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Durchgängiges Konzept für die digitale Transformation Alteryx will die Datenanalyse demokratisieren

| Autor / Redakteur: Karin Johanna Quack / Nico Litzel

Daten, Prozesse und Menschen sind die Säulen, auf die der Datenspezialist Alteryx sein Konzept APA (Analytic Process Automation) baut. Es soll vor allem mittelgroßen Unternehmen helfen, eine datengestützte digitale Transformation umzusetzen. Dank Automatisierung und Self-Service-Funktionen verringert es den Bedarf an teuren Data Scientists. Zudem offeriert Alteryx derzeit zusammen mit der Online-Akademie Udacity kostenlose Datenanalyse-Schulungen für Kurzarbeiter.

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Tom Becker, Regional Vice President für Zentraleuropa bei Alteryx
Tom Becker, Regional Vice President für Zentraleuropa bei Alteryx
(Bild: Alteryx)

Auf die Frage, was APA genau sei, gibt Alteryx durchaus unterschiedliche Antworten. Einmal heißt es, APA sei eine „Arbeitsweise“, die den Mitarbeiter in den Mittelpunkt stelle und ihn befähige, Datenanalysen im Do-it-yourself-Betrieb vorzunehmen. Wie Tom Becker, Regional Vice President für Zentraleuropa, erläutert, versteht Alteryx unter diesen „Mitarbeitern“ nicht etwa nur hochspezialisierte Data Scientists, sondern auch die „Digital Worker“, die eine hohe Affinität zum Umgang mit Daten mitbringen, aber nicht unbedingt ein Informatikstudium absolviert haben.

In der offiziellen Presseinformation bezeichnet Alteryx APA als ein „Konzept“ für eine datengetriebene digitale Transformation. Ein Konzept, das laut Becker produktunabhängig definiert sei. Aber: „Wir sind schon recht weit darin, das Konzept mit Inhalten zu füllen.“ Ziel von APA sei es, die drei Aspekte Daten, Prozesse und Menschen in einer durchgängigen Softwareplattform zu verbinden. Für Hilfe bei der Umsetzung könne man auf rund 400 Implementierungspartner verweisen.

Aus Sicht von Alteryx benötigen die Unternehmen für die digitale Transformation nicht unbedingt ein disruptives Geschäftsmodell, aber sicher eine „Datenkultur“. Darin sollen die grundsätzlichen Fragen des Umgangs mit Daten behandelt werden – von der Geschäftsstrategie über die Technik bis zur Personalpolitik. Eine solche Kultur existiere, so bemängelt das Softwareunternehmen, nur in drei von zehn Betrieben; das belege eine Studie des Beratungshauses NewVantage Partners aus dem vergangenen Jahr.

Weniger Routinearbeiten durch RPA

Die Digitale Transformation ruht laut Alteryx auf den drei Säulen Demokratisierung von Datenanalysen, Prozessautomatiserung und Qualifikation von Mitarbeitern.
Die Digitale Transformation ruht laut Alteryx auf den drei Säulen Demokratisierung von Datenanalysen, Prozessautomatiserung und Qualifikation von Mitarbeitern.
(Bild: Alteryx)

Das APA-Konzept umfasst unter anderem das Thema Prozessautomation (Robotic Process Automation), das die Daten- und Datenanalyse-Branche derzeit stark beschäftigt. Nach einem aktuellen Bericht des World Economic Forum („Data Science in the New Economy” vom Juli 2019) werden sich schon 2022 menschliche Mitarbeiter und automatisierte Prozesse die bei der Datenanalyse anfallenden Arbeiten teilen. Die Entlastung von zeitaufwendiger Routinearbeit soll aber nicht nur die Produktivität der Mitarbeiter steigern, sondern ihnen auch ermöglichen, „ihre Kreativität auszuleben“, wie Becker es formuliert.

