Kommentar von Stephen Pieper, Rippling Deutschland Automatisierte Personalprozesse: Warum der Verwaltungsaufwand am Datenmodell hängt

Von Stephen Pieper 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Personalabteilungen digitalisieren seit Jahren, und dennoch bleibt der administrative Anteil ihrer Arbeit hoch. Neue Tools setzen meist nicht an der Ursache an: Personaldaten liegen verteilt in mehreren Systemen, und keines davon ist führend. Für IT- und Data-Teams ein vertrautes Muster – und die Quelle der meisten Fehler und Verzögerungen.

Der Autor: Stephen Pieper ist Product Lead Deutschland bei Rippling (Bild:  Rippling)
Der Autor: Stephen Pieper ist Product Lead Deutschland bei Rippling
(Bild: Rippling)

Wer Aufwand in der Personalarbeit senken will, muss zuerst wissen, wo er entsteht. Der Digitalisierungsgrad im DACH-Raum ist über die Jahre gestiegen, der Verwaltungsanteil in den HR-Abteilungen kaum gesunken. Zusätzliche Software hat daran bislang wenig geändert.

Der Grund dafür ist strukturell. Jedes weitere System bringt ein eigenes Datenmodell ins Spiel, mit eigenen Definitionen von Eintrittsdatum, Kostenstelle, Beschäftigungsumfang und Kostenträger. Automatisiert wird am Ende die Übergabe zwischen den Systemen, nicht der Vorgang selbst. Die Konsequenz: Der Aufwand verschwindet nicht, er verschiebt sich nur.

Genau hier liegen die Vorteile einer All-in-one-HR-Software: Sie ersetzt die Schnittstellen zwischen den Werkzeugen, weil alle Module auf der gleichen Datenbasis arbeiten und somit Daten nur einmal gepflegt werden müssen. Ob Automatisierung später wirklich Aufwand spart, entscheidet sich an der Architektur.

Wo der Verwaltungsaufwand entsteht

Die Treiber lassen sich aus IT-Sicht klar benennen. Sie sind kein HR-Thema, sondern ein Datenpflegen-Thema.

Dieselben Felder, mehrfach gepflegt

Personaldaten sind in den meisten Unternehmen digital, die Systeme, in denen sie liegen, aber nicht integriert. Stammdaten liegen gleichzeitig im Kernsystem, in der Zeiterfassung, im Bewerbermanagement und in der Lohnbuchhaltung. Eine Adressänderung trifft damit vier Systeme, von denen keines mit dem anderen „kommuniziert“. Dazu kommen Medienbrüche. Dokumente entstehen elektronisch, laufen per Mail weiter und landen am Ende als Datei in einem persönlichen Ordner – außerhalb jedes Systems.

Sichtbar wird das meist erst bei der nächsten Auswertung. Bis dahin arbeiten mehrere Abteilungen mit Daten, die sich in Details unterscheiden, und niemand kann sagen, welcher davon der aktuelle ist.

Kennzahlen, die nicht zueinander passen

Weichen Headcount-Zahlen aus zwei Systemen voneinander ab, hat meist niemand falsch gerechnet. Die Systeme arbeiten mit unterschiedlicher Stichtagslogik und unterschiedlichen Definitionen. Ob etwa Elternzeit und interne Wechsel mitgezählt werden, ist eine Konfigurationsentscheidung, getroffen von jemandem, der heute vielleicht nicht mehr im Unternehmen ist.

Solche Abweichungen kosten doppelt. Erst wird geklärt, welche Zahl stimmt, danach begründet, warum sie von der letzten Auswertung abweicht. Das ist ein Problem der Stammdaten, kein Reportingproblem.

Automatisierung beginnt beim führenden System

Bevor ein Prozess automatisiert wird, muss feststehen, welches System für welches Datenobjekt führend ist. Person, Beschäftigungsverhältnis, Organisationseinheit, Vergütung: Für jedes dieser Objekte braucht es genau eine Quelle, aus der die übrigen Systeme lesen. Dieser Schritt ist unspektakulär und wird genau deshalb oft übersprungen. Wer sie nachholt, merkt schnell, dass die eigentliche Arbeit im Vereinheitlichen der Definitionen liegt und weniger im technischen Anschluss.

Praktisch heißt das, jedem Feld einen Eigentümer zu geben. Wer eine Kostenstelle ändern darf und in welchem System, ist eine Governance-Frage, die sich später in jeder Auswertung und jeder Freigabe bemerkbar macht.

