UiPath Together Munich

Robotic Process Automation erledigt Routinearbeit

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Nico Litzel

Walter Obermeier, Geschäftsführer der deutschen UiPath GmbH, fordert: „Ein Software-Robot für jeden!“
Walter Obermeier, Geschäftsführer der deutschen UiPath GmbH, fordert: „Ein Software-Robot für jeden!“ (Bild: Rüdiger)

UiPath ist eigenen Angaben zufolge laut Forrester Wave zum Thema RPA aus dem 2. Quartal 2018 weltweit führend auf dem Markt der Robotic Process Automation. In Deutschland ist das Unternehmen seit zwei Jahren mit inzwischen fünf Niederlassungen und derzeit ungefähr hundert Mitarbeitern vertreten. Zur Region Zentraleuropa gehört neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch noch Polen.

Walter Obermeier, seit 15 Monaten Geschäftsführer der deutschen GmbH, empfing rund 270 Gäste zur ersten Kunden- und Partnertagung UiPath Together Munich in einem Münchner Hotel. Obermeier versprach „viel Neues“ und forderte: „Wir wollen einen Roboter für jeden.“

Kollegen aus Software

Softwareroboter können Prozesse entweder voll automatisieren oder menschliche Mitarbeiter von monotonen Aufgaben entlasten. „Die Arbeit, die wir automatisieren, vermisst niemand. Wir rationalisieren nicht in erster Linie Arbeitsplätze weg, sondern machen sie hochwertiger“, ist Obermeier überzeugt. Niemand trauere dem stundenlagen Abgleich von Listen nach. Er zitierte Daten des Weltwirtschaftsforums, nach denen durch RPA im Lauf der Zeit bis zu 60 Millionen Arbeitsplätze neu entstehen könnten.

UiPath, dessen Wurzeln in Rumänien liegen, unterscheidet sich, so Obermeier, in einigen wesentlichen Punkten von seinen Konkurrenten. Die wichtigsten Namen sind hier Automation Anywhere und BluePrism.

Mit der Technologie des Unternehmens lassen sich gleichzeitig zwei Sorten Bots entwickeln: im Hintergrund arbeitende sogenannte Unattended Bots, die Aufgaben vollständig automatisiert erledigen, und Bots für den Arbeitsplatz, die den jeweiligen Mitarbeiter oft selbst entwickeln und sie gezielt beim Arbeiten unterstützen.

UiPath bietet kostenlose Online-Schulungsprogramme an, mit denen sich jeder – auch Menschen ohne Programmiererfahrung – zum Prozessdesigner fortbilden lassen kann. Die Programmieroberfläche des Designer-Tools kommt vollständig ohne Coding aus – es werden grafische Elemente zusammengeklickt. Wer XML beherrscht, kann auch selbst an auf dem Go-Marktplatz frei erhältlichen Modulen herumfeilen und sie an den eigenen Bedarf anpassen.

Community als Multiplikator

Zudem baut UiPath gezielt eine Community auf. Anwender und Partner können selbst neue, in XML geschriebene Prozesse auf die Plattform Go einstellen. „Heute entwickeln schon Hunderttausende Anwender dafür“, sagt Obermeier. Diese Anwender würden ihre Prozesse oft genug kostenlos einstellen. Andere nehmen Geld, beispielsweise wenn es sich um komplexere Prozesse handelt.

Wer die Bots aber an die eigenen Datenbestände andocken und damit Geld sparen oder verdienen will, braucht eine Lizenz für 1.200 Euro jährlich pro Desktop, um beliebig viele Bots auf diesem System laufen zu lassen. Weitere Kostenkomponenten: Eine Cloud-Plattform, auf der beliebig viele Prozesse, allerdings immer nur einer auf einmal, arbeiten, kostet 8.000 Euro im Jahr. „Wer sehr viele Bots braucht, wird davon mehrere nutzen“, sagt Obermeier. Das Designer-Modul kostet 3.000 Euro pro Jahr. Das Orchestrierungsmodul, mit dem sich mehrere Robot-Plattformen über eine Oberfläche global steuern lassen, ist für 20.000 Euro im Jahr zu haben.

Geschäftsmodelle für Partner

Die Partner, über die das Unternehmen derzeit rund 70 Prozent seiner Umsätze abwickelt, können selbst als Serviceprovider SaaS- oder andere UiPath-basierende Dienste anbieten. „Dann werden die Kosten für die Module unter den Kunden aufgeteilt“, sagt Obermeier.

