Künstliche Intelligenz

KI: Die Dampfmaschine 4.0 fürs 21. Jahrhundert?

| Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Nico Litzel

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz könnte der Weltwirtschaft stärkere Wachstumsimpulse verleihen als die bahnbrechende Erfindung des Engländers James Watt.
Der Einsatz Künstlicher Intelligenz könnte der Weltwirtschaft stärkere Wachstumsimpulse verleihen als die bahnbrechende Erfindung des Engländers James Watt. (Bild: Pixabay / CC0)

Nur ein Hype oder doch ein bisschen mehr? Bei McKinsey meint man Letzteres – und nicht nur ein bisschen. Nach der jüngsten Studie des McKinsey Global Institute könnte der KI-Einsatz Deutschland ein zusätzliches Wachstum von 1,3 Prozentpunkten pro Jahr bescheren und damit mehr bewegen als einst die Dampfmaschine.

Nutzen wir doch einfach mal Künstliche Intelligenz (KI) – konkret Google und damit das Deep Learning Netzwerk, das auf den Servern des kalifornischen Digitalgiganten werkelt. Mehr als 367 Millionen Fundstellen spuckt die weltweit meistgenutzte Suchmaschine zu den Keywords „Künstliche Intelligenz“ und „Artificial Intelligence“ aus. Und damit bewegt KI die digital affine Menschheit weit mehr als als ein anderer Hype: Denn zum Suchbegriff „Blockchain“ kann Google „nur“ 136 Millionen Treffer anbieten.

McKinsey rechnet mit hohem KI-Wachstumseffekt

Ob uns Künstliche Intelligenz allerdings das sagenhafte Land beschert, in dem Milch und Honig fließen, wie nicht wenige „Evangelisten“ dieser Technologie prophezeien, bleibt abzuwarten. Zumindest beim McKinsey Global Institute (MGI) gibt man sich, was KI als Wachstumstreibsatz anbelangt, recht optimistisch. Nach der jüngsten Prognose der McKinsey-Volkswirte kann Künstliche Intelligenz das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2030 zusätzlich um durchschnittlich 1,2 Prozentpunkte pro Jahr steigern. Künstliche Intelligenz übertrifft somit den jährlichen Wachstumseffekt, den seinerzeit Dampfmaschinen (0,6 Prozentpunkte), Industrieroboter (0,4 Prozentpunkte) und die Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT, 0,6 Prozentpunkte) erzielten.

Peter Breuer, Seniorpartner im Kölner Büro von McKinsey: „KI wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor; dies kann Unterschiede zwischen Unternehmen und Ländern, die diese Technologie einsetzen und jenen, die es nicht tun, vergrößern."
Peter Breuer, Seniorpartner im Kölner Büro von McKinsey: „KI wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor; dies kann Unterschiede zwischen Unternehmen und Ländern, die diese Technologie einsetzen und jenen, die es nicht tun, vergrößern." (Bild: McKinsey)

Insgesamt wäre mit Künstlicher Intelligenz bis 2030 ein zusätzlicher globaler Wertschöpfungsbeitrag in Höhe von 13 Billionen US-Dollar möglich, haben die McKinsey-Forscher errechnet. Die Ergebnisse sind Teil der Studie „Notes from the frontier: Modeling impact of AI on the world economy“. Das MGI, der volkswirtschaftliche Think Tank der Unternehmensberatung McKinsey, hat darin die Auswirkungen von KI-Technologien auf die Weltwirtschaft untersucht ausgehend von der Adaption unterschiedlicher KI-Technologien. Befragt wurden 3.000 Unternehmen aus 14 Branchen.

Für die Studie teilte das MGI die KI-Technologie in fünf Kategorien ein: automatische Bilderkennung, natürliche Sprache, virtuelle Assistenten, roboterbasierte Prozessautomatisierung und fortgeschrittenes maschinelles Lernen (Machine Learning). Und diese Technologien werden zukünftig von Unternehmen am wahrscheinlichsten nutzen: Bis zum Jahr 2030 werden rund 70 Prozent der Unternehmen mindestens eine der genannten KI-Technologien einsetzen.

KI eröffnet Deutschland überdurchschnittliches Wachstumspotenzial

„Unternehmen integrieren Künstliche Intelligenz zunehmend in ihre Kernprozesse. Das wirtschaftliche Potenzial ist riesig“, erläutert Peter Breuer, Seniorpartner im Kölner Büro von McKinsey. „KI wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor; dies kann Unterschiede zwischen Unternehmen und Ländern, die diese Technologie einsetzen und jenen, die es nicht tun, vergrößern.“ Unternehmen, die KI früh implementieren, könnten ihren Cashflow verdoppeln, während die Nachzügler einen Rückgang ihres Cashflows um etwa 20 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau verzeichnen müssten.

