Eine repräsentative Umfrage der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften widerlegt das Klischee der technikfeindlichen Deutschen. Gegenüber Innovationen wie Künstlicher Intelligenz (KI) zeigen sie sich differenziert und aufgeschlossen. Doch misstrauen sie zentralen Absendern in der Technikdebatte und stellen Bedingung für ihre Zustimmung.
Seit 2017 lässt acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften die Deutschen nach ihren Technikeinstellungen befragen. 2025 standen die Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Fokus.
(Bild: acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften)
Seit 2017 lässt acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften die Deutschen nach ihren Technikeinstellungen befragen. Das TechnikRadar ergänzt gleichbleibende Basisfragen mit wechselnden Schwerpunkten. 2025 standen die Themen Digitalisierung und KI im Fokus. Mit der Umfrage will acatech Technikdebatten durch empirische Daten versachlichen, gesellschaftliches Feedback liefern und ein Frühwarnsystem für aufkommende Spannungen schaffen. Schließlich ist Technikakzeptanz eine Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit eines Landes.
Wettbewerbsfaktor Technikakzeptanz
In der veröffentlichten Meinung bestehen starke Zweifel an dieser Akzeptanz: Medienberichte über das TechnikRadar betonten, dass erst 14 Prozent der Deutschen regelmäßig KI-Tools im Job nutzen. Die Botschaft: Deutschland verliert im KI-Boom den Anschluss.
Tatsächlich jedoch lassen sich die Menschen in ihrer grundsätzlichen Haltung kaum vom kurzfristigen Rummel um neue Technologien beeindrucken, nicht einmal von Krisen. Seit 2017 bleiben die Erwartungen der Menschen an Technik im Kern unverändert. Trotz Corona-Pandemie, Klimawandel oder russischem Angriffskrieg sind die meisten Deutschen überzeugt, dass sich technischer Fortschritt nicht aufhalten lässt. Blinder Technikoptimismus oder -pessimismus sind ihnen dabei fremd: Weder glauben sie, dass Technik alle Probleme beseitigt, noch dass sie langfristig mehr Probleme schafft, als sie lösen soll. An dieser Grundhaltung ändern auch Prognosen bevorstehender Umwälzungen durch KI nichts.
Ambivalenz als Normalzustand
Dieses Muster wiederholt sich in der Haltung zu einzelnen Technologien und ihren Folgen. Die Deutschen beurteilen sie differenziert nach Einsatzzweck und sehen Nutzen und Risiken gleichermaßen. Das zeigt sich exemplarisch bei KI.
Ihren Einsatz in der medizinischen Diagnostik bewerten 66 Prozent als nützlich, nur 34 Prozent als riskant. Bei autonomen KI-Agenten (nützlich: 38 Prozent, riskant: 34 Prozent) und KI-generierten Inhalten (nützlich: 52 Prozent, riskant: 44 Prozent) sind die Meinungen gespalten.
Persönliche Erfahrung mit KI wächst
Eine wichtige Einsicht aus dem TechnikRadar ist, dass zunehmend persönliche Erfahrungen die Meinung der Menschen über KI prägen. Rund vier von zehn Befragten haben bereits generative KI-Tools genutzt: Regelmäßig tun es 14 Prozent im Beruf und 11 Prozent im Privatleben.
Die Hälfte von ihnen hat dabei den Eindruck, dass ihnen die neuen Werkzeuge Arbeit abnehmen. Gleichzeitig hinterfragen viele deren Ergebnisse: 45 Prozent halten KI-generierte Inhalte nur für teilweise korrekt. Doch gerade einmal 14 Prozent meinen, dass der Einsatz von KI ihnen gar nichts gebracht hat, und nur 15 Prozent geben an, dass die Ergebnisse ihre Skepsis verstärkt haben. Dagegen zeigen sich zwei Drittel der Nutzenden von den Möglichkeiten der KI-Technologie fasziniert.
Das Vertrauensparadoxon
Im Widerspruch zur wachsenden Neugier der Deutschen auf KI steht ihr Misstrauen gegenüber zentralen Akteuren im digitalen Raum. Nur 16 Prozent schenken den Aussagen der Politik zur KI Glauben. Zu Technikfolgen insgesamt fühlen sich gerade einmal 9 Prozent von der Regierung ausreichend informiert. Am wenigsten vertrauen die Menschen Plattformbetreibern und Technik-Influencern (jeweils 7 Prozent), also den Urhebern und Evangelisten der neuen Technologie. Als glaubwürdige Instanzen gelten hierbei vor allem Verbraucherschutzorganisationen (56 Prozent), mit deutlichem Abstand vor klassischen Medienanbietern (25 Prozent). Noch 48 Prozent vertrauen auf die Expertise von Wissenschaft und Fachleuten bei Entscheidungen über umstrittene Technologien, insbesondere Wählerinnen und Wähler von Bündnis90/Die Grünen (61 Prozent) und der Linken (59 Prozent).
