Kommentar von Markus Marsch, SAP Wie Führungskräfte KI-Kompetenz nachhaltig aufbauen können

Von Markus Marsch 5 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz (KI) verspricht Unternehmen enorme Wettbewerbsvorteile, doch der Weg zur effektiven Nutzung erfordert eine sorgfältige Vorbereitung. Damit ändert sich auch die Rolle von Führungskräften: Sie müssen nicht nur KI-Tools bereitstellen, sondern die Belegschaft nachhaltig und verantwortungsbewusst zur Integration von KI befähigen.

Der Autor: Markus Marsch ist Global Head of Go-To-Market Execution bei SAP(Bild:  SAP)
Der Autor: Markus Marsch ist Global Head of Go-To-Market Execution bei SAP
(Bild: SAP)

Künstliche Intelligenz revolutioniert die Geschäftswelt und stellt Führungskräfte vor neue Herausforderungen. Eine Studie von Kearney und Egon Zehnder aus dem Jahr 2024 offenbart ein paradoxes Bild: 85 Prozent der befragten Führungskräfte weltweit sehen in KI mehr Chancen als Risiken für ihr Unternehmen. Gleichzeitig glauben jedoch nur 20 Prozent, ihre Organisation sei für die bevorstehende KI-Disruption gewappnet.

Diese Diskrepanz zwischen Optimismus und tatsächlicher Vorbereitung unterstreicht die Notwendigkeit, KI-Kompetenzen auszubauen und eine klare Strategie zu entwickeln. Der Führungsebene kommt hierbei eine zentrale Rolle zu: Laut der Studie sehen fast 90 Prozent der Führungskräfte in Organisationen, die sich auf die KI-Disruption vorbereitet fühlen, das Führungsverständnis als Hauptgrund für ihre KI-Readiness. Umgekehrt geben mehr als die Hälfte der Führungskräfte in unvorbereiteten Organisationen an, dass ein Mangel an Führungsverständnis zur fehlenden KI-Bereitschaft beiträgt.

Führungskräfte als Schlüssel zur KI-Transformation

Moderne Unternehmensleitung erfordert ein tiefes Verständnis dafür, wie KI Entscheidungen beeinflusst und Geschäftsmodelle transformiert. Eine klare KI-Strategie ist unerlässlich, um den digitalen Wandel aktiv zu gestalten und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dazu gehört auch ein rollenbezogenes KI-Schulungsprogramm für Führungskräfte.

Bei SAP konzentrieren wir das Qualifikationsangebot auf Leadership-Ebene beispielsweise auf den strategischen Umgang mit KI, ethische Richtlinien sowie Entscheidungsprozesse. Spezielle Trainingsprogramme fördern eine „AI-first“-Denkweise und rüsten Führungskräfte für die Herausforderungen und Chancen der KI-Transformation.

Teams erfolgreich mitnehmen

Führungskräfte stehen vor der anspruchsvollen Aufgabe, technologische Veränderungen nicht nur zu managen, sondern ihre Teams aktiv einzubeziehen. Sie sollten eine Kultur des kontinuierlichen Lernens und verantwortungsbewussten Umgangs mit KI fördern. Denn gerade zu Beginn führen neue Technologien oft zu Unsicherheiten – sei es aus Angst vor Jobverlust, fehlendem Verständnis oder der Annahme, KI sei nur ein kurzfristiger Hype. Nur wer Technologie und Mitarbeiterentwicklung gleichermaßen im Blick hat, wird im KI-Zeitalter langfristig bestehen.

Ganzheitliche KI-Kompetenz: Mehr als nur Prompting

Eine solide KI-Wissensbasis für alle Mitarbeiter ist entscheidend. Viele Unternehmen fokussieren sich in der Fortbildung jedoch vornehmlich auf generative KI und Prompting. Diese sind ohne Zweifel wichtig, doch gerade in datenintensiven Einsatzbereichen liegt die Stärke von KI eher im Bereich der Mustererkennung als der Generierung von Inhalten. Hierzu gehören beispielsweise Predictive Analytics für Prognosen, Bedarfsplanung und Risikobewertung, Prozessautomatisierung zur Optimierung von Workflows und Entscheidungsprozessen, Machine Learning für Klassifikation, Clustering und Empfehlungssysteme sowie Optimierungsverfahren für Lieferketten, Ressourcenmanagement oder Zeitplanung. Ebenso wichtig sind Methoden der Anomalieerkennung, etwa für Betrugserkennung, Systemüberwachung und Qualitätssicherung.

Diese vielfältigen Einsatzbereiche verdeutlichen, dass KI-Kompetenz im Unternehmen ein breites Spektrum an Fähigkeiten und Wissen erfordert und deshalb breiter gedacht werden muss. Es bedarf eines umfassenden Kompetenzrahmens, der die Entwicklung technischer Fähigkeiten, die praktische Umsetzung im Arbeitsalltag sowie Beratungs- und Change-Management-Kompetenzen umfasst. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen nicht nur zur souveränen Bedienung von KI-Tools befähigt, sondern auch in die Lage versetzt werden, KI-gestützte Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört, die von KI-Systemen generierten Erkenntnisse richtig zu interpretieren und diese jeweils passgenau in den unterschiedlichen Fachbereichen anzuwenden. Ebenso zentral ist das Verständnis dafür, wann und wie der Einsatz von KI tatsächlich den größten geschäftlichen Mehrwert schaffen kann. Darüber hinaus gewinnt die sogenannte kollaborative Intelligenz an Bedeutung – die Fähigkeit, im Arbeitsalltag effektiv mit KI-Systemen zusammenzuarbeiten.

