Ausblick auf Robot Recruiting

Wenn der Roboter die Bewerber auswählt…

| Autor / Redakteur: Martin Hensel / Nico Litzel

Dr. Ole Mensching, CEO und Gründer von CareerTeam.
Dr. Ole Mensching, CEO und Gründer von CareerTeam. (Bild: CareerTeam)

Über kurz oder lang wird die immer weiter um sich greifende Digitalisierung auch die Berufswelt verändern. CareerTeam wagt daher einen Ausblick in die mögliche Zukunft des Robot Recruitings.

Die Digitalisierung wird sich auch auf Arbeitsbereiche auswirken, in denen der Faktor Mensch mit seiner Intuition und seinem persönlichen Eindruck von entscheidender Bedeutung ist. Dazu zählt auch die Branche Human Resources (HR), in der sich die Headhunter-Agentur CareerTeam bestens auskennt. Wie Gründer und CEO Dr. Ole Mensching erklärt, kommen immer häufiger Bewerbungsroboter zum Einsatz, die mittels datenbasierter Analysen die Vorsortierung von Bewerbungen übernehmen. Diese Automatisierung des Recruiting-Prozesses auf Basis von Algorithmen wird Robot Recruiting genannt und lässt sich auch für Jobvorschläge oder das Finden geeigneter Bewerber nutzen. Beim datengetriebenen Recruiting geht es aber um mehr als nur das reine Datenabgleichen: „Der Fokus liegt auf einem intelligenten Matching. Der Algorithmus muss den konkreten Inhalt der Stellenausschreibung verstehen und dafür die Begriffe und Sätze im Zusammenhang analysieren und auswerten können“, erklärt Dr. Mensching.

Wenig verbreitet und fehleranfällig

Derzeit kommt Robot Recruiting aber nur bei zwei Prozent der Unternehmen zum Einsatz, wie eine Studie von Monster Deutschland zeigt. „Das System lohnt sich oft nur bei einer bestimmten Menge von Bewerbungen und einem kontinuierlich hohen Personalbedarf. Für die Erstellung von Musterprofilen ist eine große Datenmenge erforderlich, über die kleine und mittlere Unternehmen in der Regel nicht verfügen“, verdeutlicht Dr. Mensching die Hintergründe. Zudem sind auch Bewerber tendenziell gegen den Einsatz solcher Systeme. Ausgefüllte Formulare geben nur wenig Möglichkeit, sich in allen Facetten zu präsentieren. Zuviel Kreativität und Individualität überfordern die Systeme oft: So könne es laut Dr. Mensching passieren, dass Symbole, Firmenlogos oder aufwendig gestaltete Layouts nicht erkannt und als Fehler wahrgenommen werden. Auch bei Rechtschreib- oder Grammatikfehlern sind die digitalen Personaler in vielen Fällen gnadenlos. Das Ergebnis: Wo der Personaler wegen eines stimmigen Gesamtbilds gerne mal ein Auge zudrückt, sortiert der Robot Recruiter derartige Bewerber schon im Vorfeld aus.

Die Zukunft ist schon da

Die HR-Digitalisierung ist bereits in vollem Gange und keine Zukunftsvision mehr, betont Dr. Mensching. Dennoch hat die Technik noch ihre Grenzen: „Auf den höheren Ebenen des Bewerbungsprozesses ist die menschliche Beurteilung weiterhin unersetzlich“, erklärt der Fachmann. Mitentscheidende Faktoren wie etwa Sympathie lassen sich eben noch nicht von einem Roboter berechnen. Zudem mache das Wesen von disruptiven Innovationen ihre Unberechenbarkeit aus, meint Dr. Mensching. Es sei daher bislang nicht absehbar, ob und wie stark das Recruiting in Zukunft automatisiert wird.

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