KI im Mittelstand Begeisterung ja, aber nicht um jeden Preis

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Zwei Drittel der deutschen KMU stehen Künstlicher Intelligenz (KI) positiv gegenüber. Doch mehr als die Hälfte misstraut Anbietern aus den USA und China. Eine aktuelle IONOS-Studie offenbart ein Vertrauensparadoxon.

KI ja, Kontrollverlust nein: Laut IONOS-CEO Achim Weiß hat der deutsche Mittelstand verstanden, dass KI nur unter einer Bedingung funktioniert: Daten und Kontrolle müssen in den eigenen Händen bleiben.(Bild:  IONOS)
KI ja, Kontrollverlust nein: Laut IONOS-CEO Achim Weiß hat der deutsche Mittelstand verstanden, dass KI nur unter einer Bedingung funktioniert: Daten und Kontrolle müssen in den eigenen Händen bleiben.
(Bild: IONOS)

Der deutsche Mittelstand will KI. Das zeigt die Digitalisierungsstudie* von IONOS, durchgeführt von YouGov unter rund 4.000 KMU-Entscheidern in fünf europäischen Ländern. Demnach bewerten 65 Prozent der befragten deutschen Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern die KI-Entwicklung positiv, 42 Prozent geben sich optimistisch und 23 Prozent neugierig. Lediglich acht Prozent fühlen sich von der Technologie überfordert.

Doch die Offenheit hat wohl auch klare Grenzen: 53 Prozent der deutschen KMU misstrauen KI-Anbietern aus den USA und China. Die Hälfte der Befragten fürchte Datenspionage oder -diebstahl durch Dritte. Mehr als die Hälfte sorge sich zudem um fehlerhafte Ergebnisse und mangelnde Transparenz bei außereuropäischen Lösungen.

Verlässlichkeit schlägt Innovation

Bei der Auswahl von KI-Tools steht für den deutschen Mittelstand nicht das Feature-Set an erster Stelle, sondern Vertrauen: 55 Prozent nennen verlässliche Ergebnisse als wichtigstes Kaufkriterium. 43 Prozent fordern die Erfüllung rechtlicher Vorgaben, und gut ein Drittel (36 Prozent) setzt einen Anbieter aus Deutschland oder Europa voraus.

Achim Weiß, CEO von IONOS sieht darin ein klares Marktsignal: „Der deutsche Mittelstand hat verstanden, worum es geht: KI ja, aber nur, wenn Daten und Kontrolle in den eigenen Händen bleiben. Souveräne KI ist die Grundvoraussetzung, um technologisch unabhängig zu bleiben. Richtig eingesetzt wird sie zum entscheidenden Hebel gegen den Fachkräftemangel. Sie steigert Effizienz sowie Produktivität und sichert genau die Innovationen, die unser Standort jetzt braucht.“

Europa ist skeptischer als gedacht

Das Misstrauen gegenüber außereuropäischen Anbietern ist kein rein deutsches Phänomen, in Deutschland aber am stärksten ausgeprägt. Die Studie liefert einen Fünf-Länder-Vergleich:

KI ja, Kontrolle bitte behalten: Im Fünf-Länder-Vergleich zeigen deutsche KMU die größte Skepsis gegenüber außereuropäischen KI-Anbietern – bei gleichzeitig hoher Technologieoffenheit.(Bild:  IONOS)
KI ja, Kontrolle bitte behalten: Im Fünf-Länder-Vergleich zeigen deutsche KMU die größte Skepsis gegenüber außereuropäischen KI-Anbietern – bei gleichzeitig hoher Technologieoffenheit.
(Bild: IONOS)

Auffällig: Spanien und Frankreich zeigen die größte KI-Begeisterung (73 bzw. 72 Prozent), während Deutschland und Großbritannien zurückhaltender sind, aber beide gleichzeitig die höchsten Anforderungen an Verlässlichkeit stellen.

KI-Adoption beschleunigt sich, aber Wissenslücken bremsen

Die Studie steht nicht allein. Der KI-Index Mittelstand 2026, den Salesforce gemeinsam mit dem Deutschen Mittelstands-Bund (DMB) veröffentlicht hat, bestätigt den Aufwärtstrend: Demnach nutzen oder testen mittlerweile 51 Prozent der Mittelständler KI-Lösungen, gegenüber 33 Prozent im Vorjahr. Der Einsatz von KI-Agenten hat sich mit 16,6 Prozent fast verdoppelt.

Gleichzeitig zeigt die Salesforce/DMB-Erhebung, wo es hakt: 39,9 Prozent der KMU wünschen sich vor allem mehr Hintergrundwissen zu potentiellen Einsatzgebieten. 26,6 Prozent klagen über eine unklare Gesetzeslage.

Der regulatorische Rahmen nimmt Gestalt an

Indes hat die Bundesregierung den Entwurf des KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetzes (KI-MIG) beschlossen, das die EU-KI-Verordnung national umsetzt. Die Bundesnetzagentur wird zur zentralen Aufsichtsbehörde, unterstützt durch ein neu einzurichtendes Koordinierungs- und Kompetenzzentrum (KoKIVO).

Bremst das Misstrauen den Mittelstand oder schützt es ihn?

Die Ergebnisse lassen zwei Lesarten zu. Optimistisch betrachtet zeigt der Mittelstand eine reife Haltung: KI-Adoption steigt, aber nicht kopflos. Datensouveränität als Kaufkriterium kann europäische Anbieter stärken und zu einem differenzierten Ökosystem beitragen.

Kritisch betrachtet besteht das Risiko, dass deutsche KMU im internationalen Wettbewerb ins Hintertreffen geraten, wenn sie die leistungsfähigsten Tools aus Prinzip meiden, während Wettbewerber in Spanien oder Frankreich pragmatischer zugreifen.

* Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH im Auftrag von IONOS unter insgesamt ca 4.000 Entscheidern aus kleinen und mittelständischen Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien (Befragungszeitraum: Januar bis März 2026).

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