Kommentar von Benedikt Höck, KPMG Financial Services KI – so arbeiten Mensch und Maschine sinnvoll zusammen

Von Benedikt Höck 4 min Lesedauer

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In vielen Finanzinstituten wird bereits multimodale Künstliche Intelligenz (KI) genutzt. Sie verarbeitet unterschiedliche Datentypen und entwickelt so ein besseres Verständnis für Inhalt und Kontext. Doch die Evolution der Technologie geht weiter. Die nächste Stufe: KI-Agenten, die in der Lage sind, eigene Lösungswege zu entwickeln. Das ist ein nächster Entwicklungsschritt auf dem Weg zur hybriden Belegschaft aus Mensch und Maschine.

Der Autor: Benedikt Höck ist Head of Artificial Intelligence für KPMG in Deutschland(Bild:  KPMG)
Der Autor: Benedikt Höck ist Head of Artificial Intelligence für KPMG in Deutschland
(Bild: KPMG)

Seit Februar 2025 steht fest: Unternehmen sollten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine KI-Kompetenz vermitteln. Das ist durch den EU AI Act vorgeschrieben. Betroffen sind alle Akteure, die KI-Systeme nutzen oder anbieten. Die Kompetenz soll den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über wiederkehrende Schulungen und Fortbildungen vermittelt werden. Rechtlich heikel wird es gerade dann, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter KI unerlaubterweise nutzen. Und das machen laut einer Studie von Microsoft und LinkedIn ungefähr 71 Prozent der Belegschaft in deutschen Unternehmen.

Allein dieser Umstand sollte Unternehmen dazu bringen, ihre Mitarbeiter in KI zu schulen. Doch es wäre zu kurz gedacht, den AI Act bloß als ein weiteres regulatorisches Framework anzusehen. Denn breit verankerte KI-Kompetenz legt nicht nur den Grundstein für einen sicheren, sondern auch produktiven Umgang mit der Technologie. Unternehmen sorgen so dafür, dass sie im Angesicht der rasend schnellen Entwicklung auf diesem Feld nicht ins Stolpern geraten. Positiv formuliert: Sie tragen heute zum Unternehmenserfolg von morgen bei.

Multimodale KI – der Blick über den Daten-Tellerrand

Seit dem Durchbruch von ChatGPT Ende 2022 hat sich die Entwicklung von KI in einem deutlich beschleunigten Tempo vollzogen. Der von OpenAI entwickelte Chatbot löste einen globalen Boom aus und setzte neue Maßstäbe für menschenähnliche Sprachverarbeitung und intuitive Interaktion. Innerhalb weniger Monate folgte eine Innovation auf die nächste. Der Markt wurde schnell mit neuen Anwendungen erweitert.

Schnell waren ChatGPT und andere KI-Modelle wie Gemini oder Claude in der Lage, nicht nur Text, sondern auch Bilder und gesprochene Sprache zu verarbeiten – und zu erzeugen. Solche multimodalen KI-Modelle können unterschiedliche Datentypen miteinander kombinieren und entwickeln so, im Vergleich zu klassischen Systemen, ein tieferes Verständnis für die zu verarbeitenden Inhalte und deren Kontexte.

Der Unterschied zwischen beiden Modellen lässt sich an einer Finanz-KI veranschaulichen: Ein monomodales System greift auf Finanzdaten von Unternehmen zurück und ergänzt diese um weitere Wirtschafts- und Industriedaten. Sie sind Grundlage für Risikoanalysen oder Finanzprognosen. Eine multimodale KI verfügt über einen größeren „Datenhorizont“. Dieser kann zum Beispiel Satellitenbilder, Grafiken oder Diagramme einbeziehen. Auch Finanzpodcasts oder Vorstandsreden können relevante Quellen sein. Vorhersagen auf dieser Basis berücksichtigen eine größere Datenvielfalt und können komplexe Zusammenhänge besser abbilden.

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Multimodale KI erzielt jedoch nicht nur differenziertere Ergebnisse. Sie erweist sich auf der Arbeit im Vergleich zu beispielsweise rein textbasierten Modellen auch als der bessere Umgang. So ermöglicht es multimodale KI, mit Computern ähnlich zu kommunizieren wie mit Menschen. Nutzende können nicht nur ihre Frage eintippen, sondern auch einsprechen. Sie können ihr Bilder zeigen. Selbst Mimik und Gestik sind potenzielle Kommunikationskanäle. Die Vorstellung vom Computer als echten Kollegen wird somit fast schon real.

Die nächste Evolutionsstufe deutet sich nun mit sogenannten KI-Agenten an. Sie sind in der Lage, Aufgaben nicht bloß automatisiert zu erledigen, sondern autonom, proaktiv und intelligent. Im Gegensatz zu bisherigen KI-Systemen, die nur auf direkte Eingaben reagieren, können sie eigenständig Entscheidungen treffen, mit digitalen Umgebungen interagieren und komplexe Abläufe selbstständig steuern. Damit könnte sich in naher Zukunft eine Neuausrichtung vollziehen – vom passiven Tool zum autonomen, intelligenten Partner.

Wo Mensch und Maschine sich treffen

Der Begriff der „hybriden Belegschaft“ würde dadurch eine Bedeutungserweiterung erfahren. Er bezeichnet nicht länger nur ein Arbeitsmodell, das Präsenz- und Remote-Arbeit kombiniert, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen menschlichen und KI-basierten Mitarbeitern. Dabei bleibt der Mensch im Zentrum der Kundenbeziehung. Der virtuelle Partner verbleibt im Hintergrund. Möchte ein Kunde zum Beispiel einen Immobilienkredit beantragen, analysiert die KI automatisch alle relevanten Kundendaten, prüft die Bonität, bewertet die Immobilie, zieht aktuelle Marktdaten heran und erstellt verschiedene Kreditvorschläge. All das, während der Mensch vor dem Bildschirm Fragen beantwortet und Missverständnisse ausräumt.

Doch damit das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine stimmt, kommt es nicht allein auf die Fähigkeiten der KI an. Auch der menschliche Analyst, Kundenberater, Risikomanager oder Backoffice-Mitarbeiter muss seinen Beitrag leisten. Der EU AI Act wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Zum einen schafft die Verordnung einen verbindlichen Rechtsrahmen, der für Sicherheit und Transparenz im Umgang mit KI sorgt. Gleichzeitig verpflichtet sie Unternehmen zu Schulungen und Weiterbildungen mit dem Ziel, eine KI-Kompetenz (engl. AI Literacy) zu vermitteln. Diese umfasst Fähigkeiten, Kenntnisse und das Verständnis, die es allen Beteiligten – also Anbietern, Betreibern und betroffenen Personen – ermöglichen, KI-Systeme sachkundig einzusetzen und sich der Chancen, Risiken und möglicher Schäden bewusst zu sein.

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Die synergetische Beziehung zwischen Mensch und Maschine wird die Zukunft der Arbeit mitgestalten. In dieser Zukunft bringt der Mensch seine Stärken in Kreativität, Empathie und strategischem Denken ein. Künstliche Intelligenz übernimmt repetitive Aufgaben und sorgt für effizientere Arbeitsprozesse. Letztlich ist der Weg zur hybriden Belegschaft eine spannende Reise, die Chancen für Wachstum und Erneuerung bietet. Wenn Unternehmen mutig voranschreiten und die Herausforderungen annehmen, werden sie in der Lage sein, das volle Potenzial von Mensch und Maschine auszuschöpfen.

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