Kurz gesagt: eine KI-Strategie muss darauf abzielen, den Übergang von abstraktem KI-Wissen zu gelebter, praxisnaher Kompetenz zu schaffen und so Lernen und Arbeiten zugleich grundlegend weiterzuentwickeln.

Ethische Richtlinien und Verantwortung

Jenseits der reinen Anwendungsebene ist ein solides Wertefundament unerlässlich. Verbindliche Programme zu ethischen Richtlinien im Umgang mit KI bilden die Grundlage für verantwortungsbewusstes Handeln. Gleichzeitig sind Schulungen im kritischen Umgang mit der Technologie unabdingbar: Große Sprachmodelle beispielsweise neigen dazu, Informationen zu „halluzinieren“ und können falsche Antworten mit der gleichen Überzeugung wie richtige präsentieren. Mitarbeiter müssen daher die Grenzen der KI kennen und lernen, deren Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.

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Nachhaltiger Kompetenzaufbau: Lernen als kontinuierlicher Prozess

Kompetenzaufbau in der KI-Ära ist kein einmaliges Event, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Die eigentliche Gefahr besteht nicht darin, von KI ersetzt zu werden, sondern von Kollegen überholt zu werden, die KI bereits produktiv nutzen und dadurch effizienter arbeiten. Kontinuierliches Upskilling im Umgang mit KI ist daher unerlässlich. Neben fundierten Schulungen bilden auch regelmäßige Zertifizierungen einen wichtigen Baustein für digitale Kompetenz. Sie gewährleisten, dass bestimmte Qualifikationen vorhanden sind und stets dem aktuellen Stand der technischen Entwicklung entsprechen. Wie groß der Bedarf an entsprechender Weiterbildung ist, zeigt sich an über 350.000 Lernern allein, die sich auf das SAP-Zertifizierungsprogramm für Generative-KI-Entwickler vorbereiten.

Doch KI will nicht nur gelernt sein – sie hilft auch beim Lernen. Als intelligenter Lernbegleiter kann sie Komplexität bewältigen und Wissenslücken schließen. Durch die Integration von KI-Systemen in tägliche Arbeitsprozesse – sei es für Brainstormings, Recherchen oder Meeting-Vorbereitung – können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter proaktiv auf Wissenslücken aufmerksam gemacht werden. Die Frage „Was weiß ich noch nicht zu diesem Thema?" wird so zum Lernimpuls und Produktivitätstreiber.

KI-gestütztes Lernen in der Praxis

KI-gestütztes Lernen entfaltet seinen größten Mehrwert, wenn es nicht losgelöst von der Praxis, sondern direkt im Arbeitsalltag stattfindet. Idealerweise sind solche KI-Anwendungen als integraler Bestandteil in Unternehmensprozesse und betriebliche Systeme eingebettet und ermöglichen, dass Mitarbeiter genau dann Informationen, Empfehlungen oder Unterstützung erhalten, wenn sie diese benötigen. So kann KI etwa individuelle Lernimpulse geben, gezielt Weiterbildungen vorschlagen, bei der Analyse von Daten unterstützen, Handlungsempfehlungen während komplexer Projekte liefern oder Optimierungspotenziale im Prozess aufzeigen. Auf diese Weise wird Lernen zu einem kontinuierlichen, praxisnahen Bestandteil des Arbeitens und fördert die direkte Anwendung neuer Kompetenzen im beruflichen Alltag.

Rollenbasierte Weiterbildung und personalisierte Lernpfade

Weiterbildung muss individuell an die Rolle und Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angepasst werden. KI-gestützte Systeme helfen dabei, Lernende besser zu profilieren und gezielte Daten über ihr Lernverhalten – etwa durch die Analyse von Nutzungs- und Arbeitsmustern – zu erfassen. Basierend auf der Rolle, ihrem Wissen und ihrem bevorzugten Lernstil kann eine KI ihnen dabei helfen, das passende Training auf dem richtigen Niveau zu finden.

Durch personalisierte und strukturierte Lernpfade, die auf individuellen Lernstil, Wissensstand und spezifische Fähigkeiten abgestimmt sind, ersetzt KI den klassischen „One-size-fits-all“-Ansatz. Dies steigert nicht nur Abschlussquoten und Zugänglichkeit, sondern verbessert auch die Wissensspeicherung und -anwendung erheblich.

Gelebte Unternehmenskultur

Letztlich geht es darum, KI für alle Unternehmensbereiche greifbar und anwendbar zu machen. Der Umgang mit ihr soll genauso selbstverständlich sein wie die Verwendung einer Suchmaschine – ohne Hemmschwelle, dafür mit einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein.

Führungskräfte nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein: Sie sind die Architekten der Lernkultur und Gestalter des Wandels. Durch ihre Vorbildfunktion und strategische Weitsicht können sie ihre Teams inspirieren, die neuen Technologien sinnvoll, kritisch und vor allem wertschöpfend zu nutzen.

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