Business Intelligence aus der Cloud

Ein erster Blick auf Amazon QuickSight

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

QuickSight lässt sich derzeit entweder im Web-Browser oder in der iPhone-App ausführen.
QuickSight lässt sich derzeit entweder im Web-Browser oder in der iPhone-App ausführen. (Bild: Amazon/Matzer)

Self-Service BI ist schon seit Jahren der wichtigste Trend im Bereich Business Intelligence. Mitarbeiter in Fachbereichen erstellen Ad-hoc-Abfragen und analysieren Leistungsdaten. Mit QuickSight macht Amazon nun bekannten Cloud-Angeboten wie Qlik, Tableau, Microsoft PowerBI und SAP Lumira Konkurrenz.

Mit der Cloud-Lösung QuickSight sollen online arbeitende Mitarbeiter in Fachbereichen – also keine BI-Spezialisten – strukturierte Daten ad hoc analysieren können sowie Dashboards und Visualisierungen erzeugen. Dieser Markt für Data Discovery und Collaboration wird bislang von Platzhirschen wie Qlik und Tableau beherrscht. Mit Microsoft PowerBI und SAP Lumira erhält der BI-Profi allerdings weiterreichende Funktionen, die er auf einer bestimmten Cloud nutzen kann, sei es MS Azure, Google Cloud Platform oder SAP Cloud.

Die Frage ist also, was QuickSight an Neuem zu bieten hat. Zunächst fällt das Versprechen ins Auge, dass absolut jeder damit arbeiten können soll. Das senkt die Eintrittsschwelle beträchtlich herab. Eine Datenquelle zu wählen und eine Visualisierung zu erzeugen, ist nicht genug, denn meist entsteht dabei Unsinn, der nur Zeit kostet. Als hilfreich und notwendig erweist sich daher der kleine Assistent namens Autograph. Er schlägt Typen von Diagrammen vor, die für die spezifische Art von Daten geeignet erscheint. Hier muss man auf die Lernfähigkeiten von Amazons KI-Algorithmen vertrauen.

Wenn Amazon vollmundig verspricht, der Nutzer könne „riesige Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen importieren“, so runzelt der Profi die Stirn. Doch sogleich gibt Amazon Entwarnung: „Die superschnelle, parallele In-Memory-Berechnungs-Engine SPICE werde ja in der Cloud betrieben, und dort geht alles viel schneller. Um verschiedene Datenquellen „einbinden“ zu können, sollte man aber eine Vorstellung haben, von welcher Qualität und Herkunft diese unterschiedlichen Datentypen sind. Man mag zwar eine flotte Anwendung besitzen, doch sie muss mit den passenden Daten aus einem Datenmodell gefüttert werden.

BI-Basisanforderungen erfüllt

Nutzer können die üblichen arithmetischen Funktionen und Vergleichsfunktionen, Bedingungsfunktionen wie IF/THEN-Funktionen und Datums- und Zeichenfolgenberechnungen sowie numerische Berechnungen durchführen. Mit anderen Worten: Das sind Basisanforderungen an ein BI-Werkzeug.

Die SPICE-Engine (der Filmkenner denkt sofort an DUNE) verwendet eine Kombination aus spaltenbasierter Speicherung, auf aktuellen Hardwareinnovationen basierenden In-Memory-Technologien, Maschinencode-Generierung und Datenkomprimierung. Diese Features sind bei SAP HANA altbekannt. Bei den „aktuellen Hardwareinnovationen“ dürfte der Einsatz schneller Intel-CPUs und Nvidia-GPUs gemeint sein. Die Engine repliziert automatisch Daten im Hinblick auf Hochverfügbarkeit und Skalierbarkeit. Wer Amazon Web Services kennt, ahnt, dass damit Dienste wie S3, EC2 und EBS gemeint sind.

