zeit für Vorbereitung läuft

Nicht jedes Unternehmen verfügt über das Know-how oder die Ressourcen, um alle Empfehlungen eigenständig umzusetzen – vor allem nicht in dem engen Zeitfenster, das zur Vorbereitung auf die Fähigkeiten der neuesten Frontier-KI-Modelle bleibt. Hier kann ein externer Partner mit tiefgehender Expertise dabei unterstützen, die eigene Cyberabwehr zu modernisieren, das vorhandene Gefährdungspotenzial zu beurteilen und zu minimieren sowie potenziellen Schaden einzudämmen. Zentral ist zukünftig die Fähigkeit, Bedrohungen in Maschinengeschwindigkeit zu erkennen und abzuwehren. Es entwickelt sich demnach ein Kampf zwischen KI und KI.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:50913624)