Nachbericht SAP TechEd in Barcelona

SAP arbeitet am universellen Stammdatenmodell

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Nico Litzel

Das intelligente Unternehmen hat Jürgen Müller, Chief Technology Officer und Mitglied des Vorstands der SAP SE, in seiner Keynote auf der SAP-Hausmesse TechEd in Barcelona als Leitbild ausgerufen. Eine wichtige Komponente dabei ist die Verbindung der Bereiche Operations (Betrieb) und Experience (Kundenerfahrung).
Das intelligente Unternehmen hat Jürgen Müller, Chief Technology Officer und Mitglied des Vorstands der SAP SE, in seiner Keynote auf der SAP-Hausmesse TechEd in Barcelona als Leitbild ausgerufen. Eine wichtige Komponente dabei ist die Verbindung der Bereiche Operations (Betrieb) und Experience (Kundenerfahrung). (Bild: Eventrix AG / SAP SE)

Integration und Cloud-Erweiterungen waren die Hauptthemen der SAP-Hausmesse TechEd in Barcelona. Ein Service soll Stammdaten künftig anwendungsübergreifend harmonisieren – über die Cloud auch mit den Applikationen anderer Anbieter.

Das intelligente Unternehmen hat Jürgen Müller, Chief Technology Officer und Mitglied des Vorstands der SAP SE, in seiner Keynote auf der SAP-Hausmesse TechEd in Barcelona als Leitbild ausgerufen. Eine wichtige Komponente dabei sei es, die Bereiche Operations (Betrieb) und Experience (Kundenerfahrung) zu kombinieren. Technisch abgebildet werde das über die Integration von SAP S/4HANA mit der Lösung des im November 2018 übernommenen Unternehmens Qualtrics, das sich selbst als Pionier für Experience Management bezeichnet.

Die Vorteile einer solchen Koppelung beschreibt Müller am Beispiel der Workforce-Management-Applikation SuccessFactors, in die bis Ende des Jahres die Experience-Analytics-Funktionen von Qualtrics sowie Funktionen der SAP Analytics Cloud integriert werden. Unternehmen könnten dann die Leistungen ihrer Mitarbeiter bis auf die Team-Ebene analysieren. Das Aggregieren und Filtern der Daten soll ohne Replikation funktionieren. Zusätzliche Lizenzgebühren würden für die neuen Funktionen nicht anfallen.

Unterschiedliche Stammdaten lassen die Integration holpern

In der Praxis trifft die beschriebene Integration bislang auf Hindernisse: Die von der SAP zugekauften Applikationen wie SuccessFactors und Hybris haben unterschiedliche Datenmodelle und das setzt sich auch in den darauf aufbauenden SAP-Produkten fort: „Die Stammdatenmodelle von C/4HANA und S/4HANA passen semantisch nicht zusammen“, beklagte Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der SAP-Anwendervereinigung DSAG auf deren Jahreskongress im September. „Diese Systeme lassen sich zwar technisch integrieren, aber sie können dennoch nicht miteinander reden, weil die Daten nicht die gleiche semantische Struktur haben.“

Genau dieses Problem geht SAP nun an, wie Jan Schaffner, Senior Vice President Central Engineering im Hintergrundgespräch mit BigData-Insider erklärt. Die Walldorfer arbeiten am One Master Data Service: „Es handelt sich dabei um ein virtuelles Datenmodell das Begriffe wie Mitarbeiter, Kunde oder Auftrag definiert. Sämtliche SAP-Applikationen sollen zukünftig ihre Stammdaten in diesem Format miteinander austauschen. Der Service funktioniert out of the box, ohne dass der Anwender dabei etwas konfigurieren muss.“

Neuer Stammdaten-Standard soll für alle Anbieter gelten

SAP-CTO Müller stuft das Thema Stammdaten laut Schaffner als Top-Priorität ein. Die Arbeiten am One Master Data Service laufen seit Februar dieses Jahres. Bislang haben die SAP-Entwickler acht Objekte in das vorgelagerte Datenformat gebracht, darunter Mitarbeiter, Kunde, Produkt und Asset. Innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre sollen sämtliche wichtigen Stammdatenobjekte in dieses Format gebracht werden. Das Endziel des One Master Data Service besteht darin, ein neues Datenmodell zu etablieren, das auch andere Anbieter von Business-Applikationen nutzen.

Integration out of the box war eines der Hauptthemen der SAP-Hausmesse TechEd in Barcelona. Der One Data Management Service soll künftig die Stammdaten zwischen den Applikationen von SAP und von Drittanbietern harmonisieren.
Integration out of the box war eines der Hauptthemen der SAP-Hausmesse TechEd in Barcelona. Der One Data Management Service soll künftig die Stammdaten zwischen den Applikationen von SAP und von Drittanbietern harmonisieren. (Bild: Jürgen Frisch)

SAP arbeitet beim Harmonisieren von Stammdaten mit einem dezentralen Ansatz, bei dem die Applikationen Änderungen auch untereinander asynchron austauschen können. Spezialanbieter für Datenqualitätsmanagement wie beispielsweise Informatica arbeiten demgegenüber mit einem zentralen Ansatz, bei dem die jeweils gültige Version in einer Datenbank abgelegt wird.