Dieser Verdacht bestätigt sich, wenn AWS aufzählt, welche Datenquellen zur Auswahl stehen. Neben CSV- oder Excel-Dateien handelt es sich vor allem um Daten aus AWS-Datenquellen wie Amazon Redshift, Amazon RDS, Amazon Aurora, Amazon Athena, Amazon S3 und Amazon EMR (Elastic MapReduce mit Presto und Apache Spark). Unter Nutzung von Athena und S3 soll der QuickSight-Nutzer auch Big-Data-Analysen ausführen können.

Des Weiteren kann der Datenprofi Verbindungen zu Datenbanken wie MS SQL Server, Oracle MySQL und PostgreSQL in der Cloud oder lokal herstellen sowie SaaS-Anwendungen wie Salesforce einbinden. In künftigen Versionen soll es möglich sein, Daten aus Amazon DynamoDB und Amazon Kinesis sowie weiteren Cloud-Anwendungen aufzunehmen. QuickSight steht also noch am Anfang.

Ganz im Sinne von Self-Service BI ist die kostenlose Bereitstellung von Rohdaten für Beispielanalysen. Diese kann man herunterladen, sobald man ein QuickSight-Konto hat. Die Rohdaten lassen sich unter folgenden Links herunterladen:

Diese Datensätze wurden von 47Lining, einem AWS Consulting Partner, erstellt.

Autograph

Auch diese Funktion soll Zeit sparen helfen. Nutzer „vermeiden die zeitraubende Aufgabe, das Schema ihrer Daten abzufragen und zu verstehen“. Diese Aufgabe lässt sich durch Nutzung von bestimmten NoSQL-Datenbanken umgehen, die kein Schema voraussetzen, sondern ein Schema on-read erstellen. So dürfte auch QuickSight vorgehen. Damit ist das Tool auf der Höhe der Zeit. Ein schnell erstellter Index, wie ihn Splunk standardmäßig erzeugt, würde die Datensuche besonders in Zahlenreihen erheblich beschleunigen. In der Produktbeschreibung fehlt dieses Feature, andererseits kann der Index von der jeweils verwendeten Datenbank abhängen.

Wie schon erwähnt, bestimmen die ausgewählten oder vorgefundenen Daten, welche Art von Visualisierung am besten passt. Aber was ist unter dem Attribut „am besten“ zu verstehen, fragt sich der Laie. Charts sollen das intuitive Verständnis von Daten bei Business-Anwendern fördern. Für jeden Datentyp gibt es optimal geeignete Diagrammtypen. Um die Einstiegshürden zu senken, schlägt der Autograph-Assistent Charts vor, die zum gewählten Datentyp passen könnten.

Amazon QuickSight bietet folgende Visualisierungen an, die unterschiedliche Analyseansätze ermöglichen:

  • Vergleich und Verteilung
  • Balkendiagramme (mehrere ausgewählte Varianten)
  • Zeitliche Veränderung
  • Liniendiagramme
  • Flächendiagramme
  • Korrelation
  • Streudiagramme
  • Heat Maps
  • Aggregation
  • Tortendiagramme
  • Baumdiagramme
  • Tabellarische Visualisierung
  • Pivot-Tabellen

Momentan bietet QuickSight acht mögliche Visualisierungen in Form von Charts und Pivot-Tabellen an. Da es sich um ein Tool für den BI-Einstieg handelt, ist dies eine erste, aber immerhin solide Ausgangsbasis für ein personalisiertes Self-Service Dashboard.

Kollaboration

Die Nutzung ist derzeit im Browser sowie in der QuickSight iPhone-App möglich. Für künftige Versionen ist auch Android- und Tablet-Unterstützung einschließlich der Anzeige im Offline-Modus geplant.

Die Nutzung und Bereitstellung von Charts und Analysen für andere Team-Mitglieder ist seit etwa zwei bis drei Jahren ein Must-Have. Wichtig ist beim Zusammenspiel die begleitende Vermittlung des Kontextes. Dafür hat Qlik Sense beispielsweise die Story-Funktion eingeführt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch QuickSight mit solch einem Leistungsmerkmal aufwartet.