Ereignisse statt nächtlicher Dateiübergaben

Vertragsunterschrift, Abteilungswechsel, Gehaltsanpassung und Austritt sollten Folgeaktionen unmittelbar auslösen. Läuft die Integration über periodische Exporte, entsteht zwischen Ereignis (z. B. Kündigung) und Folge (z. B. Offboarding) eine Lücke von Stunden oder Tagen.

In dieser Lücke sitzt ein großer Teil der Handarbeit, die sich mit Nachfragen und Erinnerungen füllt, die Menschen abarbeiten. Erst wenn ein Ereignis alle beteiligten System unmittelbar erreicht, werden Eintritt, Rechtevergabe und Abrechnung zu einem zusammenhängenden Vorgang.

Self-Service ist der unterschätzte Hebel

Ein erheblicher Teil des Aufwands entsteht in der Weiterleitung. Adressänderungen, Bescheinigungen, Urlaubsanträge und Fragen zur Abrechnung landen als Mail bei der Personalabteilung, die sie sortiert und weitergibt. Fachlich ist daran nichts anspruchsvoll.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Big Data, Analytics & AI

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Genau diese Vorgänge lassen sich in Self-Service überführen, sobald die Datenhaltung stimmt. Beschäftigte pflegen ihre Angaben selbst, Führungskräfte geben Abwesenheiten und einfache organisatorische Änderungen direkt frei. Die Personalabteilung bearbeitet dann Ausnahmen.

Sobald Self-Service an Zeiterfassung und Einsatzplanung andockt, greifen die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats. Technische Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung erfassen können, sind zustimmungspflichtig, und Zeitdaten fallen regelmäßig darunter.

Der Effekt ist am Anfragevolumen messbar. Bleibt die Datenbasis verteilt, entsteht nur eine weitere Oberfläche über denselben widersprüchlichen Daten.

Wo Automatisierung an rechtliche Grenzen stößt

Solange Systeme nur verwalten, ist Automatisierung rechtlich unkritisch. Sobald sie bewerten oder Entscheidungen vorschlagen, sieht die Sache anders aus.

Entscheidungen mit erheblicher Wirkung für Beschäftigte dürfen nach der Datenschutz-Grundverordnung grundsätzlich nicht allein automatisiert getroffen werden. Die europäische KI-Verordnung ordnet KI im Beschäftigungskontext dem Hochrisikobereich zu. Sie verlangt Risikomanagement, dokumentierte Datenqualität, Protokollierung und nachvollziehbare Aufsicht.

Beides betrifft Architekturentscheidungen, die lange vor dem ersten Modell fallen. Ein System, das Empfehlungen ausspricht, muss festhalten können, auf welcher Datengrundlage es das getan hat. Wer den Betriebsrat erst nach der Systemauswahl einbindet, verhandelt diese Punkte später unter Zeitdruck.

Protokollierung und ein menschlicher Prüfschritt gehören in den Entwurf, weil sie sich nur schwer nachrüsten lassen.

Was Data- und IT-Teams zuerst klären sollten

Folgende Punkte entscheiden darüber, ob eine Automatisierung später erfolgreich umgesetzt wird:

  • Datenhoheit: Führendes System je Datenobjekt benennen und dokumentieren.
  • Definitionen: Kennzahlenlogik vereinheitlichen, bevor Quellen miteinander verglichen werden.
  • Self-Service: Standardanfragen gar nicht erst über das HR-Team laufen lassen.
  • Governance: Protokollierung und menschliche Prüfschritte von Beginn an einplanen.

Diese Punkte klingen nach Grundlagenarbeit, weil sie es sind. Sie entscheiden aber darüber, ob People Analytics später belastbare Ergebnisse liefert oder nur schneller widersprüchliche Zahlen produziert.

Fazit: Ordnung in den Daten ist die eigentliche Automatisierung

Personalprozesse werden nicht dadurch effizient, dass eine Software mehr Aufgaben übernimmt. Sie werden effizient, wenn klar ist, wo eine Information entsteht, wer sie pflegt und welche Systeme sie übernehmen.

Diese Arbeit ist weniger sichtbar als eine Tool-Einführung und ist deutlich nachhaltiger. Unternehmen, die sie leisten, bekommen belastbare Kennzahlen fast nebenbei und ein HR-Team, das seine Zeit nicht mehr damit verbringt, unterschiedliche Systemstände abzugleichen.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:50984531)