Auch mit den Applikationen anderer Anbieter will SAP die Stammdaten-harmonisieren. Während One Master Data Service die Informationen zwischen SAP-Applikationen automatisch abgleicht, können Kunden und Partner die SAP Cloud Platform Integration auch als flexible Middleware nutzen, um Applikationen von Drittherstellern wie beispielsweise Salesforce anzubinden.

Frank Niemann, Vice President Software & SaaS Markets bei teknowlogy PAC, lobt SAPs Integrationsarbeiten: „Mit einer Harmonisierung der Prozesse und Daten haben Unternehmen künftig die Möglichkeit, über S/4HANA und SuccessFactors End-to-End-Prozesse abzubilden. Das nutzt auch dem Vertrieb, um die Kunden davon zu überzeugen, mehr als ERP von der SAP zu nehmen.“ Auch eine herstellerübergreifende Integration sei unverzichtbar, denn hybride IT-Landschaften bei denen neben einem SAP-System Lösungen von Salesforce oder Workday laufen, seien in den Unternehmen längst Realität.

Technologieplattform bündelt Operations und Analytics

Harmonisierte Stammdaten sind ein wesentlicher Baustein dessen, was SAP als Business Technology Platform bezeichnet: „Unsere Unternehmenstechnologie-Plattform bringt SAP HANA und Analysefunktionen eng mit der SAP Cloud Platform zusammen, sodass Anwender schnell fundierte Entscheidungen treffen können“, erläutert SAP-CTO Müller. Durch die Zusammenführung von SAP-Technologie in einem Stack mit einer Referenzarchitektur stelle die Unternehmenstechnologie-Plattform von SAP die Services bereit, die moderne Unternehmen benötigten. Sie umfasse Datenbank- und Datenmanagement, Anwendungsentwicklung und -integration, Analytik, intelligente Technologien und Services, um Unternehmen zu helfen, ihre SAP-Anwendungen zu erweitern. Damit könnten sie ihre Systemlandschaft integrieren und neue Anwendungen zur Verbesserung ihrer Geschäftsprozesse entwickeln.

Auf der TechEd-Konferenz hat SAP mehrere Erweiterungen dieser Business-Technology-Plattform bekanntgegeben: So sollen SAP HANA Cloud Services künftig Intelligenz in die Daten bringen. Diese Services umfassen SAP Data Warehouse Cloud, SAP Analytics Cloud und SAP HANA Cloud. SAP HANA Cloud Services vereine alle Daten- und Analysefunktionen dieser Lösungen in einem Paket verknüpfter Services zum Speichern, Verarbeiten und Verwalten großer Datenmengen.

Ein Cloud Data Warehouse soll die Einstiegshürden senken

SAP Data Warehouse Cloud präsentiert sich als sofort einsatzbereites Data Warehouse in der Cloud. Die Self-Service-Lösung ermögliche Anwendern, ihre Geschäftsdaten miteinander zu verknüpfen. Dank des flexiblen Preismodells ließen sich die hohen Anfangsinvestitionen eines herkömmlichen Data Warehouse vermeiden. SAP Data Warehouse Cloud könne entweder als eigenständige Lösung oder als Erweiterung zu einer vorhandenen Business-Warehouse-Lösung SAP BW/4HANA oder zu SAP HANA eingesetzt werden.

Auch eine neue Version der In-Memory-Datenbank ist am Start: SAP HANA Cloud wurde eigens für die Cloud konzipiert. Geplant ist eine virtuelle interaktive Zugriffsschicht über sämtliche Daten jeglicher Quellen hinweg mit einer skalierbaren Abfrage-Engine, um Datennutzung und -verwaltung zu entkoppeln. Die Anwender erhielten eine vereinfachte Schicht für einheitliche Datenzugriffe. Damit seien sie in der Lage, die Datenverarbeitung zu optimieren und gleichzeitig die Datenintegration in ihren intelligenten Anwendungen zu konsolidieren und zu harmonisieren. Eingesetzt werden könne SAP HANA Cloud entweder als eigenständige Lösung oder als Erweiterung einer vorhandenen On-Premises-Umgebung.

Eine weitere Produktneuheit ist das Release 4.3 von SAP BusinessObjects Business Intelligence. Diese Version unterstütze Kunden mit On-Premise-Erweiterungen und sei zudem mit SAP Analytics Cloud integriert. Das Update zeichne sich durch einen hohen Bedienkomfort sowie eine einfachere Implementierung aus und unterstütze die jüngsten Branchenstandards.

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