„Mithilfe der Story-Funktion können Nutzer Visualisierungen in Geschäfts-Dashboards kombinieren und sicher für einzelne Personen oder größere Gruppen in ihrer Organisation freigeben.“ Unter „Storys“ sind geführte Touren durch spezifische Ansichten einer Analyse zu verstehen. Sie dienen dazu, die wichtigsten Punkte, einen Denkprozess oder die Entwicklung einer Analyse für die Zusammenarbeit zum Ausdruck zu bringen. Der Nutzer erstellt sie in QuickSight, indem er spezifische Stadien der Analyse erfasst und kommentiert. Klickt der Leser der Story auf ein Bild in der Story, wird er in der Analyse zu dem Punkt geführt, an dem er auf eigene Faust weitersuchen kann.

Nun fehlt noch die Weiterleitung der Story. Nutzer können Analysen, Dashboards oder Storys mithilfe des Freigabesymbols der QuickSight-Service-Oberfläche freigeben: „Sie können die Empfänger (E-Mail-Adresse, Benutzername oder Gruppenname), Berechtigungsstufen und andere Optionen vor Freigabe der Inhalte an andere Personen auswählen“, schreibt Amazon. Durch Berechtigungen, Rollen und Gruppenzugehörigkeiten lässt sich eine Directory-ähnliche Struktur aufbauen bzw. ausnutzen, die ein hohes Maß an Datensicherheit für alle Assets und Daten gewährleisten.

Kosten und Editionen

Das vollmundige Versprechen hinsichtlich der Kosten: „QuickSight verursacht nur ein Zehntel der Kosten, die für herkömmliche BI-Lösungen anfallen.“ Dass der Nutzer keine eigenen Investitionen außer Personal bereitstellen muss, dürfte bei einer Public Cloud selbstverständlich sein. Allerdings sind manche Nutzer gleicher als andere: Sie können zwischen der Standard Edition und der doppelt so teuren Enterprise Edition wählen. Die Enterprise Edition erfordert ein Jahres-Abo, wohingegen Nutzer der Standard-Edition ihr Abo monatlich kündigen können.

Natürlich wäre AWS entzückt, wenn der Nutzer der Standard Edition ein Upgrade in Betracht zöge. Es gibt allerdings einen nicht ganz unwichtigen Haken: „Derzeit wird die Migration von Daten und Benutzern zwischen den verschiedenen Versionen nicht unterstützt“, verrät AWS in den FAQs. „Nachdem Sie den Wechsel auf eine der Versionen vollzogen haben, müssen Sie die Benutzer erneut zu ihrem Konto einladen und die benötigten Datensätze erneut bereitstellen.“ Der Test von QuickSight (1 GB SPICE-Kapazität, 60 Tage, 4 Benutzer, Standard oder Enterprise Edition) ist kostenlos .

Fazit

Der derzeitige Funktionsumfang des Online-BI-Tools ist noch ausbaufähig. Aber die Ausgangslage ist vielversprechend, denn damit lassen sich Ad-hoc-Analysen, Dashboards und acht Arten von Visualisierungen realisieren – ausreichend für eine beträchtliche Anzahl von kleinen und mittleren Unternehmen.

Deutlich wird Wert darauf gelegt, dass „casual user“ bzw. nicht professionelle BI-User zu schnellen, vorzeigbaren Ergebnissen gelangen, auch im Bereich Big Data Analytics. Da diese Gruppe die Performance eines Amazon-Shops gewohnt ist, muss die Ausführungsgeschwindigkeit hoch bzw. die Latenzzeit für ein Ergebnis entsprechend kurz sein. Bei nur 1 GB SPICE-Kapazität, die kostenlos ist (siehe die Editions-Seite), dürfte das aber keine ernsthafte Hürde darstellen.

Ansätze für den Unternehmenseinsatz sind bereits vorhanden, so etwa die Berechtigungsstruktur für die Freigabe von „Storys“ und anderen Assets, die für geregelten Zugriff sorgt. Dass mobile Nutzer derzeit auf das iPhone beschränkt sind, um eine QuickSight-App verwenden zu können, ist suboptimal. Daher beeilt sich Amazon, auf kommende Android- und Tablet-Versionen zu verweisen.

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