KI-Erfolg in 4 Schritten Warum eine gute Vorbereitung für erfolgreiche KI-Projekte essenziell ist

Ein Gastbeitrag von Jamie Lyon 5 min Lesedauer

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KI-Projekte scheitern selten an Algorithmen oder Rechenleistung. Sie scheitern an dem, was Unternehmen vorher nicht aufgeräumt haben: unklare Prozesse, verstreute Daten, fehlende Verantwortlichkeiten. Vier Schritte zeigen, wie Unternehmen dieses Fundament legen, bevor sie KI in den Arbeitsalltag lassen.

Jamie Lyon, Chief Product & Strategy Officer bei Lucid Software, sieht in fehlender Vorarbeit die Hauptursache für gescheiterte KI-Projekte.(Bild:  Lucid Software)
Jamie Lyon, Chief Product & Strategy Officer bei Lucid Software, sieht in fehlender Vorarbeit die Hauptursache für gescheiterte KI-Projekte.
(Bild: Lucid Software)

Wer künstliche Intelligenz (KI) nicht nur punktuell einsetzt, sondern tief in die Organisation integriert, steht vor einer grundlegenden Herausforderung: Die Technologie braucht ein stabiles betriebliches Fundament, damit sie im gesamten Betrieb zuverlässig arbeitet. Dieser Schritt verlangt Sorgfalt. Denn wenden Teams KI auf fehlerhafte oder undokumentierte Prozesse an, beschleunigen und verstärken sie lediglich bestehende Ineffizienzen. Die Produktivitätsgewinne, die die Technologie verspricht, bleiben dann aus.

Was agentische KI braucht, um selbstständig komplexe Workflows mit einem belastbaren Ergebnis auszuführen, ist ein klar definierter Kontext. Diese Vorbereitung entscheidet darüber, ob die KI-Implementierung scheitert oder erfolgreich ist.

Die folgenden vier Schritte zeigen, wie Unternehmen ein strategisches Fundament aufbauen und die Technologie erfolgreich im Arbeitsalltag verankern.

Schritt 1: Das KI-Ziel präzise definieren

Jedes KI-Projekt braucht am Anfang ein klar definiertes Geschäftsproblem. Nur wenn eine überprüfbare Hypothese mit passenden Leistungskennzahlen (KPIs) verknüpft ist, lässt sich der Erfolg messen. Entscheidend sind die Geschäftsergebnisse und nicht die Anzahl der KI-Aktivitäten. Ein Agent im Kundensupport sollte deshalb nicht danach bewertet werden, wie viele automatisierte Antworten er generiert, sondern danach, ob Kunden schneller eine Lösung erhalten, zufriedener sind und die Supportkosten sinken.

Ein häufiger Fehler ist, dass Unternehmen sich nicht von Beginn an auf das zu erreichende Ziel fokussieren. Allzu oft investieren sie in KI, ohne das Problem, das sie lösen wollen, zuvor zu definieren. Um Komplikationen zu vermeiden, ist es wichtig, von der geschäftlichen Herausforderung auszugehen, das Ziel zu definieren und erst dann die am besten geeignete Technologie auszuwählen.

Schritt 2: Prozesse und Systeme transparent machen

Die Zielsetzung ist nur der Anfang. Damit eine KI sie erreichen kann, benötigt sie den richtigen geschäftlichen Kontext. Ein KI-Agent könnte etwa empfehlen, ein Projekt in die nächste Phase zu überführen, ohne zu wissen, dass zuvor eine rechtliche Genehmigung, eine Budgetfreigabe und eine Sicherheitsprüfung erforderlich sind.

In der Anfangsphase ähnelt KI einem fähigen neuen Mitarbeitenden an seinem ersten Arbeitstag: Sie bringt großes Potenzial mit, kennt die über Jahre gewachsenen Abläufe in den Abteilungen jedoch noch nicht. Ohne lückenlos dokumentierte Prozesse und bereinigte Datenstrukturen beseitigt der Einsatz von KI das bestehende Chaos in den Abteilungen nicht, sondern verstärkt es sogar.

Im Gegensatz zum Menschen, der auf informelles Erfahrungswissen zurückgreift, kann KI nicht gut mit unklaren Vorgaben umgehen. Ein erfahrener Support-Mitarbeiter würde bei einem besonders frustrierten Premium-Kunden völlig intuitiv das Standard-Ticketsystem umgehen und sich direkt an die Softwareentwicklung wenden. Solche ungeschriebenen Schattenprozesse prägen den Arbeitsalltag fast überall. Eine KI kann dieses Bauchgefühl nicht von allein replizieren. Fachabteilungen müssen derartige Eskalationspfade als dokumentierte Prozesslogik festhalten.

Hilfreich ist es hier, Abläufe visuell darzustellen. So ist auf einen Blick erkennbar, an welchen Stellen im Unternehmen komplexe Entscheidungen getroffen werden, wie viele IT-Systeme involviert sind und welche Teams abteilungsübergreifend zusammenarbeiten.

Schritt 3: Anwendungsfälle für KI und Automatisierung gezielt auswählen

Bei der Bewertung potenzieller Einsatzgebiete empfiehlt sich eine inhaltliche Unterscheidung zwischen klassischer Automatisierung und echter agentischer KI. Eine simple Automatisierung folgt stets einer starren, vorhersehbaren Logik. Agentische KI bewältigt im Gegensatz dazu komplexe Aufgaben, die weitreichende Schlussfolgerungen und eigenständige Entscheidungen erfordern. Ihre Stärken kommen besonders bei Zielsetzungen zum Tragen, für die diverse und sehr dynamische Lösungswege existieren.

