Camunda-Studie „The AI Process Gap“ 72 Prozent der Unternehmen: KI-Projekte scheitern an veralteten Prozessen

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Viele Unternehmen setzen Künstliche Intelligenz (KI) auf Abläufe, die lange vor der KI-Ära entworfen wurden. Laut einer Umfrage im Auftrag des Prozessplattform-Anbieters Camunda zahlen sie dafür einen hohen Preis: gescheiterte Projekte, steigende Kosten und eine Belegschaft, die um die neuen Werkzeuge herumarbeitet.

Kurt Petersen, SVP Customer Success bei Camunda, sieht die Ursache gescheiterter KI-Projekte weniger in der Technik als in Abläufen, die für eine Welt ohne KI entworfen wurden.(Bild:  Camunda)
Kurt Petersen, SVP Customer Success bei Camunda, sieht die Ursache gescheiterter KI-Projekte weniger in der Technik als in Abläufen, die für eine Welt ohne KI entworfen wurden.
(Bild: Camunda)

Prozessbezogene Probleme lassen KI-Initiativen einer aktuellen Studie zufolge in großem Umfang scheitern. Für den Report „The AI Process Gap“ ließ Camunda, Anbieter einer Plattform zur Orchestrierung von KI-Agenten, Menschen und Systemen, das Marktforschungsinstitut Sapio Research zwei Umfragen durchführen. Demnach berichten 72 Prozent der befragten Unternehmen, dass KI-Projekte an prozessbezogenen Herausforderungen gescheitert sind. Die durchschnittlichen Kosten beziffert die Studie auf 1,55 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 1,33 Millionen Euro, pro Unternehmen. 82 Prozent gehen davon aus, dass ihre KI-Investitionen ohne ein grundlegendes Redesign der Prozesse wirkungslos bleiben. Dass KI-Projekte häufig scheitern, ist kein neues Phänomen, die Studie verortet die Ursache jedoch klar in den Abläufen selbst.

Prozesse aus der Zeit vor der KI

Der Studie zufolge versuchen viele Organisationen, KI über bestehende Abläufe zu stülpen, statt Prozesse ergebnisorientiert neu zu gestalten. Wie sich Geschäftsprozesse mit KI sinnvoll neu gestalten lassen, ist damit zur Kernfrage geworden. Als Grund geben 79 Prozent an, dass die reine Integration von KI in vorhandene Abläufe auf weniger internen Widerstand stoße als ein echtes Redesign. Gleichzeitig rechnen 82 Prozent damit, dass es bis zu fünf Jahre dauert, ihre wichtigsten Kernprozesse KI-tauglich zu machen. 61 Prozent räumen ein, dass ihr Prozess-Redesign mit dem Tempo der KI-Einführung nicht Schritt halten kann.

„Die KI-Adoption in Unternehmen schreitet rasant voran. Doch die Technologie trifft auf Prozesse, die für eine Welt ohne KI konzipiert wurden […]“, erklärt Kurt Petersen, SVP Customer Success bei Camunda. Unter Zeitdruck griffen Unternehmen deshalb zu schnellen Lösungen und zwängten KI in Abläufe, die dafür nie gedacht gewesen seien.

Wachsende Risiken bei Governance und Compliance

Veraltete Prozesse tragen der Untersuchung zufolge erheblich zu Compliance- und Governance-Problemen bei und zählen damit zu den größten Hindernissen für Daten- und KI-Projekte. 40 Prozent der Unternehmen sahen sich in den vergangenen zwölf Monaten mit einem KI-bezogenen Compliance- oder Governance-Vorfall konfrontiert. In 84 Prozent dieser Fälle waren laut Studie prozessbezogene Ursachen im Spiel. 48 Prozent befürchten, dass KI-Agenten außer Kontrolle geraten, sobald ein Prozess geändert wird. Vor Governance-Lücken beim Einsatz autonomer Agenten warnt auch Gartner. Diese Sorge bremse notwendige Anpassungen aus, so Petersen.

Kluft zwischen Führungsebene und Belegschaft

Deutlich wird der Studie zufolge auch ein Wahrnehmungsunterschied zwischen Management und Mitarbeitern. 89 Prozent der Unternehmen glauben, KI mache ihre Teams produktiver, doch nur 64 Prozent der Beschäftigten stimmen dem zu. 48 Prozent der Unternehmen haben den KI-Einsatz bereits wieder zurückgefahren, weil sich negative Effekte auf die Arbeitsfähigkeit zeigten. 46 Prozent der Beschäftigten ziehen wegen schlecht umgesetzter KI einen Jobwechsel in Betracht, 44 Prozent mussten KI-Ergebnisse bereits manuell korrigieren, weil der zugrundeliegende Prozess fehlerhaft aufgesetzt war.

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