Humanoide Roboter falten Wäsche, autonome Fahrzeuge navigieren durch Städte. In Demos wirkt die Robotik-Revolution unvermeidlich. Dahinter aber stehen fragmentierte Entwicklungsprozesse: Training, Simulation und Edge-Deployment arbeiten häufig als getrennte Systeme. Warum das die eigentliche Hürde für Robotik-Teams ist, erläutert Evan Helda, Head of Physical AI beim Cloud-Anbieter Nebius.
Die Brücke vom Trainings-Cluster über die Simulation bis zum Roboter im Feld hat Lücken: Physical AI scheitert seltener am Modell als am Workflow.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Hinter jeder eleganten Demo steckt eine unordentlichere Wahrheit: Die Lernschleifen sind fragmentiert. Spricht man mit Robotik-Teams, taucht dieselbe Beschwerde auf. Zu viel Zeit geht für das Jonglieren mit Infrastruktur drauf, statt Modelle zu verbessern. Das kostet Teams das Einzige, was sie nicht zurückgewinnen können: Iterationsgeschwindigkeit. Physical AI hat damit nicht nur ein Modell-Problem, sondern ein Workflow-Problem. Genauer: ein Drei-Computer-Problem.
Anders als textbasierte generative KI muss Physical AI mit physischen Konsequenzen umgehen. Ein Roboter kann eine Kiste fallen lassen, gegen eine Wand fahren oder auf eine Weise versagen, die teuer oder gefährlich ist.
Dieser Unterschied verändert den Stack in drei Dimensionen. Die Daten sind schwerer: Video, LiDAR, Tiefeninformationen, Telemetrie, Roboterzustand, Simulationsspuren und Sensorströme. Die Modelle sind verkörperter: Vision-Language-Action-Modelle, World Models, Control Policies und Perception Stacks. Und die Workloads sind eigenartiger, etwa Simulation, synthetische Datengenerierung, Reinforcement Learning, Evaluation, Replay, Failure Mining und multimodale Datenverarbeitung.
Physical AI hat durch Fortschritte bei Foundation Models, Simulation, synthetischen Daten, Reinforcement Learning und Edge Computing an Fahrt gewonnen. Aber nichts davon wurde dafür gebaut, als ein System zusammenzuarbeiten. Das ist die größte Hürde für Entwickler.
Das Drei-Computer-Problem
Das zentrale Infrastrukturproblem in Physical AI ist das, was Nvidia das Drei-Computer-System nennt: Ein Computer trainiert das Modell, einer simuliert die Welt, einer läuft in der Maschine.
Der erste ist der Trainings-Cluster für Modelltraining und Fine-Tuning. Er braucht Skalierbarkeit, schnelles Netzwerk, robustes Scheduling und schnellen Zugriff auf Sensordaten. Der zweite ist die Simulationsumgebung, mit GPUs für Rendering und KI-Berechnungen, CPUs für Physiksimulation, schnellem Speicher und Orchestrierung für parallele Instanzen. Der dritte ist das Edge-Gerät: Modelle müssen mit niedriger Latenz auf eingeschränkter Hardware in Robotern, Fahrzeugen, Drohnen oder Maschinen laufen, bei entsprechenden Anforderungen an Sicherheit, Zuverlässigkeit, Energieeffizienz, Laufzeitkompatibilität und Echtzeit-Performance.
In der Theorie bilden diese drei Komponenten eine Lernschleife: Modell trainieren, in der Simulation testen, deployen, Fehler beobachten, mit neuen Daten verbessern. In der Praxis funktionieren sie wie drei separate Inseln. Traditionelle Cloud-Architektur wurde nicht für Workloads entwickelt, bei denen Training, Simulation, Datenverarbeitung, Evaluation und Deployment als integriertes System zusammenwirken müssen. Robotik-Teams bauen deshalb nicht nur Roboter, sondern auch die Infrastruktur, um Roboter zu bauen.
Die physische Welt liefert keinen sauberen, ausgewogenen Datensatz. Sie liefert Blendung, Staub, Regen, Schatten, unebene Böden, Sensorrauschen und seltene Fehlerfälle. Synthetische Daten sind der Weg, wie Teams diesen Long Tail abdecken: Per Simulation lassen sich seltene, gefährliche oder teure Szenarien in großem Maßstab erzeugen und Fehler wiederholen, deren physische Reproduktion unmöglich oder unverantwortlich wäre.
Physical-AI-Teams brauchen sowohl synthetische als auch reale Daten. Diese Quellen liegen jedoch häufig in unterschiedlichen Formaten, Speichersystemen und Workflows vor. Entsprechend aufwendig ist der Weg vom realen Fehler über das simulierte Szenario zum neu trainierten Modell. Die Daten existieren, die Schleife nicht.
Aufbau einer Execution Layer für Physical AI
Der nächste Schritt ist der Aufbau einer durchgängigen Cloud-Execution-Layer für den gesamten Physical-AI-Lebenszyklus. Nicht nur GPUs, Storage oder Simulation, auch nicht nur Datenpipelines, sondern ein System, das Teams ermöglicht, den kompletten Kreislauf über eine Entwickleroberfläche, eine gemeinsame Datenschicht und ein Execution Framework zu betreiben.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Evan Helda.
(Bild: Nebius)
In diesem Modell ist die Cloud mehr als ein Ort, an dem man Rechenleistung mietet. Sie ist auf dem Weg, zur Datenfabrik für Physical AI zu werden: ein aktives System, das Rechenleistung in Trainingsdaten, simulierte Szenarien, Evaluationsläufe, Modellverbesserungen und schließlich Edge-Deployments umwandelt.
Im GenAI-Zeitalter wurde die Cloud zur Fabrik für Tokens. Im Physical-AI-Zeitalter wird sie zur Fabrik für verkörperte Intelligenz. So bewegen sich Roboter von beeindruckenden Demos hin zu Deployment in großem Maßstab.
Über den Autor
Evan Helda ist Leiter des Bereichs Physical AI bei Nebius.