Kommentar von Jürgen Rother, Trivadis

Neue Geschäftsmodelle mit dem Internet der Dinge

| Autor / Redakteur: Jürgen Rother / Nico Litzel

Der Autor: Jürgen Rother ist Senior Business Development Manager bei Trivadis
Der Autor: Jürgen Rother ist Senior Business Development Manager bei Trivadis (Bild: Trivadis)

Vor über 30 Jahren haben US-Studenten einen Coca-Cola-Automaten mit dem Universitätsnetz verbunden, um festzustellen, ob noch Getränkeflaschen vorhanden sind. Gerüchten zufolge stand der Automat am anderen Ende des Campus und die Studenten wollten den Weg dorthin nicht vergebens machen. Diese Idee könnte man als Geburtsstunde des Internets der Dinge bezeichnen. Die Vernetzung der Dinge verfolgte damals und verfolgt auch noch heute den Zweck, den Komfort zu erhöhen und Zeit zu sparen.

Ermöglicht wird die breite Umsetzung dieser Idee durch die immer preisgünstigeren und hochwertigeren Sensoren. Der Markt für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) wächst rasant. Experten von McKinsey beziffern den weltweiten wirtschaftlichen Mehrwert der intelligenten Vernetzung von Geräten und Maschinen über das Internet im Jahr 2025 mit bis zu 11 Billionen Dollar. Schätzungen von Gartner zufolge sind 2017 weltweit 8,4 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden und liefern Daten. Im Jahr 2020 sollen es dann schon 20,4 Milliarden vernetzte Geräte weltweit sein.

Warum sollte man sich mit dem IoT beschäftigen?

Das IoT ist ein Treiber für die Digitalisierung. Durch das Auswerten von Maschinendaten, den Einsatz von Sensorik und die intelligente Echtzeit-Verarbeitung von riesigen Datenmengen in der Cloud entstehen neue Geschäftsmodelle. Mit den gewonnenen Informationen sind Unternehmen in der Lage, ihre Wertschöpfungskette zu verbessern. Dabei geht es insbesondere um folgende Mehrwerte:

  • Bestehende Prozesse optimieren: Unternehmen steuern ihre Produktion effizienter und sparen damit Kosten.
  • Kundenkontakt und Kundenerlebnis verbessern.
  • Durch neue Serviceangebote neue Geschäftsfelder entwickeln.

Prozessoptimierung – mit Analysen besser planen und steuern

Teilen beispielsweise Maschinen und Lagerregale selbsttätig Informationen über ihren Zustand mit, lässt sich die eigentliche Nutzung oder Auslastung viel genauer feststellen. Die Auswertung dieser Informationen erlaubt es, Verbesserungspotenziale zu entdecken und auszuschöpfen. Das sorgt nicht nur für optimierte interne Abläufe. Außerdem tragen die gewonnenen Informationen zur stetigen Weiterentwicklung der Produkte bei. So können typische Fehleranfälligkeiten durch qualitätssichernde Maßnahmen schon während der Produktion abgestellt werden.

Auch die Wartungseinsätze an Maschinen werden durch das IoT effizienter. Die vorausschauende Wartung − Predictive Maintenance – ermöglicht den aktiven Austausch von Teilen, bevor es zu einem Ausfall der Maschine kommt. Beispielsweise meldet der Schmierölsensor eines Windrades, dass der richtige Zeitpunkt zum Nachfetten gekommen ist. Der Energieversorger kann handeln, bevor ein Schaden oder Ausfall des Windrads entsteht. Statt eines kostspieligen, ungeplanten Ad-hoc-Einsatzes kann ein geplantes Nachfetten erfolgen. Auch Wartungsarbeiten, die nach Erfahrungswerten geplant wurden, aber in der Realität noch nicht notwendig sind, können entfallen. Das spart Kosten und minimiert das Ausfallrisiko. Die Wartungseinsätze werden effizienter, die Betriebs- und Reparaturkosten gesenkt.