Transparenz als Grundbedürfnis
Die Ergebnisse des TechnikRadar zeigen, dass Technikakzeptanz dort endet, wo Technologie die Entscheidungsfreiheit der Menschen einschränkt. Vor allem fordern die Befragten Selbstwirksamkeit und Kontrollmöglichkeiten. Das zeigt sich in drei wesentlichen Bereichen:
So fürchten 84 Prozent, dass die Urheberschaft digitaler Inhalte durch generative KI nicht mehr nachvollziehbar ist. 46 Prozent glauben, dass KI-Systeme Inhalte in sozialen Medien manipulieren. Deshalb fordern 91 Prozent der Deutschen eine klare Kennzeichnung KI-generierter Inhalte.
Skepsis gegenüber Monopolen und eigenmächtiger KI
Die Menschen wollen ebenso ihre Entscheidungsfreiheit gegenüber wirtschaftlicher und maschineller Dominanz wahren. 60 Prozent sorgen sich über die Machtkonzentration bei wenigen Tech-Konzernen, 69 Prozent befürchten dadurch gesellschaftliche Nachteile. Bei akademisch Gebildeten sind es sogar 77 Prozent, die Nachteile für die Gesellschaft durch Big Tech sehen.
Stand: 08.12.2025
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Die Skepsis richtet sich gleichfalls gegen die Eigenmächtigkeit der Technologie selbst. Besonders kritisch betrachten die Befragten den Einsatz von KI zur Steuerung autonomer Waffensysteme – eine klare Mehrheit von 57 Prozent lehnt dies ab. Auch beim autonomen Fahren, das in früheren Ausgaben des TechnikRadar abgefragt wurde, gab es viel Skepsis.
Mehr Mitbestimmung bei umstrittenen Technologien
Politischer Ausdruck für den Wunsch nach Transparenz, Kontrolle und Autonomie ist die Forderung nach politischer Mitbestimmung: 45 Prozent der Befragten wollen bei umstrittenen Technologien mitentscheiden. Unter Wählerinnen und Wählern von AfD und BSW sind es fast zwei Drittel (65 Prozent). Lediglich 18 Prozent aller Befragten lehnen dies ab.
Dagegen sind 63 Prozent der Deutschen über alle Gruppen hinweg einig, dass sich verantwortungsvolle Technologieentwicklung am Gemeinwohl orientieren muss.
Menschen wollen kein Objekt des technischen Wandels sein
Offenheit für Technik ist eine Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit einer Gesellschaft. Doch Technikakzeptanz ist mehr als ein ökonomischer Wettbewerbsfaktor. Menschen fragen, was technische Innovationen für ihr eigenes Leben und die Gesellschaft bedeuten und zeigen dabei klare Grenzen ihrer Aufgeschlossenheit.
Dass Werte und politische Haltungen die Wahrnehmung von Technik beeinflussen, zeigt die sozialwissenschaftliche Technikforschung schon seit Jahrzehnten. Vertrauen in Technologie und die beteiligten Akteure hängt davon ab, wie sehr sich Menschen einbezogen und wirksam fühlen. Wer sich am politischen Rand weniger repräsentiert sieht, fordert besonders häufig eine stärkere Mitbestimmung bei umstrittenen Technologien.
Technische Innovation vollzieht sich immer in einem gesellschaftlichen und politischen Umfeld. Es genügt nicht, nur über tatsächliche oder vermeintliche Eigenschaften von Technologien zu sprechen – Nutzen und Risiken werden erst in der Praxis sichtbar, beeinflusst durch persönliche Interessen und die Logiken unserer sozialen Systeme. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft müssen die Erwartungen an eine sozialverträgliche Technikentwicklung beherzigen – und das Bedürfnis nach Teilhabe ernst nehmen.
Das TechnikRadar liefert mit seinem Meinungsbild relevante Ansätze zum Umgang auch mit umstrittenen Technologiepfaden und für die daraus resultierende gesellschaftliche Debatte.
* Prof. Dr. Mike S. Schäfer ist Wissenschaftskommunikationsforscher, ordentliches Mitglied der acatech und Direktor des Center for Higher Education and Science Studies der Universität Zürich. Er forscht seit langem zu medialer und digitaler Kommunikation über Wissenschaft und Technik, inklusive KI. Thomas Sprenger ist Pressesprecher bei acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und schreibt und kommuniziert seit mehr als zwanzig Jahren über Technologiethemen.