DATA Storage & Analytics Technology Conference 2019

„KI ist weder gut noch böse“

| Redakteur: Nico Litzel

Thorsten Kranz, Director Analytics & Data Science bei der Comma Soft AG
Thorsten Kranz, Director Analytics & Data Science bei der Comma Soft AG (Bild: Comma Soft AG)

Die Keynote auf der „DATA Storage & Analytics Technology Conference 2019“ von Thorsten Kranz trägt den Titel „KI 2019 – ein Statusbericht aus drei Perspektiven“. Im Gespräch mit BigData-Insider gibt der Director Analytics & Data Science bei der Comma Soft AG einen Einblick in seinen Vortrag.

BigData-Insider: In Ihrer Keynote werden Sie Künstliche Intelligenz (KI) aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchten. Welche sind das?

Kranz: Künstliche Intelligenz ist zu einem viel diskutierten Thema geworden. In unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft und auch in unterschiedlichsten Abteilungen unserer Unternehmen bekommt KI derzeit einen größer werdenden Stellenwert. Durch die Diversität der beteiligten Personen entstehen auch die unterschiedlichen Blickwinkel auf das Thema.

In der oberflächlichen Betrachtung, wie sie sowohl in der allgemeinen Presse als auch in strategischen Unternehmensbereichen häufig stark vertreten ist, wird ein stark emotionalisiertes und teilweise realitätsfernes Bild von Künstlicher Intelligenz gezeichnet. Dieses bezeichne ich in meinem Vortrag plakativ als das Satellitenbild.

In den vergangenen Monaten hat die Künstliche Intelligenz aber auch andere Abteilungen erobert, wo sie bisher geringere Aufmerksamkeit genoss: In den operativ arbeitenden Fachbereichen findet KI immer mehr Bereiche, in denen sie echte Mehrwerte stiften kann. Hier wird KI weniger auf der Ebene von Buzzwords diskutiert, sondern bezüglich ihrer realen Anwendbarkeit evaluiert. Diese Perspektive bezeichne ich als Augenhöhe.

Schließlich erfolgt die Implementierung von Künstlicher Intelligenz immer in IT-Systemen, in Form von Software, in der Experten unterschiedlichste mathematische Modelle und Algorithmen umsetzen. Das ist einerseits der Kern von KI, andererseits auch immer die „letzte Meile“, bei der noch Einiges schief gehen kann. Diesen Blickwinkel bezeichne ich in meinem Vortrag als Mikroskop.

Ergänzendes zum Thema
 
Infos & Anmeldung „DATA Storage & Analytics Technology Conference 2019“

Wie wird KI Ihrer Einschätzung nach unsere Welt in den kommenden Jahren verändern?

Kranz: Das weiß ich nicht! Und wenn wir ehrlich sind: Niemand weiß das heute. Es gibt viele denkbare Szenarien, wie die Entwicklung weitergehen kann. Diese reichen von extrem positiven Entwicklungen, in denen Maschinen uns die Arbeit erleichtern oder ganz abnehmen und neuen Wohlstand und Lebensqualität bringen bis zu den aus Hollywoodfilmen bekannten, apokalyptischen Szenarien, in denen KI das Ende der Menschheit herbeiführt. Bei dieser großen Unsicherheit bin ich aber von zwei Dingen fest überzeugt: Zum einen liegt es an uns, an jedem Einzelnen, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten. KI ist, wie jede Technologie, zunächst weder gut noch böse. Dadurch können wir in unterschiedlichsten Teilen der Gesellschaft zu einem positiven Verlauf beitragen, sei es in der Forschung, der Politik, der Bildung, der alltäglichen Arbeit oder in den Gesprächen mit Familie und Freunden. Und zweitens weisen unsere heutigen Ansätze starke Limitierungen auf. Ich gehe nicht davon aus, dass wir – basierend auf unseren heutigen Methoden wie zum Beispiel Deep Learning oder Reinforcement Learning – die ganz große KI-Revolution erleben werden. Hier Bedarf es neuer Ideen und neuer Konzepte – aber diese werden kommen, nur weiß heute niemand, wann und wo diese entstehen werden.

Welche Auswirkungen hat das auf unsere Unternehmen?

Kranz: Zunächst einmal besteht derzeit ein riesiger Bedarf, Mitarbeiter in nahezu allen Bereichen bezüglich KI und Machine Learning zu schulen. Damit meine ich keineswegs, dass jetzt alle Mitarbeiter zu Data Scientists entwickelt werden sollten – das ist weder sinnvoll noch realistisch. Vielmehr muss KI „auf Augenhöhe“ in der Breite etabliert werden, sodass Mitarbeiter die Chancen und Risiken einschätzen und mögliche Einsatzgebiete selbstständig identifizieren können. Hier liegt ein riesiges Potenzial, das jedes Unternehmen für sich nutzen sollte.

Darüber hinaus sollte jedes Unternehmen sich sehr intensiv fragen, was es durch den Einsatz von KI erreichen kann – sowohl im aktuellen Kerngeschäft, beispielsweise durch Prozessoptimierungen, als auch durch die Erschließung neuer Geschäftsfelder.

Man liest immer wieder von den fatalen Auswirkungen, wenn man hier jetzt nicht aktiv wird; hierzu habe ich eine differenziertere Meinung. Je nach Branche und Marktumfeld kann KI ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein – aber nicht für alle Unternehmen muss der Verzicht auf KI mit einem Todesurteil gleichgesetzt werden.

„KI ist weder gut noch böse“ DATA Conference 2019

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