Zum KI-getriebenen Produktivitätswachstum tragen unterschiedliche Mikro- und Makro-Faktoren bei, etwa die Adaptionsgeschwindigkeit von KI-Technologie durch Unternehmen oder die Arbeitsmarktstruktur eines Landes. Mit einem möglichen zusätzlichen BIP-Wachstum von 1,3 Prozentpunkten liegt Deutschland leicht über dem Durchschnitt und gleichauf mit China, allerdings hinter den USA (1,5 Prozentpunkte) und Schweden (1,7 Prozentpunkte).

Deutschland muss mehr in KI-Forschung investieren

Da sich das Produktivitätswachstum tendenziell verlangsamt, sind Länder wie Deutschland, Frankreich oder Kanada besonders gefordert, die Wertschöpfungspotenziale von Künstlicher Intelligenz zu nutzen. „Deutschland verfügt über genügend Kapazitäten, um Innovation in großem Maßstab realisieren und die Vermarktung von KI-Lösungen beschleunigen zu können. Nachlegen müssen wir bei den Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung", ist Breuer überzeugt.

Breuer verweist auf China: Dort liege das zusätzliche BIP-Wachstumspotenzial auch bei 1,3 Prozentpunkten pro Jahr, doch China verfüge über ein ungleich höheres Investitionspotenzial. Daneben flossen 2017 bereits 48 Prozent aller weltweiten Investitionen in KI-Startups (15,2 Milliarden US-Dollar) in chinesische Gründungen.

CLAIRE-Symposium: Europas Position in der KI stärken

Am 7. September 2018 treffen sich 100 europäische Spitzenforscher und Interessensvertreter der Künstlichen Intelligenz in Brüssel. Ziel des Symposiums ist, Europa für eine Führungsposition in der menschzentrierten KI zu positionieren, das heißt, in einer Spielart der Künstlichen Intelligenz, die stark auf menschlichen Werten und Einschätzungen basiert und sozial verträglich ist.

Zu diesem Zweck hat die europäische KI-Gemeinschaft kürzlich eine Initiative zur Gründung einer "Confederation of Laboratories for Artificial Intelligence Research in Europe", auch "CLAIRE" genannt, gestartet. Seit ihrer Gründung im Juni 2018 wurde CLAIRE von über 2000 Akteuren aus Wissenschaft, Industrie und öffentlicher Verwaltung aus ganz Europa unterstützt, darunter mehr als 1100 Experten für Künstliche Intelligenz sowie siebzehn der nationalen KI-Gesellschaften und Forschungsinstitute Europas.

Die CLAIRE-Initiative zielt darauf ab, ein europäisches Netzwerk von Kompetenzzentren für Künstliche Intelligenz in ganz Europa und eine neue, zentrale Einrichtung mit einer hochmodernen, "Google-Scale" Infrastruktur zu schaffen, die neue und bestehende Talente fördert und eine Anlaufstelle für den Austausch und die Interaktion von Forschern in allen Phasen ihrer Karriere in allen Bereichen der Künstlichen Intelligenz bietet. Ziel ist es, im Bereich der Künstlichen Intelligenz eine ähnliche Wirkung und Markenbekanntheit wie beim CERN, Europas weltweit führendem Labor für Teilchenphysik, zu erreichen.

Zu den deutschen Key-Supportern der CLAIRE-Initiative gehören unter anderem Franz Baader (TU Dresden), Christoph Benzmüller (FU Berlin), Wolfgang Bibel (TU Darmstadt), Gerhard Brewka (Universität Leipzig), Wolfram Burgard (Universität Freiburg), Hans-Dieter Burkhard (Humboldt Universität Berlin), Andreas Dengel (DFKI), Christian Freska (Universität Bremen), Ulrich Furbach (Universität Koblenz), Joachim Hertzberg (Universität Osnabrück, DFKI), Frank Hutter (Universität Freiburg), Kristian Kersting (TU Darmstadt), Gerhard Lakemeyer (RWTH Aachen), Bernhard Nebel (Universität Freiburg), Bernd Neumann (Universität Hamburg), Torsten Schaub (Universität Potsdam), Philipp Slusallek (DFKI), Steffen Staab (Universität Koblenz), Heike Trautmann (Universität Münster), Wolfgang Wahlster (DFKI) sowie Toby Walsh (TU Berlin).

Dieser Artiekl erschien zuerst auf unserem Partnerportal Industry of Things.

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