Kommentar von Mario Zillmann, Lünendonk

Markt für Business Analytics und BI legt zu

| Autor / Redakteur: Mario Zillmann / Nico Litzel

Der Autor: Mario Zillmann ist Leiter Professional Services beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk, Mindelheim
Der Autor: Mario Zillmann ist Leiter Professional Services beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk, Mindelheim (Bild: Lünendonk)

Sich jederzeit und überall Transparenz über Prozesse, Kunden und Kosten zu verschaffen, ist heute eine nahezu unabdingbare Notwendigkeit für Unternehmen und Organisationen, um im Wettbewerb zu bestehen.

Kein Wunder also, dass Business Intelligence (BI) und Business Analytics bereits seit Jahren zu den Top-Themen des deutschen IT-Marktes zählen und sich auch weiterhin einer konstant hohen Nachfrage erfreuen – sind sie doch eine mögliche Antwort auf die großen Herausforderungen, denen sich die Unternehmen national und international aktuell gegenübersehen.

Viele Unternehmen sind derzeit intensiv damit beschäftigt, ihre Strategien und Geschäftsprozesse an den digitalen Wandel anzupassen und neu auszurichten. In der Konsequenz bedeutet das vor allem, dass deutlich mehr Daten entstehen. Branchen wie Handel, Touristik, Medien/Verlage oder Finanzdienstleistungen erleben sehr starke disruptive Veränderungen, die von digitalen Geschäftsmodellen von Start-ups befördert werden. Beispiele sind Zalando oder Lieferheld im Handel, Netflix für TV-Konzerne oder FinTecs für Banken.

Solche überwiegend digitalen Geschäftsmodelle bauen ihre Strategien vor allem auf Daten auf und benötigen folglich hochleistungsfähige Big Data Analytics, um Kundenverhalten sowie die Prozessperformance in Echtzeit zu messen und Ableitungen zu treffen.

Entwicklung und Vermarktung von digitalen Geschäftsmodellen

Gleichzeitig sind Unternehmen aus der „alten Welt“ mit klassischen Geschäftsmodellen gefordert, möglichst rasch auf die Disruptionen zu reagieren und digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und zu vermarkten. Dazu benötigen sie einerseits eine Masse an verfügbaren Daten über Kunden, Prozesse und Wettbewerb und andererseits entsprechende Geschäfts- sowie IT-Prozesse und -Anwendungen. Gleichzeitig generieren digitale Geschäftsprozesse wiederum mehr Daten, die gespeichert und analysiert werden müssen.

Datenanalyse gehört zu den Top-Themen des IT-Marktes

Diese Entwicklung schlägt sich in der starken Nachfrage nach Software-Anwendungen für die Auswertung digitaler Informationen deutlich nieder. Das zeigt auch unsere soeben veröffentlichte Marktstichprobe 2015 über den deutschen Markt für spezialisierte BI-Standardsoftware-Anbieter. Gegenüber 2013 haben die analysierten Unternehmen ihre Umsätze im vergangenen Jahr um durchschnittlich zehn Prozent auf 470,3 Millionen Euro gesteigert. Bei einem geschätzten Marktvolumen von 1,4 Milliarden Euro (2013: 1,3 Mrd. Euro) erreichten sie damit eine Marktabdeckung von knapp 35 Prozent. Dies Zahlen zeigen, dass die Analyse von Daten und ihre Aufbereitung zu steuerungsrelevanten Kennzahlen zu den Top-Themen des IT-Marktes gehören.

Und die Prognosen bleiben mit einem erwarteten durchschnittlichen Marktwachstum von 9,6 Prozent für 2015 und über zehn Prozent für 2016 optimistisch – begründet unter anderem mit den Herausforderungen der Kundenunternehmen beim Aufbau einer ganzheitlichen Unternehmenssteuerung, die alle Fachbereiche einschließt, sowie in der Notwendigkeit, immer größere Datenmengen auszuwerten.

