Nachbericht Opentext Innovation Tour

Opentext verbessert Informationsmanagement durch KI

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Nico Litzel

„Bisher ist aus jedem Rationalisierungsschub und jeder Generierung neuen Wissens neue Arbeit entstanden“, Muhi S. Majzoub, Executive Vice President Engineering and Information Technology bei Opentext.
„Bisher ist aus jedem Rationalisierungsschub und jeder Generierung neuen Wissens neue Arbeit entstanden“, Muhi S. Majzoub, Executive Vice President Engineering and Information Technology bei Opentext. (Bild: Rüdiger)

Opentext gehört zu den Marktführern im Bereich Enterprise Information Management. Den aktuellen technischen Trends entsprechend, ergänzt der Hersteller sein Angebot nun verstärkt durch intelligente analytische Algorithmen, Sicherheitsfeatures und modernisiert seine Plattformarchitektur.

Opentext wird von einschlägigen Marktforschungsunternehmen im Bereich Enterprise Information Management ganz oben angesiedelt – in Gartners aktuellem Magic Quadrant zu der Branche residiert die Softwareschmiede beispielsweise gemeinsam mit Microsoft im Leaders-Viertel, der Rest der Anbieter folgt in weitem Abstand.

Man durfte also durchaus gespannt sein, was der Anbieter seinen rund 700 angereisten Kunden anlässlich der Opentext Innovation Tour in einem Vorort von München präsentieren würde. Immerhin sollen die Neuerungen ja dazu beitragen, das vor rund 25 Jahren gegründete Unternehmen mit mittlerweile rund 13.000 Mitarbeitern bis 2020 auf einen weltweiten Umsatz von mindestens 4,5 Milliarden US-Dollar wachsen zu lassen. 2015 waren es noch drei Milliarden Dollar.

Die Schlüssel zu mehr Umsatz sieht Opentext, technologisch betrachtet, wie derzeit die gesamte Branche in vier Bereichen: mehr Sicherheit, modernere, Cloud-basierte Architektur, IoT und vor allem – sozusagen als Basis all dessen – mehr Intelligenz. Diese soll, beispielsweise in Gestalt des Analytik-Tools Magellan, das seit neun Monaten verfügbar ist, in die gesamte Produktpalette integriert werden.

Magellan = Nstein + Actuate

Magellan entstand im Lauf der vergangenen Jahre aus den Technologien, die Opentext bei der Akquise zweier Firmen einkaufte. So erwarb der Softwarehersteller die kleine kanadische Firma Nstein, die eine Technologie zur semantischen Content-Analyse von Dokumenten entwickelt hatte. „Man schiebt das Dokument rein und die Software erkennt das Thema des Dokuments und erstellt eine Zusammenfassung des Kontextes“, erklärt Muhi S. Majzoub, Executive Vice President Engineering and Information Technology. Das Werkzeug arbeitet derzeit in Italienisch, Französisch, Spanisch, Englisch und Portugiesisch.

Außerdem akquirierte Opentext Actuate. Dieses Unternehmen hatte zuvor wiederum Quintarion gekauft. Von Quintarion stammt die Softwarelösung BDA (Big Data Analytics), eine proprietäre Lösung für den im Namen genannten Zweck. BDA erlaubt das Vermischen unterschiedlicher Datenquellen, zum Beispiel auch von SAP-Daten, und ist im Stande, Prognosen zu erstellen. Actuates Stärke liegt in Themen wie dem Erstellen von Metriken und Charts.

Gemeinsam bilden diese Zukäufe die Basis für Magellan. Die Basis für das Gesamtsystem sind inzwischen die Open-Source-Lösungen Hadoop und Spark aus der Apache-Foundation: Die Daten werden in Spark gespeichert, von BDA analysiert und anschließend von Magellan in Dashboards und Ähnliches umgesetzt. Auch Daten aus öffentlichen Web-Quellen kann Magellan in die Analysen einbeziehen. Einige analytische Algorithmen bringt Magellan bereits mit.

OpenText positioniert sich auf dem KI-Markt

Künstliche Intelligenz

OpenText positioniert sich auf dem KI-Markt

19.07.17 - Auf der Enterprise World 2017 veröffentlichte OpenText, Anbieter von Lösungen für Enterprise Information Management (EIM), seine neue KI-Plattform Magellan. lesen

Auch im Sicherheitsbereich werden KI-Techniken eingesetzt, um Dokumente vor Missbrauch oder Diebstahl zu schützen: Intelligente Software scannt beispielsweise ständig die Zugriffsmuster auf die Dokumente, stellt fest, ob sich Anwender auffällig verhalten und kann notfalls auch Anwenderkonten in Quarantäne stellen, wenn vermutet wird, dass die Anwender mit ihren Rechten Schindluder treiben. Laufendes Fehlverhalten direkt abzublocken funktioniert noch nicht, doch ist das Ziel, so Majzoub, große, auffällige Downloads in Zukunft einfach auszubremsen, bis klar ist, dass nichts Unerlaubtes geschieht.

