Im Finale des Young Inventors Prize 2022 KI-gestütztes Abfallmanagement sorgt für optimales Recycling

Von Martin Hensel

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Die beiden Erfinder Victor Dewulf und Peter Hedley sind als Finalisten des Young Inventors Prize 2022 nominiert. Sie haben ein KI-gestütztes Abfallmanagementsystem entwickelt, das Recycling effizienter und wirtschaftlicher machen soll.

Victor Dewulf und Peter Hedley mit ihrem Sortiersystem Recycleye
Victor Dewulf und Peter Hedley mit ihrem Sortiersystem Recycleye
(Bild: European Patent Office / Joseph Thompson )

Die beiden Ingenieure und Unternehmer starteten ihr Projekt mit einem Laufband, einer Kamera und einem Haufen Abfall, den sie aus Müllcontainern zusammengesammelt hatten. Aus diesem Aufbau entstand ein intelligentes Abfallsortiersystem und im Jahr 2019 das Unternehmen Recycleye.

Im Rahmen des in diesem Jahr erstmals veranstalteten Young Inventors Prize des Europäischen Patentamtes (EPA) konnten sich die beiden Erfinder gegen die Konkurrenz durchsetzen und sind einer von drei Finalisten. Der Wettbewerb zeichnet junge Erfinder bis zu einem Alter von 30 Jahren aus, die mit ihren Produkten globale Probleme lösen und für mehr Nachhaltigkeit sorgen wollen.

Zweiteiliges System

Die Erfindung der beiden Partner besteht aus zwei Teilen, die Recyclingunternehmen einzeln oder in Kombination einsetzen können. Ein Computer-Vision-System identifiziert mittels KI-Verfahren automatisch verschiedene Abfallarten. Danach sucht ein auf sechs Achsen beweglicher Roboterarm selbstständig wertvolles Material aus einem Recycling-Förderband mit gemischten Abfällen heraus. Ziel des Systems ist ein höherer Reinheitsgrad und damit Wert der so entstehenden Abfallballen. Dies erhöht letztlich auch den finanziellen Anreiz für industrielles Recycling.

„Unser visuelles Erkennungssystem kann auf den schnellsten Bändern in einer Abfallanlage laufen, was die Lösungen unserer Wettbewerber nicht können“, erklärt Peter Hedley. Die KI-Priorisierung bei der Abfallsortierung führe zu einer Leistungssteigerung von etwa 300 Prozent. Dazu nutzt das Computer-Vision-System namens Recycleye Vision eine Kamera in Handyqualität, die 60 Bilder pro Sekunde von den vorbeilaufenden Abfällen macht. Ein Algorithmus priorisiert den Müll anschließend für die Sortierung und sendet Anweisungen an einen Roboterarm, der die Abfälle gezielt aufnimmt und ablegt. Pro Minute und Roboterarm sind auf diese Weise 55 Entnahmen möglich.

Als Garagenprojekt gestartet

Die Erfindung geht auf das Jahr 2018 zurück: Damals besuchte Victor Dewulf im Rahmen seines Masterstudiums in Umwelttechnik eine Recyclinganlage und sah dort die arbeitsintensive Müllsortierung. Hedley schrieb daraufhin seine Abschlussarbeit über Computer-Vision-basierte automatisierte Müllsortierung. 2019 entwickelte Dewulf gemeinsam mit dem Informatiker Peter Hedley den Prototyp eines derartigen Systems.

Das Computer-Vision-System entstand zunächst in der Garage von Hedleys Eltern – dabei simulierte ein Laufband das mit Müll bedeckte Förderband. Mit der Gründung ihres Unternehmens Recycleye konnten die Erfinder schließlich 935.000 Euro an Startkapital einsammeln und ihren Robotersortierarm in Kooperation mit dem Robotikhersteller FANUC herstellen. Derzeit sind bereits 17 Vision-Systeme und fünf Roboterarme im produktiven Einsatz, weitere Installationen sollen folgen.

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