Er berichtete im Gespräch mit BigData-Insider von einem Partner, der einen Prozess mit einer Kombination aus OCR und automatisierter Dateneingabe anbietet, der sich gut für Firmen mit 10 bis 30 Mitarbeiter eigne. „Ein Unternehmen spart so in einem Jahr 30.000 bis 40.000 Euro, der Partner bekommt dafür 5.000 Euro im Jahr zuzüglich 1.200 Euro für die Bot-Lizenz und 3.000 Euro für die Designer-Lizenz.“ Insgesamt spricht Obermeier von Amortisationsdauern von einem halben bis einem Jahr – gegenüber zwei bis drei Jahren bei üblichen Projekten im Bereich Business Process Automation.

Otto-Group automatisiert im Accounting

Zu den Kunden von UiPath gehören viele große Unternehmen. Drei von ihnen berichteten auf der Veranstaltung über ihre Erfahrungen. Bei der Otto Group, so Patrick Graf v. Hardenberg, wird RPA seit 2017 eingesetzt, und zwar insbesondere im Buchführungsbereich. Inzwischen gibt es in dem Unternehmen vier Einheiten, die eigene Robots bauen. Die zentrale IT-Abteilung, Otto Shared Services GmbH, verkauft Bots an andere interne Bereiche.

Dabei könne es sich auch um sehr einfache Tätigkeiten handeln, beispielsweise die automatisierte Umsetzung eingehender Excel-Sheets ins .csv-Format und ihre interne Weitergabe. „Früher stockte der Prozess, bis der betreffende Mitarbeiter ins Büro kam, heute werden pünktlich um acht Uhr alle Tabellen automatisch ins richtige Format umgesetzt und weitergeleitet“, sagt Graf von Hardenberg.

Robotic Workforce bei DHL Freight and Forwarding selbstverständlich

Für das Global Service Center der DHL Forwarding and Freight ist Dr. Frank Schüler als Managing Director tätig. Das Management einer Robotic Workforce ist für ihn bereits selbstverständlich, obwohl das Unternehmen erst 2017 in die RPA-Technologie eingestiegen ist. Neben 4.500 menschlichen Dienstleistern gibt es derzeit auch 80 Roboter, das entspricht der Leistung von rund 300 Festzeit-Arbeitsplätzen. „Wir haben Ideen für weitere 300 Bots“, sagt Schüler. Mittelfristig sollen 25 Prozent der gesamten Service-Arbeitsplätze automatisiert werden.

Für den Industriegas-Spezialisten Linde berichtete Martin Felder von den seit 2016 gewonnenen RPA-Erfahrungen. Der erste Pilot lief 2017. Man habe im Backoffice der Bereiche Kundendienst, Einkauf, Finanzen, Berichts- und Personalwesen begonnen. In diesem Sektor arbeiten rund 1.500 der 80.000 Mitarbeiter, verteilt auf 60 Ländern und diverse BPO-Zentren.

Inzwischen hat Linde mehr als 40 Prozesse automatisiert. 2018 wurden mehr als 90.000 Arbeitssunden oder 50 Vollzeit-Äquivalente eingespart. „Wir haben für 2019 weitere 60 Ideen in der Pipeline“, sagt Felder. Jeder der 16 Unattended Bots automatisiere derzeit rund drei Vollzeit-Äquivalente. Felder: „Da gibt es Spielraum nach oben.“ Insgesamt gelte jedoch: „RPA automatisiert Prozesse, nicht Rollen.“ Die Arbeitsplätze blieben also größtenteils bei einer anderen Aufteilung der Tätigkeiten zwischen Robots und Menschen erhalten.

Prozessabsturz am Wochenende

Freilich gibt es trotz aller Erfolgsmeldungen auch kritische Punkte. So sei es durchaus möglich, dass das Managen der automatischen Kollegen und ihre simultane Überwachung den Stress am Arbeitsplatz erhöhten, mutmaßte Emily Wasik, Thought Leadership Editor beim Forschungsinstitut The Economist Intelligence Unit.

Kritisch gesehen werden insbesondere von deutschen Anwendern wenig verwunderlich die Themen Datenschutz und Datensicherheit. Auch mit der Stabilität könnte es noch besser stehen. Graf v. Hardenberg: „Am Wochenende verabschieden sich die Bots manchmal gleich in Gruppen.“

Zukunftspläne: Handling vereinfachen, KI integrieren

Neben dem Versuch, noch mehr Sicherheit zu realisieren, möchte UiPath das Handling vereinfachen. Robots auf heterogenen Desktop-Landschaften unter Einschluss von Cloud-Apps wie Office365 bereitzustellen, sei noch zu kompliziert.

Am wichtigsten ist wohl die Integration von immer mehr KI-Elementen. Investiert hat UiPath insbesondere in Computer Vision. Damit soll es möglich werden, unstrukturierte Daten direkt an der Benutzerschnittstelle ohne API-Integration auslesen und weiterverarbeiten zu können.

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