Mike Barrenechea, CEO und CTO von Opentext, erklärt die Bedeutung und Konzeption des übergreifenden KI-Tools Magellan.
Mike Barrenechea, CEO und CTO von Opentext, erklärt die Bedeutung und Konzeption des übergreifenden KI-Tools Magellan. (Bild: Rüdiger)

Sicherheit sieht der Hersteller als das derzeit wichtigste Thema bei der Weiterentwicklung seiner Lösungen und Services, von denen der Anbieter auf seiner eigenen Cloud derzeit im Rahmen seines Business Network sechs im Angebot hat. Laut CEO und CTO Mark Barrenechea stecken mehr als 1.000 Sicherheitsfeatures in der aktuellen Version Opentext 16 Rel. 4 und es sollen ständig mehr werden. So etwa wurde die Technologie von Recommind, einem Zukauf vor anderthalb Jahren, integriert. Sie unterstützt die Analyse großer Filemengen auf spezielle Dokumente, die man etwa braucht, um etwa einen Rechtsbruch zu belegen.

Mit Banff ins Zeitalter der Mikroservices

Das für die nächste Produktversion, Rel. 5, vorgesehene neue Plattformdesign von Opentext, Banff, basiert zeitgemäß vollständig auf Microservices. Mit dieser Version soll es auch erheblich einfacher werden, analytische Algorithmen für Magellan zu schreiben. Heute braucht man dazu Kenntnisse in der Statistik-Sprache R, Python oder Scalar. Als nächster Schritt ist eine Selbstbedienungsplattform geplant, die die nötigen Parameter abfragt und dann selbstständig in Algorithmen umsetzt. Das wird aber nur für einfachere analytische Aufgaben funktionieren. Irgendwann soll die App-Entwicklungsplattform AppWorks, die Apps für alle Endgeräte entwickeln hilft und sie mit Opentexts EIM-Softwareinfrastruktur verbindet, auch für Magellan verfügbar sein. Denn Magellan soll irgendwann den analytischen Überbau für alle Opentext-Produkte einschließlich documentum bilden. Letzteres wird vorläufig weiter unterstützt und auch weiterentwickelt.

Ein weiterer, recht neuer Zukauf, Covisint, ermöglicht zusammen mit xECM (Extended ECM) den Einstieg in den IoT-Markt. Covisint stellt IoT-Gateways her. xECM besitzt zahlreiche APIs und wird ständig um neue erweitert, um die Daten der unterschiedlichsten Datenproduzenten, die in allen möglichen Formaten generiert werden, einlesen beziehungsweise in die angeschlossenen Enterprise-Lösungen, etwa SAP, übergeben zu können.

Covisint-Akquise ermöglicht den Einstieg in den IoT-Markt

Damit hat sich Opentext in einen vollkommen neuen Markt eingekauft. So steckt Covisints Technologie beispielsweise hinter den Sicherheits- und Kommunikationsfunktionen in Hyundai- und General-Motors-Fahrzeugen. Mit dem deutsch-chinesischen Roboterbauer Kuka ist man zusammen mit dem Integrator Complon dabei, Roboter zu befähigen, durch Sensorik und Intelligenz selbst zu diagnostizieren, wenn sie der Wartung bedürfen. Sie sollen dann eine entsprechende Meldung abgeben, die die Zuständigen in der Kuka-Zentrale in Bewegung setzt, bevor das Problem eskaliert.

Im Übrigen präsentierte Mark Barrenechea stolz die Fortschritte der KI: Man könne heute ganz ohne menschlichen Eingriff bereits menschliche Organe aus dem 3D-Drucker holen und ganze Fahrzeugfabriken ohne Menschen betreiben. Diese Perspektive ergänzte sein Talk-Partner Otto Gies, Vice President Digitalisierung beim verteidigungstechnischen Unternehmenszweig des Airbus-Konzerns, durch die Aussage, der Übergang zur Fabrik ohne Produktionsmitarbeiter sei in fünf Jahren geschafft. Für die Mitarbeiter in der Produktion, die ihre Arbeit verlieren würden, sei das sicher schwierig. Aber das sei ein Problem, das die Politik lösen müsse.

Etwas optimistischer sieht die von vielen prognostizierte menschliche Obsoleszenz Muhi S. Majzoub. Er meint: „Wir werden keine Jobs verlieren, sondern die Menschen werden einfach etwas anderes lernen. Sie sind schließlich sehr lern- und anpassungsfähig. Bisher ist mit jedem Rationalisierungsschub und aus jeder Generierung neuen Wissens neue Arbeit entstanden, und so wird es auch diesmal sein.“

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45255972 / Analytics)