Data Warehouse Workloads

Oracles autonome Datenbank gibt es nur als Service

| Autor / Redakteur: Karin Johanna Quack / Nico Litzel

„Die Administratoren haben einen Migrationsschritt vor sich“, erklärt Gerhard Schlabschi, EMEA-Direktor für Cloud-Technology bei Oracle. „Sie entwickeln sich zum Daten-Manager.“
„Die Administratoren haben einen Migrationsschritt vor sich“, erklärt Gerhard Schlabschi, EMEA-Direktor für Cloud-Technology bei Oracle. „Sie entwickeln sich zum Daten-Manager.“ (Bild: Oracle)

Im Herbst 2017 auf der „OpenWorld“ angekündigt, hat Oracle die „Autonomous Database“ jetzt freigegeben – allerdings nicht für den Do-it-yourself-Betrieb. Die Datenbank-Software, die sich selbst administrieren soll, läuft entweder im Rechenzentrum des Anbieters oder als von Oracle gemanagte Lösung beim Kunden („Oracle at Customer“). Der Service für Data Warehouse Workloads ist laut Oracle der erste in einer ganzen Reihe weiterer „autonomer“ Dienste.

Sie läuft eigenständig, tunt sich selbst, sorgt für ihre eigene Sicherheit und kann sich sogar selbst reparieren. So beschreibt Oracle die autonome Datenbank, die auf der Produktversion 18c basiert. Dank solcher Fähigkeiten falle die Software allerhöchstens 150 Sekunden im Monat aus – einschließlich Wartungsarbeiten und Updates; das entspricht einer Verfügbarkeit von 99,995 Prozent. Die Administratoren würden so von Routinearbeiten befreit, die bislang den größten Teil ihrer Arbeitszeit verschlingen. Sie könnten sich endlich intensiv um die Anfragen des Business kümmern.

„Diese Anfragen benötigen heute oft Monate“, erläutert Gerhard Schlabschi, EMEA-Direktor für Cloud-Technology. Das liege zum Teil daran, dass die Unternehmen häufig heterogene Systeme betrieben, die nur mit viel Aufwand am Laufen gehalten werden können. Da bleibe den Administratoren kaum noch Zeit für geschäftsrelevante Aufgaben.

Eingebauter Machine-Learning-Algorithmus

Mit diesem Datenbank-as-a-Service-Angebot stellt Oracle eine klar umrissene und kontrollierte Umgebung zur Verfügung, in die der Kunde seine Daten übertragen kann. Erwartungsgemäß handelt sich dabei um Oracles „Exadata“-Systeme; Hardware und Software sind hier optimal aufeinander abgestimmt, was per se einen Performance-Vorteil bietet. Die Server stehen in den Oracle-Rechenzentren im Raum Frankfurt am Main oder auch vor Ort beim Kunden, wo sie jedoch vom Anbieter betrieben werden.

Der Service wird derzeit nur für Analyse-Datenbanken angeboten, soll aber im Laufe des Jahres noch für OLTP (Online Transaction Processing) zur Verfügung stehen, später dann auch für NoSQL- und Graph-Datenbanken. Wer heute schon Oracle-Services aus der Cloud bezieht, braucht sich um die Migration nicht zu kümmern.

Laut Schlabschi lassen sich mit der autonomen Datenbank „in Minuten“ neue Data-Warehouse-Anwendungen bereitstellen. Das bewerkstellige eine Software-Schicht oberhalb des eigentlichen Datenbank-Management-Systems – oder genauer: der dort eingebaute Machine-Learning-Algorithmus.

Die Datenbank-Software arbeitet also nicht heuristisch, die Optimierung gehorcht keinen festen Regeln. Vielmehr „lernt“ die Software, Abfragemuster zu erkennen, und findet Lösungsmodelle, die schon einmal funktioniert haben; die Ergebnisse bewertet sie, und mithilfe einer Feedback-Schleife kann sie die Abfragen dann immer weiter perfektionieren.

Dazu benötigt der Algorithmus allerdings eine große Menge an Beispieldaten. Mit anderen Worten: Je mehr Kunden Oracle für seinen Service gewinnt, desto besser wird das Software-Tuning. Wie viele Anwender bereits von den herkömmlichen Cloud-Services auf die autonome Datenbank umgestiegen sind, verrät Oracle nicht. Einer der Betatest-Anwender war der ehemalige Telefonauskunftsdienst 11880.de („Hier werden Sie geholfen“), der heute Verzeichnisse unterschiedlicher Art sowie Marktanalysen anbietet.