Die manuellen Aufgaben für das Daten-Management könnten sich bis 2022 um 45 Prozent verringern lassen, so zitiert Alteryx das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner. Automatisierte Prozesse und Machine-Learning-Anwendungen trügen einen großen Teil dazu bei, die Menschen in den Unternehmen von langweiligen Alltagsaufgaben wie dem Erstellen von Reportings oder dem Durchspielen unterschiedlicher Business-Szenarien zu befreien. Alteryx hat eigenen Angaben zufolge mehr als 260 Building Blocks für die Prozessautomation in petto. Im vergangenen Herbst übernahm das hierzulande in München ansässige Unternehmen im Übrigen den Machine-Learning-Spezialisten Feature Labs.

Allerdings gehe das APA-Konzept weit über RPA hinaus, fährt Becker fort. Automatisierte Prozesse seien nur eine von drei Säulen, auf denen APA ruhe. Jede von ihnen repräsentiert aus Sicht von Alteryx eine der Herausforderungen, vor denen die Unternehmensentscheider im Hinblick auf die datengetriebene digitale Transformation heute stehen. Ein Drittel der Topmanager habe IDC-Ergebnissen zufolge „erhebliche Schwierigkeiten“, die Datennutzung für geschäftliche Entscheidungen zu verbessern. Und laut einer Schätzung von Forrester sei im vergangenen Jahr nicht einmal die Hälfte der Geschäftsentscheidungen auf der Basis von Daten und Analysen getroffen worden.

Datenzugriff für alle

In der Steinzeit der Datenverarbeitung musste beispielsweise ein Vertriebler, der seinen Markt analysieren wollte, eine Anfrage an den IT-Bereich stellen und stunden- oder gar tagelang auf die Antwort warten. Diese Situation hat sich inzwischen deutlich verbessert. Aber immer noch verhindern „Datensilos“ und allzu komplizierte Do-it-yourself-Werkzeuge den schnellen Zugang zu geschäftsrelevanten Datenauswertungen.

Inwiefern dieser Umstand geschäftskritisch ist, belegt Alteryx wiederum mit IDC-Zahlen. Demnach müssen Datenanalysten nicht weniger als 70 Prozent ihrer Arbeitszeit der reinen Suche nach Daten widmen. Und Data Worker verschwendeten 44 Prozent ihrer Zeit mit vergeblichen Recherchen; zudem benötigten sie für datenbezogene Aufgaben zwischen vier und sieben unterschiedliche Software-Werkzeuge.

Die zweite APA-Säule ist deshalb die „Demokratisierung“ der Daten und der Datenanalyse. Mit dem APA-Konzept will Alteryx den Mitarbeitern in den Kundenunternehmen die Suche nach und den Zugriff auf alle benötigten Daten erleichtern. Der Anbieter selbst stellt dafür unter anderem Werkzeuge für den automatischen Input von Daten-Assets bereit.

Den Mangel an Data Scientist beheben

Prozessautomation und vereinfachtes Daten-Management werden mehr Mitarbeitern denn je ermöglichen, selbständig Daten in unternehmensrelevante Informationen zu verwandeln. Das ist sinnvoll, denn die Zahl der ausgebildeten Experten kann nicht Schritt halten mit dem exponentiellen Wachstum der erfassten Daten. Hochqualifizierte Data Scientists bilden zudem eine knappe Ressource und sind folglich für kleinere Unternehmen oder Behörden kaum zu bezahlen.

Vor diesem Hintergrund propagiert Alteryx den „Citizen Data Scientist“. Darunter versteht das Unternehmen technisch versierte und datenaffine Mitarbeiter mit einem mathematisch-statistischen Grundverständnis, deren Ausbildung stark praxisorientiert und an modernen Tools orientiert ist. Becker beruft sich wiederum auf IDC, wenn er die Zahl der weltweit verfügbaren Data Worker auf rund 54 Millionen beziffert. All diese Menschen könnten sich die für Datenanalysen notwendigen Fähigkeiten aneignen. Dagegen dürfte sich die Zahl der bis 2025 ausgebildeten Data Scientists laut IDC auf lediglich zwei Millionen Köpfe addieren.

