Künstliche Intelligenz (KI) ist das neue Zauberwort im Handel. KI hier, KI da. Automatisierte Chatbots, personalisierte Produktempfehlungen, dynamische Preisstrategien – alles soll intelligenter, effizienter und gewinnbringender werden. Doch funktioniert das? Oder reden wir hier nur über einen Trend, der sich gut verkauft, aber selten die Erwartungen erfüllt?
Der Autor: Danilo Schmidt ist Gründer und CEO von Brandible
(Bild: Danilo Schmidt)
Die harte Wahrheit ist: Künstliche Intelligenz kann den E-Commerce revolutionieren – wenn sie richtig eingesetzt wird. Doch viele Unternehmen begehen Fehler, sich blind in den Hype zu stürzen. Sie implementieren Technologien, ohne zu wissen, was sie wirklich brauchen. Das Resultat? Investitionen, die sich nicht auszahlen, Systeme, die Kunden eher verwirren als begeistern, und eine Menge Frust.
KI-Mythen und die Realität im E-Commerce
Es gibt zwei Lager im Umgang mit KI. Die einen halten sie für den heiligen Gral, die anderen für einen Marketing-Gag. Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen. Nachfolgend die gängigsten Annahmen im Vergleich zwischen Theorie und Realität:
1. Chatbots ersetzen den Kundenservice komplett?
Theorie: Chatbots beantworten alle Fragen sofort, 24/7, effizienter als jeder Mensch.
Realität: Wer schon einmal mit einem schlecht programmierten Chatbot gestritten hat, weiß: Das ist weit entfernt von einer echten Lösung. Standardfragen? Ja, das geht. Aber sobald es um komplexe Anliegen oder Emotionen geht, versagt die Technik noch ab und zu. KI sollte den Kundenservice unterstützen, nicht ersetzen. Die besten E-Commerce-Unternehmen setzen auf eine Hybridlösung: Erst hilft die KI, aber wenn es knifflig wird, übernimmt ein Mensch. Das KI aber in Zukunft die Kommunikation fast allein machen wird, ist auch klar.
2. Personalisierte Produktempfehlungen steigern den Umsatz enorm?
Theorie: KI analysiert das Nutzerverhalten und liefert perfekte Produktempfehlungen, die den Umsatz explodieren lassen.
Realität: Das funktioniert – wenn die Datenbasis stimmt. Aber viele Unternehmen nutzen Algorithmen, welche zu oberflächlich arbeiten. Nur weil man sich einmal ein Paar Turnschuhe angeschaut hat, heißt das nicht, dass man wochenlang nur noch Sneaker-Werbung sehen will. Gute KI setzt auf eine tiefere Analyse: eine Kombination aus Kaufhistorie, Interessen, aktuellen Trends und dem Timing. Denn der beste Produkttipp zur falschen Zeit ist wertlos. Auf den Zeitpunkt kommt es an. Da sein, wenn der Kunde kaufen will.
3. Dynamische Preisstrategien maximieren den Gewinn?
Theorie: KI passt Preise in Echtzeit an, um die Marge zu optimieren und den Kunden trotzdem nicht zu verlieren.
Realität: Theoretisch genial, praktisch oft problematisch. Viele Systeme orientieren sich an Konkurrenzpreisen, doch ohne strategische Preisgestaltung kann das nach hinten losgehen. Wer sich nur an der Konkurrenz orientiert, landet schnell in einer Preisspirale nach unten. Wirklich erfolgreiche dynamische Preisstrategien berücksichtigen nicht nur den Markt, sondern auch die Zahlungsbereitschaft der Kunden, die Produktverfügbarkeit und saisonale Faktoren. Wer hier unüberlegt KI einsetzt, kann mehr verlieren als gewinnen. Größen wie Amazon machen das gut vor. Aber sie nutzten Ihre Daten und die des Marktplatzes, um gezielt zu arbeiten. Diesen Vorteil hat nicht jeder. Hier kann die KI wirklich einen Unterschied machen.
Statt sich von Schlagwörtern blenden zu lassen, sollten Unternehmen gezielt prüfen, wo KI echten Mehrwert bietet:
1. Automatisierte Prozessoptimierung
Ob Lagerhaltung, Retourenmanagement oder Versandoptimierung: KI kann Abläufe effizienter gestalten. Systeme, die Bestellmengen voraussagen und Lagerbestände intelligent verwalten, helfen, Kosten zu senken und Engpässe zu vermeiden. Im Rewe gibt es jetzt einen Testmarkt, bei dem man alles in den Wagen legen kann und das System weiß direkt, was man bezahlen muss. Das wird auch Anwendung im E- Commerce finden.
2. Smarte Kundenanalyse und Segmentierung
KI kann Kundenverhalten besser verstehen als klassische Methoden. Statt „neue Kunden, Stammkunden, Gelegenheitskäufer“ in starre Kategorien zu pressen, kann KI viel feiner segmentieren und erkennen, wann jemand bereit für einen Kauf ist. So lassen sich zielgenaue Kampagnen schalten, die Ads optimieren (personalisiert) und aus dem „Intent“ wird ein „Purchase“.
3. Betrugsprävention und Sicherheit
Gerade im Online-Handel sind Betrugsversuche ein echtes Problem. KI kann verdächtige Transaktionen in Echtzeit identifizieren und so Schaden verhindern. Viele Payment-Anbieter setzen bereits auf solche Systeme, um betrügerische Muster zu erkennen. Auch KI-Captcha kommen schon zum Einsatz.
4. Sprachsuche und visuelle Suche
Der klassische Produkt-Suchbalken hat ausgedient. Kunden wollen per Sprache oder Bild suchen. Systeme wie Googles „Lens“ zeigen, dass die visuelle Suche immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wer hier mitzieht, kann einen echten Wettbewerbsvorteil schaffen. Bild hochladen und die KI zeigt die Artikel, die mit dem Bild vergleichbar sind. Die Generation Alpha, also 16 Jahre und Jünger, kommuniziert fast nur noch mit Voice-Command. „Alexa such mir dies. Siri macht das. Google bestell mir Coca-Cola.“
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Fazit: Nicht jede KI ist Gold, die glänzt
Künstliche Intelligenz kann den E-Commerce revolutionieren – aber nicht jede Anwendung ist sinnvoll. Unternehmen sollten sich nicht von Buzzwords verleiten lassen, sondern gezielt nach echten Mehrwerten suchen. Statt auf die nächste KI-Sensation zu setzen, sollten Händler prüfen: Welche Probleme kann KI wirklich lösen? Wo spart sie Kosten, verbessert den Service oder steigert den Umsatz? Und wo ist sie nur ein nettes Extra ohne echten Nutzen?
Der smarte Einsatz von KI ist keine Frage der Technologie, sondern der Strategie. Und wer sich von der Masse abheben will, braucht vor allem eines: Den Mut, nicht jeden Hype blind mitzumachen, sondern mit kühlem Kopf zu entscheiden, was wirklich einen Unterschied macht.