Security-Patches ohne händisches Eingreifen

Die Software kann sich aber nicht nur selbst tunen, so Schlabschi weiter. Sie sei auch in der Lage, Sicherheitsbedrohungen von innen und außen besser abzuwehren als ein manuell administriertes System. Wie der europäische Cloud-Direktor erläutert, kann das System ohne Eingriff des Administrators die jeweilige Umgebung überwachen und Alarm schlagen, falls es etwas Ungewöhnliches entdeckt.

Alle drei Monate spielt die Datenbank die anstehenden Security-Patches auf – automatisch und „rollierend“, also ohne Downtime, wie Oracle beteuert. Die Verschlüsselung aller übermittelten Daten sei voreingestellt und damit „always on“. Für die nähere Zukunft hat der Anbieter darüber hinaus einen Maskierungsmechanismus vorgesehen, der besonders kritische Daten für bestimmte Anwender oder Workloads unkenntlich macht.

Selbstständige Reparatur bei Ausfällen und Irrtümern

Last, but not least, sei die autonome Datenbank in der Lage, so Oracle, auch den Ausfall einer Komponente oder einen Anwenderirrtum in so kurzer Zeit zu kompensieren, dass keine Performance-Einbußen aufträten. Die Daten seien dreifach gespiegelt und auf zwei Technologien vorgehalten; jede Nacht erstelle das System selbstständig ein Backup. So ließen sich ausgefallene Komponenten rasch durch funktionierende ersetzen oder auch das gesamte System mit wenig Aufwand auf einen früheren Stand zurückfahren.

Auch für die Selbstreparatur komme Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz, führt Schlabschi aus. Die Software könne Fehlfunktionen und Irrtümer erkennen, eine Statistik darüber erstellen und damit ein KI-Diagnose-Tool füttern, um die Wurzel des Übels zu suchen. Da die Service-Kunden alle dieselbe Infrastruktur nutzen, sind Datenbank-immanente Probleme universell. Das heißt, sie lassen sich für alle Anwender gleichzeitig patchen, ergänzt der Oracle-Manager.

Der Admin wird zum Daten-Manager

Wie das Marktforschungsunternehmen IDC bestätigt, wenden die Unternehmen drei Viertel der Datenbank-Management-Kosten für die Arbeitszeit der Administratoren auf. Laut Oracle lassen sich 80 Prozent dieser Kosten mit der Softwareautomatisierung einsparen. Die Runtime-Kosten könnten sogar um 90 Prozent gesenkt werden, weil der Kunde nur für Ressourcen zahle, die er aktuell benötige.

Was für die Unternehmen eine gute Nachricht ist, beunruhigt viele Oracle-Administratoren. Sie sehen jetzt ihre Felle davonschwimmen; das belegen zahlreiche Online-Kommentare auf die Ankündigung der autonomen Datenbank im Herbst 2017. Das über Jahre gewonnene Know-how der Administratoren werde nun obsolet, so deren Befürchtung.

Schlabschi will das gar nicht leugnen. „Die Administratoren haben einen Migrationsschritt vor sich“, bestätigt er: „Sie entwickeln sich zum Daten-Manager.“ Der Oracle-Service könne nur die repetitiven Aufgaben des Administrators erledigen. Daten und die Abfragen blieben Sache des Kunden: „Das Unternehmen muss verstehen, was die Daten bedeuten und welche Daten es braucht. Das Erkennen und Auswerten von Mustern lässt sich nicht automatisieren.“

Die autonome Datenbank ist erst der Anfang

Mehr als sechs Milliarden US-Dollar hat Oracle im vergangenen Jahr für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Ein Großteil davon dürfte das Thema „autonome Services“ verschlungen haben. Trotzdem wird sich der Anbieter nicht lange auf dem Lorbeer des Alleinstellungsmerkmals ausruhen dürfen. „Andere Anbieter werde ihre Angebote wahrscheinlich mit ähnlichen Fähigkeiten ausstatten“, schreibt IDC in einer von Oracle veröffentlichten „Perspective“.

So entwickelt Oracle denn auch schon weitere autonome Services. Auf der Roadmap stehen Services für die Anwendungsentwicklung (zum Beispiel Security-Handhabung im Entwicklungscode sowie selbstlernende Bots), für die Integration von Services und Daten (sich selbst definierende Data-Flows und intelligente Datenprofile), für Analytics (Datenentdeckung und -aufbereitung sowie Visualisierung und Narration) sowie für Security & Management (vorausschauende Kontrolle sowie automatische Pflege des Performance- und Security-Monitoring).

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