Citizen Data Scientists werden schon im kommenden Jahr in der Lage sein, die Mehrzahl aller mit Datenanalysen zusammenhängenden Aufgaben selbständig zu bearbeiten, verkündet Alteryx mit Blick auf die Untersuchungsergebnisse des Marktforschungsunternehmens Forrester. Data Scientists nach bisherigem Muster können sich dann beispielsweise auf die hochkomplexe Suche nach verborgenen Zusammenhängen konzentrieren.

Aus Kurzarbeitern werden Datenanalysten

Den Nachweis, dass Datenanalyse mit den richtigen Werkzeugen keine Raketenwissenschaft sein muss, will Alteryx auch mit seiner jüngsten Initiative im Rahmen des sozialen Programms „Alteryx For Good“ erbringen; sie trägt die Bezeichnung Advancing Data and Analytics Potential Together (ADAPT).

Ziel von ADAPT ist es, den aufgrund der Covid-19-Krise in Kurzarbeit geschickten Arbeitnehmern eine neue Perspektive zu eröffnen: Sie können in einem Online-Kurs kostenlos Grundlagenwissen in Sachen Datenanalyse erwerben und sich für das „Nanodegree-Programm for Predictive Analytics“ des Schulungsanbieters Udacity qualifizieren.

Das von Udacity dafür erarbeitete Unterrichtsmaterial umfasst 125 Stunden mit interaktiven Lektionen, Videos, Webinaren und Podcasts. Die wichtigsten Lernmodule sind: Erstellen eines Datensatzes, Klassifizierungsmodelle, A/B-Tests zur Variantenbewertung, Zeitreihen und Segmentierung. Wer die Bedingungen für eine Teilnahme erfüllt, hat einen Monat lang kostenlosen Zugang zu den Nanodegree-Programmen. Am Ende erhält er oder sie ein Zertifikat. „Das Einzige, das wir nicht leisten können, sind individuelle Prüfungen und Empfehlungen“, sagt Becker.

Allein in den USA hätten bereits 30 Millionen Menschen aufgrund der Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren, schildert Gabe Dalporto, CEO der Online-Akademie, die Hintergründe der Initiative: „Ohne massive Umschulung werden wir mit einer strukturellen Arbeitslosigkeit konfrontiert sein.“ Gleichzeitig sei der Mangel an Talenten aus Sicht der Unternehmensführer immer noch das größte Risiko für organisatorische Veränderungen.

Selbstverständlich hat Alteryx selbst auch etwas davon: Das Unternehmen stellt die Software zur Verfügung, an der die angehenden Data Worker das Gelernte ausprobieren können. So wächst der Bekanntheitsgrad der Software, es entsteht eine Gruppe von Know-how-Trägern, und viele davon schließen sich – hoffentlich – der Alteryx-Community an, wo sie ihre neu erworbenen Fähigkeiten beispielsweise in Hackathons unter Beweis stellen können. Aus der Community seien schon etwa 13.000 Lösungen erwachsen, sagt Becker. Alteryx hofft, dass Tausende von Kurzarbeitern von dem Angebot Gebrauch machen.

Kurzarbeiter-App hilft Reisebüros

Einen anderen Beitrag zur Linderung der Covid-19-Folgen hatte Alteryx schon vor ein paar Wochen geleistet: Das Unternehmen stellte eine „Kurzarbeiter-App“ zur Verfügung, mit deren Hilfe vor allem kleinere Betriebe durchrechnen können, welches Kurzarbeit-Szenario für sie am günstigen wäre und wie der Prozess dafür ablaufen sollte. Kooperationspartner für die Entwicklung der App war die M2 Technologie- und Projektberatung. „Die App wurde seinerzeit gut angenommen“, erinnert sich Becker, „vor allem die Reisebüros haben sie häufig heruntergeladen .“ Weitere Informationen zum Thema liefert die Website https://www.bigdata-insider.de/redirect/931198/aHR0cHM6Ly9wYWdlcy5hbHRlcnl4LmNvbS9LdXJ6YXJiZWl0ZXI/80124829c3299e80008490194bfce3a5b0e3f0b139ad99861c0146a3/article/.

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Über den Autor

 Karin Johanna Quack

Karin Johanna Quack

Freie Journalistin für Wirtschaft und Technik