Künstliche Intelligenz So kommt KI-Technologie ins Unternehmen

Von Ines Stotz

MTU Aero Engines hat seine eigene KI-Strategie entwickelt und ein KI-Kompetenzzentrum gegründet. Unterstützt wurde das Münchner Unternehmen durch Applied AI, die größte europäische Initiative für den Einsatz von KI-Technologien.

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MTU Aero Engines ebnet den Weg für den Einsatz von KI-Technologie.
MTU Aero Engines ebnet den Weg für den Einsatz von KI-Technologie.
(Bild: MTU Aero Engines)

Mehr als 10.000 Mitarbeiter arbeiten weltweit an 15 Standorten, um Subsysteme für Luftfahrtantriebe herzustellen. Dabei entwickelt, fertigt und betreut MTU Triebwerksmodule in nahezu allen Schub- und Leistungsklassen. Zu den Kernprodukten gehören Hochdruckverdichter, Turbinenzwischengehäuse, Niederdruck- und Industriegasturbinen. In den kommenden Jahren will das Unternehmen seine Ressourcen auf die Entwicklung neuer Triebwerksprogramme und die Erweiterung seines Serviceangebots konzentrieren.

Die Münchner haben das enorme Potenzial von KI frühzeitig erkannt, zahlreiche Einsatzmöglichkeiten identifiziert und bereits erste KI-Piloten umgesetzt. Um das Wertpotenzial voll auszuschöpfen, hat MTU gemeinsam mit Applied AI eine umfassende Strategie entwickelt, die den notwendigen organisatorischen und technischen Rahmen sowie eine Roadmap für die Skalierung von Anwendungsfällen beinhaltet.

Basis: KI-Markt- und Potenzialanalyse, Expertenmeinungen

Um eine gemeinsame Ausgangslage für die Priorisierung von Handlungsfeldern zu schaffen, nahmen MTU-Mitarbeiter aus verschiedenen Funktionsbereichen und Hierarchieebenen an dem systematischen Applied AI Maturity Assessment teil. Dies diente dazu, einen datenbasierten Überblick zu gewinnen und Entwicklungspotenziale zu identifizieren. Zur Validierung der Ergebnisse wurden zudem strukturierte Experteninterviews geführt.

Parallel dazu führten Applied AI und MTU eine Analyse des Wettbewerbs in Bezug auf heutige und zukünftige Anwendung von KI in Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen durch. Hier zeigte sich:

Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie bauen den Einsatz von KI in vor-, gleich- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette massiv aus und setzen die Technologie in Entwicklungs-, Fertigungs- und Wartungsprozessen in unterschiedlicher Ausprägung ein.

Darüber hinaus ist KI bereits in angrenzenden High-Tech-Branchen etabliert, um Entwicklungssimulationen zu beschleunigen, die Qualitätskontrolle von Komponenten zu verbessern und die Effizienz der Gasturbinensteuerung zu erhöhen.

Aus dieser Marktanalyse, MTU-eigene Expertenmeinungen und einer Potenzialabschätzung der eingesetzten KI-Technologie wurde die MTU KI-Ambition entwickelt, die die übergreifende Zielstellung für den Einsatz von KI im Unternehmen in den nächsten drei bis vier Jahren liefern soll.

Einsatzmöglichkeiten von KI

Diese Ambition umfasst drei wesentliche Einsatzbereiche:

  • Erstens in der Produktentwicklung, zum Beispiel bei der virtuellen Triebwerks- und Testunterstützung.
  • Zweitens lassen sich in der Produktion durch Prozesssimulation und -automatisierung die Vorhersagegenauigkeit einzelner Produktionsprozessparameter verbessern.
  • Drittens im Service, wo KI durch digitale Inspektionen und erweiterte Prognosen die Kundenbindung erhöhen und eine stärkere Synchronisierung der internen Planungsprozesse ermöglichen kann.

Um diese KI-Ambition zu konkretisieren, fanden in jedem Geschäftsbereich Use-Case-Workshops statt, in denen zunächst systematisch Anwendungsfälle entwickelt wurden. Entlang des Nutzenversprechens und der Umsetzbarkeit wurden diese bewertet und thematisch gruppiert.

Innerhalb jedes Clusters ließen sich besonders vielversprechende Anwendungsfälle identifizieren, die als potenzielle Leuchtturmanwendungen dienen könnten. Die dabei entstehenden Hypothesen werden eingehend geprüft, bevor Proof of Concepts (PoCs) entwickelt werden.

Hub-and-Spoke-Ansatz mit zentralem KI-Team

Um KI nachhaltig in der Organisation zu verankern und das Wertpotenzial der Technologie voll auszuschöpfen, haben MTU und Applied AI eine Reihe von Schlüsselfaktoren identifiziert: In Bezug auf die Organisations- und Governance-Strukturen haben die Mitwirkenden einen hybriden Hub-and-Spoke-Ansatz mit einem zentralen KI-Team als besonders vielversprechend eingestuft. Zudem wurden umfassende Rollenprofile, Mitarbeiterschulungen und neue Rekrutierungsstrategien entwickelt, um die erforderliche Expertise aufzubauen.

Projektergebnis: KI-Center of Excellence

Als Ergebnis des KI-Strategieentwicklungsprojekts hat die MTU ein konzernweites KI-Center of Excellence (KI CoE) eingerichtet. Ziel des Teams ist es, eine Verbindung zwischen KI-Anwendungsfällen und fördernden Faktoren wie Talent, Infrastruktur und Organisation herzustellen, um die Technologie nachhaltig im Unternehmen zu etablieren.

Das Kompetenzzentrum wird unter anderem Umsetzungsrichtlinien für die Durchführung von KI-Projekten weiterentwickeln, Schulungskonzepte realisieren und das Bewusstsein für KI im Unternehmen schärfen.

Ergänzend zu den internen Aktivitäten wird es ein Netzwerk mit relevanten externen Stakeholdern aufbauen und als Partner der Applied AI Initiative vom vielfältigen Know-how der Partnerunternehmen profitieren.

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Wichtigste Erfolgsfaktoren

Drei Hauptfaktoren waren für den Erfolg des Projekts verantwortlich:

  • Das Projekt begann zunächst mit einer Einführung in KI für alle Beteiligten, um einen einheitlichen Wissensstand zu schaffen.
  • Stakeholder aus allen relevanten Abteilungen und Hierarchieebenen, einschließlich der Geschäftsführung, wurden während des gesamten Projekts einbezogen. So wurde sichergestellt, dass alle für den Einsatz von KI relevanten Bereiche des Unternehmens abgedeckt waren und ein gemeinsames Verständnis für die Ziele geschaffen wurde.
  • Die Erfahrungen von Unternehmen in ähnlichen Branchen und die Erfahrungswerte des Applied AI-Partnernetzwerks wurden in dem Projekt umfassend genutzt. Dies half der MTU, KI-bezogene Herausforderungen direkt anzugehen, häufige Fehler aktiv zu vermeiden und effiziente Strukturen für die Skalierung von KI aufzubauen.

Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal elektrotechnik.

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