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Projektteams sollten vor allem häufige Arbeitsschritte priorisieren, die monoton sind, eine mehrstufige Logik erfordern und oft den Wechsel zwischen diversen Software-Tools verlangen. Eine Bewertungsmatrix, geordnet nach geschäftlichem Einfluss und technischem Aufwand, hilft dabei, alle gesammelten Ideen sinnvoll zu strukturieren.

Ein guter Anwendungsfall zeigt sich beispielsweise im Bereich Softwareentwicklung: Ein Agent analysiert eigenständig fehlerhaften Legacy-Code, schlägt Korrekturen vor und generiert direkt die erforderlichen Tests zur Überprüfung der Logik. In der Praxis implementieren Organisationen leider sehr oft technisch beeindruckende, für das Kerngeschäft jedoch völlig irrelevante Vorzeigeprojekte. Oft reicht für viele dieser teuren Pilotprojekte eine einfache, regelbasierte Automatisierung aus.

Schritt 4: Den Faktor Mensch und Change Management einplanen

Die Skalierung intelligenter Systeme gelingt dann, wenn Unternehmen parallel einen kulturellen Wandel in der gesamten Belegschaft anstoßen. Da Beschäftigte zunehmend Bedenken äußern, wie KI ihre Aufgabenbereiche verändert, und sich um den Schutz sensibler Unternehmensdaten sorgen, erfordert die Einführung ein strategisches, eng koordiniertes Vorgehen. Kultureller Widerstand ist laut dem Lucid AI Readiness Report mit 27 Prozent die häufigste Ursache für Fehlschläge bei der Einführung, dicht gefolgt von fehlenden Richtlinien mit 26 Prozent.

Eine durchdachte Change-Management-Strategie begleitet den technologischen Wandel und gibt den Mitarbeitenden das Selbstvertrauen, innerhalb klar definierter Rahmenbedingungen Neues auszuprobieren. Unwissenheit über erlaubte Tools oder freigegebene Unternehmensdaten frustriert Teams schnell und begünstigt die Nutzung risikoreicher Schatten-IT.

Unternehmen müssen erkennen, dass sich die Rollen ihrer Mitarbeitenden durch die KI verändern. Eine erfolgreiche Einführung setzt deshalb nicht nur voraus, dass die Mitarbeitenden den Umgang mit KI-Tools lernen. Ebenso wichtig sind die Fähigkeiten, die einen sinnvollen Einsatz erst ermöglichen: kritisches Denken, fachliche Expertise und Urteilsvermögen. Nur so lassen sich KI-Ergebnisse bewerten, Fehler erkennen und Empfehlungen richtig einordnen. Investitionen in diese menschlichen Fähigkeiten sind daher ebenso wichtig wie Investitionen in die Technologie.

Die Vorbereitung entscheidet über den KI-Erfolg

Die überwiegende Mehrheit der KI-Implementierungen scheitert. Laut der PwC-CEO-Umfrage 2026 gibt mehr als die Hälfte (56 Prozent) der CEOs an, keinerlei Rendite aus ihren Investitionen in generative KI zu erzielen. Warum bleibt der Erfolg für so viele Führungskräfte weiterhin unerreichbar? Viele von ihnen betrachten die eingehende Vorbereitung als lästige Pflicht vor dem eigentlichen Projekt. Dabei ist sie das eigentliche Projekt. Denn agentische KI, die eigenständig mehrstufige Workflows übernimmt, setzt das voraus, was hier aufgebaut wird: dokumentierte Prozesslogik, klare Verantwortlichkeiten und Systeme, denen die Organisation vertraut.

Langfristig erfolgreich können nur die Unternehmen sein, die sowohl die technischen Voraussetzungen als auch die Menschen konsequent mitdenken. Technologie ohne Akzeptanz bleibt ungenutzt. Akzeptanz ohne solides Fundament verpufft. Erst wenn beides zusammenkommt, kann KI ihre Wirkung entfalten: nicht als Werkzeug einzelner, sondern als tragfähige Grundlage für das gesamte Unternehmen.

Praxis-Checkliste zur KI-Bereitschaft

Vor dem Start einer neuen KI-Initiative bewerten Projektteams ihr bestehendes Fundament idealerweise in vier entscheidenden Dimensionen:

  • Prozesse: Eine umfassende, fortlaufende Dokumentation aller Arbeitsabläufe bildet das Rückgrat. In der Praxis zeigen sich hierbei oft verborgene Flaschenhälse, die ein intelligenter Agent beheben könnte.
  • Technologie: Bestehende Systeme benötigen moderne Datenschnittstellen. Erste Tests neuer Lösungen finden am besten in einer sicheren, abgetrennten Umgebung abseits kritischer Live-Daten statt.
  • Daten: Daten müssen aktuell, vollständig und konsistent sein. Beschränkte Zugriffsrechte garantieren zudem, dass hochsensible Informationen wie Personalakten niemals an unbefugte Personen gelangen.
  • Menschen: Eindeutige Richtlinien zur sicheren Nutzung schützen die gesamte Organisation vor Risiken in den Bereichen Recht, Sicherheit, Datenschutz und Governance. Gezielte Trainings qualifizieren die Belegschaft für einen effizienten und kreativen Einsatz der neuen Systeme.

Über die Autorin

Jamie Lyon ist Chief Product & Strategy Officer bei Lucid Software. Sie verantwortet dort seit 2018 die Produktstrategie des Unternehmens.

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