Kunden binden durch einfache Bedienung und mehr Komfort

Kunden sind heutzutage verwöhnt. Wenn der Service nicht stimmt, ist auch die Kundenloyalität gering. Das ist die Kehrseite des vielfältigen Marktangebots. Ist der Kunde unzufrieden, landet er sehr schnell beim Mitbewerber. Unternehmen müssen es also schaffen, ihre Kunden langfristig zu binden. Das geht nur durch exzellenten Service, Schnelligkeit, Komfort und Einfachheit in der Bedienung von Produkten.

Ein paar Beispiele: Der Erfolg von Philips Hue liegt in der Bequemlichkeit der Menschen begründet. Mithilfe dieses Lichtsystems kann eine Person Leuchten im ganzen Haus und auch die Außenbeleuchtung ganz bequem vom Sofa aus über das Smartphone bedienen Beim Verlassen des Hauses gehen die Leuchten automatisch aus, wenn der Bewohner nach Hause kommt, werden die Leuchten automatisch in Abhängigkeit der persönlichen Vorlieben und des Tageslichts gedimmt, ohne dass ein mechanischer Schalter betätigt werden muss. Noch einfacher geht das Ganze in Verbindung mit Amazon Alexa oder Google Assistent. Hier kann man per Sprache die für sich angenehme Beleuchtung in Helligkeit und Farbe einstellen. Die Einfachheit der Bedienung und der hohe Komfort schaffen beim Nutzer Akzeptanz für diese Art von Lösungen.

In seiner SPEEDFACTORY in Ansbach testet Adidas die Herstellung von individuellen Sportartikeln in der kommerziellen Serienfertigung. Die Sportschuhe kommen dabei zum Teil aus dem 3D-Drucker. Damit bietet Adidas seinen Kunden ein ganz neues Einkaufserlebnis. Der Kunde kann das Aussehen seines Schuhs mitbestimmen und bekommt damit genau das, was er will und wann er es wünscht. Durch diese Flexibilität ist Adidas sehr nah an seinen Kunden und kann vor Ort in seinen Absatzmärkten produzieren. Das schafft eine hohe Kundenbindung, die Erkennung von Trends wird einfacher und Adidas nimmt eine innovative Vorreiterstellung ein.

Eine hohe Abstimmung zwischen dem Stationär- und dem Online-Handel hat Nike über eine mobile Applikation (App) geschaffen. Kunden erhalten über das Mobiltelefon beim Betreten des Geschäfts Informationen über Angebote, die zu ihren Vorlieben passen. Ein Lieferservice nach Hause ist genauso enthalten wie der Umtausch von Produkten. Digitale Tische erkennen das dort ausliegende Produkt und liefern dem Kunden auf Wunsch die Produktinformationen zu den Waren. Auf diese Weise wird der Entscheidungsprozess vom Hersteller aktiv unterstützt. Sicherlich wird es nur eine Zeitfrage sein, bis dem Kunden über die App Informationen über ein Produkt angezeigt werden, sobald er es aus dem Regal genommen hat. In naher Zukunft wird es dann bestimmt auch möglich sein, vor Verlassen des Geschäftes über die App zu bezahlen. Dann entfallen auch lästige Wartezeiten an der Kasse.

Datengetriebene Geschäftsmodelle werden die Zukunft verändern

Je mehr smarte Geräte Daten liefern, je weiter die Automatisierung fortschreitet und die Produktzyklen sich verkürzen, desto größer wird die Datenmenge, die für neue Erkenntnisse ausgewertet werden kann. Mit datengetriebenen, kundenzentrischen Geschäftsmodellen kann die Innovationskraft eines Unternehmens gestärkt werden. Die Analysten von IDC kamen in ihrer Studie Internet of Things in Deutschland 2016 zu der Überzeugung, dass Unternehmen, die ihre IoT-Aktivitäten in einem frühen Stadium auf den Kundennutzen fokussieren, am stärksten profitieren werden. Es gilt also, Produkte und Services in jeder Hinsicht komplett am Kunden auszurichten. Oftmals werden aus den Daten Ideen für weitere oder neue Kundenservices gewonnen. So bietet Tesla schon jetzt nicht nur ein Elektro-Auto an, sondern an Tesla-Stromtankstellen kann auch kostenfrei Strom bezogen werden.

