BIRT Analytics für Content-Management und Handelsnetze

Noch viele Baustellen, aber vielversprechende Ansätze

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Architektur der OpenText Analytics and Reporting iHub Platform mit dem Analytics-Modul oben links
Architektur der OpenText Analytics and Reporting iHub Platform mit dem Analytics-Modul oben links (Bild: Open Text)

Das kanadische Unternehmen Open Text hat mit Actuate einen BI-Anbieter erworben, der über eine große weltweite Anwendergemeinde seines BI-Pakets BIRT verfügt. Open Text integriert BIRT in alle seine Lösungen, hieß es auf der Open Text Innovation Tour in München.

Mit über 13 Millionen Downloads und rund 3,5 Millionen Entwicklern erfreut sich das Eclipse-basierte BIRT (Business Intelligence and Reporting Tools) einer weiten Verbreitung. Sein Hersteller Actuate, der kürzlich von Open Text übernommen wurde, bietet dieses Framework für Embedded BI als Open Text Analytics and Reporting in einer quelloffenen und einer kommerziellen Version an, sodass es sich sowohl für große als auch für kleinere Unternehmen eignet. IBM Tivoli, Cisco und ABS Nautical Systems gehören zu den bekannteren Kunden, die BIRT in ihre Produktlinien integriert haben.

„Die Integration der Analyse- und Berichtsfunktionen strebt auch Open Text an“, wie Muhi Majzoub, Senior Vice President für Global Engineering bei Open Text, sagte. „Als dedizierte Analytikgruppe innerhalb Open Texts, die über ihre eigenen Ressourcen und Umsatzziele verfügt“, sagt Andy Wild, SVP, Global Corporate Sales, „wird Actuate (jetzt: Open Text Analytics and Reporting) seine Plattform weiterhin führenden Unternehmen weltweit zur Verfügung stellen.”

Kernkompetenzen

Open Text ist über mehrere Bereiche hinweg gewachsen. Die Kernkompetenz liegt im Enterprise Content Management (ECM) und Web Content Management (WCM). Dokumente werden jedoch ständig zwischen Unternehmen im Handel ausgetauscht, weshalb die B2B-Integration ein wichtiges Standbein ist, um das Online-Handelsnetzwerk Trading Grid zu unterstützen.

Mit 16 Milliarden Transaktionen jährlich und 600.000 Handelspartnern bewegt sich das Trading Grid, das Open Text betreibt, auf einer Ebene wie SAP Ariba oder Oracle SCM. Zu den Kunden gehören Toyota und Nestlé. „Kunden wie diese wollen mit Analysefunktionen herausfinden, wie, wann und wo ihr Geschäft am besten läuft und wo es noch etwas zu tun gibt“, so Majzoub.

Die Integration von Open Text Analytics and Reporting mit dem Trading Grid ist in dem neuen Produkt „Open Text Trading Grid Analytics“ vollzogen. Es wird in Open Texts Cloud „Core.Opentext.com“ betrieben. Die SaaS-Lösungen, die die Kunden in dieser Cloud-Plattform abonnieren können, erlauben die Verarbeitung von Bestellungen, Rechnungen, Dokumente, Communities und natürlich „Intelligence“, also Analytics.

Open Text Analytics and Reporting

„Die iHub-Plattform basiert auf BIRT (Java) und kommt mit PostGreSQL für das Caching der Metadaten. Die Plattform umfasst eine Umgebung für das Modellieren und Analysieren von Daten und eine Umgebung für die Visualisierung“, erläutert Mark Gamble, Leiter des Technischen Marketings bei Open Text Analytics and Reporting. „Es nutzt ein hybrides Modell mit Indizes im Speicher und Daten auf Festplatte oder auf Flash-Memory.“ Über dieser Basis liegen das Framework BIRT iHub mit seinen Konnektoren und Metadaten sowie BIRT Analytics. Analytics umfasst einen grafischen Berichte-Editor, einen Designer, eine Chart-Engine sowie einen Viewer.

BIRT iHub 3 nutzt Plain Old Java Objects, also POJOs, als Datenquelle, in einer völlig überarbeiteten Weise“, so Gamble. IRT-Berichte-Designs werden als XML-Dateien gespeichert und können auf zahlreiche Datenquellen zugreifen, darunter JDO-Datastores, JFire-Scripting-Objekte, POJOs, SQL-Datenbanken, Web Services und XML. „BIRT iHub verarbeitet zusätzlich JSON, SAP HANA und Hadoop, lässt sich also auch für Big-Data-Projekte mit großen Datenvolumina verwenden.“

BIRT-Datenobjekte bilden die Datenschicht von iHub. BIRT iHub unterstützt Apache Hbase via Hive, Apache Cassandra, MongoDB und Cloudera Hadoop sowie Cloudera Impala. Für Predictive Analytics sei BIRT mit statistischen Algorithmen und Bibliotheken wie R, SPSS, zScore versehen beziehungsweise integrierbar.