Hinzu kommt: Nach wie vor werden Berichte mit Excel und ähnlichen Werkzeugen erstellt. Da die damit generierten Berichte zwar in sich konsistent sind, aber nur selten die Unternehmensrealität widerspiegeln, lösen BI-Werkzeuge sukzessive die Excel-Lösungen ab. Das heißt, die meisten Unternehmen sehen sich weiterhin großen Herausforderungen im Management Reporting gegenüber und der Grad der Softwareunterstützung im Berichtswesen ist noch längst nicht ausgeschöpft.

Kundenunternehmen planen steigende Investitionen in BI-Software

Das zeigt sich auch in den Aussagen der BI-Anwenderunternehmen, die im Rahmen der von Lünendonk zum 13. Mal durchgeführten Erhebung zu diesem Marktsegment ebenfalls befragt wurden. Laut ihren Planungen werden sich die Investitionen in BI-Software um durchschnittlich 10,4 Prozent erhöhen. Keines der untersuchten Kundenunternehmen geht von rückläufigen oder konstanten Ausgaben in diesem Bereich aus. Damit liegen das von den Anbietern prognostizierte Marktwachstum und die konkreten Investitionsplanungen der Kunden sehr nah beieinander und sind als durchaus realistisch anzusehen.

Nach Einschätzung der befragten BI-Spezialisten werden vor allem zwei Markttrends ihren Geschäftserfolg in nächster Zeit bestimmen: Self-Service-BI und Business Analytics/Predictive Analytics. Neben diesen beiden Top-Themen gewinnen nach ihrer Ansicht Mobile BI und Big Data weiter an Gewicht und werden mittelfristig erfolgreiche Geschäftsmodelle für die Anbieter generieren. Dagegen erwarten sie bei Business Performance Management trotz der weiterhin hohen Bedeutung keine vergleichbaren Wachstumsimpulse auf dem Niveau der anderen Technologiethemen. Der Grund dafür liegt unter anderem in der bereits hohen Marktreife, bei der die Wachstumspotenziale nicht mehr so dynamisch sind.

Hohes Wachstumspotenzial im Mittelstand

Beim Blick auf die Zukunft der Branche sind sich die BI-Anbieter einig, dass der Mittelstand als Zielgruppe aufgrund der hier noch häufig eingesetzten Methode, Kennzahlen, Berichte und Reports zur Performance der Prozesse mithilfe von Excel-Listen zu erstellen, hohes Wachstumspotenzial bietet. Nach ihrer Überzeugung haben die Kundenunternehmen bis 2020 ihre Prozesse im Management Reporting so angepasst, dass Reports in Echtzeit zur Verfügung stehen. Als einen entscheidenden Punkt für den Erfolg von BI-Projekten sehen die Anbieter dabei auch eine stärkere Zusammenarbeit von Fachbereichen und IT.

So optimistisch sich die Teilnehmer der Lünendonk-Marktstichprobe zur Zukunft der Branche äußern, so zurückhaltend sind sie beim Thema Cloud. Nur 35 Prozent gehen von einer hohen Nachfrage nach BI-Lösungen aus der Cloud innerhalb der nächsten fünf Jahre aus. Dagegen halten sieben Prozent dies für unwahrscheinlich und 58 Prozent trauen sich keine klare Positionierung beim Geschäftsmodell BI-Softwarelizenz versus BI-Software-as-a-Service zu. Das deckt sich mit dem allgemeinen Trend, dass der deutsche Markt bei der Verlagerung von Know-how in die Cloud oder beim Bezug von IT-Leistungen aus der Cloud noch sehr zögerlich agiert.

Mehr über die Struktur und das Wettbewerbsumfeld des BI-Standardsoftwaremarktes enthält die in fachlicher Zusammenarbeit mit CP Corporate Planning, LucaNet, SAS und Tableau erstellte Lünendonk-Marktstichprobe 2015 „Der Markt für Business Intelligence und Business Analytics in Deutschland“. Sie steht ab sofort zum kostenfreien Download zur Verfügung.

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