Auf einmal ist auch eine Mobilitätsgarantie als Geschäftsmodell nicht mehr undenkbar. Der Kunde könnte mit seinem Mobilitätsunternehmen vereinbaren, mit welchem Komfort er reisen möchte und wie schnell. Das Mobilitätsunternehmen garantiert diesen Service und sorgt dafür, dass dem Kunden immer das passende Reisegefährt zur Verfügung steht. Je nach Entfernung zum Zielort kann es ein Auto sein, ein Taxiservice zum Bahnhof mit Bahnfahrkarte oder der Transport zum Flughafen mit anschließendem Flug. Die Bezahlung erfolgt, wenn die Reise abgeschlossen ist, direkt beim Mobilitätsunternehmen.

Wie neue Services entstehen

Die Digitalisierungsstrategie beginnt in der Regel damit, die Berührungspunkte des Kunden mit dem Unternehmen genauer zu betrachten. Die Prozesse des Unternehmens werden auf den Kunden ausgerichtet. Handlungs- und Denkweisen müssen aus Kundensicht erfolgen und nicht dadurch motiviert sein, dass das Management seine persönlichen Ziele einfacher erreicht. Essentiell hierfür sind flache Hierarchien, das Aufbrechen von Silos sowie eine offene Feedback- und Fehlerkultur. Die Ausarbeitung einer Digitalisierungsstrategie und die Verantwortlichkeit, diese umzusetzen, an ein Geschäftsleitungsmitglied zu übertragen, ist oft nicht die beste Idee.

Gerade IoT-Projekte sind innovative Projekte und oftmals ergebnisoffen. Nicht jede Idee, die in einen IoT-Anwendungsfall umgesetzt wird, bringt den gewünschten Vorteil für den Kunden oder mehr Umsatz. Wichtig ist es deshalb, dass die Hürden und Kosten für die Umsetzung eines IoT-Anwendungsfalles gering sind.

IoT-Plattform als zentrales Element

Eine IoT-Plattform, die Cloud basiert ist, bietet große Vorteile bei der Implementierung von IoT-Anwendungsfällen. Der eco-Verband kommt in seiner aktuellen Umfrage „IoT Future-Trends“ sogar zu dem Ergebnis, dass IoT-Plattformen für den Mittelstand unersetzlich werden. Die Anschaffungskosten für Hardware fallen weg, die Umsetzungszeit wird reduziert, Standardschnittstellen und Standardprotokolle werden unterstützt und die Skalierbarkeit ist ebenfalls gegeben.

Um schnell und flexibel neue IoT-Anwendungsfälle und -Services umsetzen zu können, müssen enorme Datenmengen in Echtzeit verarbeitet und aus den Informationen die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden. Unternehmen profitieren zudem von den integrierten Sicherheitsstandards, der schnelleren Umsetzung und den kalkulierbaren Kosten. Außerdem kann auf einer Plattform mehr als ein Anwendungsfall laufen. Ist die Plattform einmal aufgesetzt und steht die Infrastruktur, können weitere Anwendungsfälle schnell abgebildet werden.

Der digitale Wandel mit Technologien wie dem Internet der Dinge und der Cloud eröffnet neue Chancen, um sich im globalen Wettbewerb an der Spitze zu positionieren. Aber nur diejenigen Unternehmen, die auch die richtigen Schlüsse aus den vielen Daten ziehen, werden zukünftig den Markt aktiv gestalten.

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