Konnektoren

„Eine Stärke der Kombination aus Open Text Analytics and Reporting BIRT und Open Text besteht hinsichtlich der Konnektoren“, unterstreicht Gamble. Für Enterprise Search und Discovery stehen zehn Konnektoren zu Datenquellen bereit, darunter FileNet, EMC Documentum, OT Tempobox, MS Sharepoint & Exchange, HP DocManage, eDocs usw. – und natürlich unterstützt BIRT auch den Opentext Content Server.

„Ein weiterer Konnektor ist MQTT, ein Message Queue Standard für Java und Eclipse, der das Internet der Dinge unterstützt“, weist Gamble hin. MQTT ist ein offenes Nachrichten-Protokoll, über das iHub auf Sensordaten zugreifen kann. „So lassen sich beispielsweise Sensorendaten fürs Fuhrpark-Management integrieren.“ Eines der Kundenprojekte, die MQTT bereits nutzen, existiert laut Gamble beim Unternehmen CityBike, das seinen Sitz in Paris hat. Den Anwendungsbereich Internet der Dinge und intelligente Maschinen will Open Text weiter ausbauen.

Zur Implementierung von Intelligenz zählt auch die automatische Analyse von Dokumenten mit dem Modul „Content Intelligence“. Dabei handelt es sich um eine neue Lösung im SP1 der Opentext EIM Suite, die den Aufbau kundenspezifischer Anwendungen, Übersichten, Dashboards und Reports für die Content Suite ermöglicht. Marketiers dürften sich über die Realisierung von Sentiment Analysis mit BIRT Analytics freuen, die die Auswertung von Nutzerkommentaren in sozialen Netzwerken und Medien erlaubt.

Mobile

BIRT iHub 3 und BIRT Analytics 4.3 sind derzeit auf Amazon Web Services, in der Open Text-Cloud oder in der firmeneigenen IT zu betreiben. Der nächste Schritt nach der Cloud-Realisierung, die bis 2014 erfolgte, ist der Bereich mobile Endgeräte. „Open Text Analytics and Reporting hat bereits eine Mobile App auf iHub realisiert“, berichtet Mark Gamble. „Ein REST-API-Aufruf lädt Teile der benötigten Bibliotheken herunter, die Darstellung erfolgt mit HTML5.“ Er unterstreicht: „Dies ist keine proprietäre App.“ Daher sei es Entwicklern möglich, eigene Bibliotheken für Visualisierungen und für unternehmenseigenes Design (Themes) in BIRT einzubringen.

Eine Mobile App for SCM, die auf Android- und iOS-Handys HTML5-Container erzeugt, unterstützt auch bereits das Trading Grid. Diese App wird jedoch mit der ursprünglichen Entwicklungsumgebung AppWorks von Opentext erzeugt. „Derzeit gibt es noch keine Integration zwischen AppWorks und BIRT iHub“, so Gamble. Offenbar gibt es Überlappungen.

Security

Ein Aktivitätsbereich, in dem sich Open Text nach Angaben seines Chief Marketing Officer Adam Howatson engagiert, ist besonders Security für On-premise, Mobile und Cloud. In der Version 3 von BIRT iHub sind unter anderem Single-Sign-on mit SAML (Secure Assertion Markup Language), sichere Datenübertragungen mit HTTPS und SSL sowie sichere Code-Ausführung in BIRT-Designs implementiert.

Ausblick

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es bei Open Text Analytics and Reporting eine Menge Baustellen gibt, dass aber die vorhandenen Ansätze vielversprechend aussehen. Im April wurde das Service Pack 1 für die Enterprise Information Management Suite veröffentlicht. Wenn das Unternehmen die Integration von BIRT Analytics in sein SaaS- und Mobile-Portfolio vorantreibt, kann es im Vergleich zu Großkonzernen wie SAP, Microsoft, Oracle oder IBM durchaus mithalten – und das bei einem Jahresumsatz von „lediglich“ 1,6 Milliarden US-Dollar (Stichtag 30.6.2014).

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