Bitkom-Studie zur Nutzung von KI in der Buchbranche Übersetzen ja, Bücher schreiben lieber nicht

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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KI als Übersetzungshilfe findet breite Zustimmung. Ein vollständig maschinell geschriebenes Buch würden dagegen deutlich weniger Menschen lesen. Eine Bitkom-Umfrage* zeigt, wie unterschiedlich das Publikum auf die Einsatzformen reagiert und wie groß der Wunsch nach Transparenz ist.

Schreiben kann die Maschine. Aber mit wessen Worten? Knapp zwei Drittel der Bundesbürger befürchten laut Bitkom, dass KI menschliche Autoren verdrängen könnte. Dabei hat die KI das Schreiben ausgerechnet aus deren Büchern gelernt.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Schreiben kann die Maschine. Aber mit wessen Worten? Knapp zwei Drittel der Bundesbürger befürchten laut Bitkom, dass KI menschliche Autoren verdrängen könnte. Dabei hat die KI das Schreiben ausgerechnet aus deren Büchern gelernt.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Ein Buch bleibt für Leser zunächst ein Buch. Ob eine Künstliche Intelligenz (KI) bei der Recherche geholfen, Sätze überarbeitet oder ganze Kapitel erzeugt hat, lässt sich dem fertigen Text nicht ohne Weiteres ansehen. Für die Bewertung kann es aber einen erheblichen Unterschied machen: Unterstützt die Maschine einen Menschen oder stammt die Geschichte vollständig aus der Feder eines KI-Systems?

Für den Digitalverband ist die Botschaft klar. KI werde „vor allem als zusätzliches Werkzeug akzeptiert, nicht jedoch als Ersatz für menschliche Kreativität“, sagt Bitkom-Experte Dr. Sebastian Klöß. Die Branche könne sie nicht nur beim Schreiben einsetzen, sondern auch bei Recherche, Lektorat oder Vermarktung.

Ein Werkzeug, das Arbeit verschiebt

Ausgerechnet beim Übersetzen ist die Zustimmung am größten. Dabei ist literarisches Übersetzen selbst kreative Arbeit. Tonfall, Rhythmus, Wortspiele und kulturelle Anspielungen lassen sich nicht einfach maschinell übertragen.

Auch wenn Verlage KI hier nur als Werkzeug sehen, kann sich der Beruf grundlegend ändern: Übersetzerinnen und Übersetzer würden dann nicht mehr selbst übersetzen, sondern maschinelle Rohfassungen glätten. Wird diese Arbeit genauso bezahlt? Danach fragt die Umfrage nicht. Für die Betroffenen ist genau das die entscheidende Frage.

Wessen Texte stecken in der Maschine?

Noch grundsätzlicher ist eine Frage, die in der Debatte über die Akzeptanz fast untergeht: Womit wurden die Sprachmodelle trainiert? Ohne Unmengen menschlich geschriebener Texte gäbe es keine KI, die Romane verfasst. Wie heikel das ist, zeigen die Gerichte. In den USA hat sich Anthropic 2025 mit Autorinnen und Autoren auf einen Vergleich über rund 1,5 Milliarden US-Dollar geeinigt. Dabei ging es um Bücher aus Piraterie-Quellen, mit denen die KI trainiert worden war. Das Landgericht München I gab im November 2025 der GEMA gegen OpenAI recht. Das Gericht sah es als Urheberrechtsverletzung an, dass ChatGPT geschützte Liedtexte im Modell gespeichert und wiedergegeben hatte.

Für Autoren entsteht damit eine bittere Konstellation: Dieselbe Technologie, die sie ersetzen könnte, wurde möglicherweise mit ihren eigenen Werken trainiert. 65 Prozent der Befragten befürchten, dass KI menschliche Autoren verdrängen könnte.

Ein Label allein reicht nicht

72 Prozent wollen, dass der Einsatz von KI in Büchern gekennzeichnet wird. Mehr als die Hälfte traut sich nicht zu, ihn selbst zu erkennen. Ein pauschales „Mit KI erstellt“ würde jedoch Rechtschreibhilfe und vollständig generierte Kapitel in einen Topf werfen. Sinnvoll ist eine Kennzeichnung nur, wenn sie erklärt, was die Maschine tatsächlich gemacht hat.

Die Bitkom-Zahlen zeigen, was das Publikum akzeptiert. Die unbequemere Frage lautet: Wer bezahlt die Menschen, ohne deren Texte es weder die Bücher noch die KI gäbe?

* Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dazu wurden 1.006 Personen in Deutschland ab 16 Jahren telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 28 bis KW 32 2026 statt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellung lautete: „Welche der folgenden Aussagen treffen auf Sie bzw. Ihrer Meinung nach zu bzw. nicht zu?“

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