Kommentar von Danilo Schmidt, Brandible Wie sinnvoll ist Künstliche Intelligenz im E-Commerce wirklich?

Von Danilo Schmidt 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Künstliche Intelligenz (KI) ist das neue Zauberwort im Handel. KI hier, KI da. Automatisierte Chatbots, personalisierte Produktempfehlungen, dynamische Preisstrategien – alles soll intelligenter, effizienter und gewinnbringender werden. Doch funktioniert das? Oder reden wir hier nur über einen Trend, der sich gut verkauft, aber selten die Erwartungen erfüllt?

Der Autor: Danilo Schmidt ist Gründer und CEO von Brandible(Bild:  Danilo Schmidt)
Der Autor: Danilo Schmidt ist Gründer und CEO von Brandible
(Bild: Danilo Schmidt)

Die harte Wahrheit ist: Künstliche Intelligenz kann den E-Commerce revolutionieren – wenn sie richtig eingesetzt wird. Doch viele Unternehmen begehen Fehler, sich blind in den Hype zu stürzen. Sie implementieren Technologien, ohne zu wissen, was sie wirklich brauchen. Das Resultat? Investitionen, die sich nicht auszahlen, Systeme, die Kunden eher verwirren als begeistern, und eine Menge Frust.

KI-Mythen und die Realität im E-Commerce

Es gibt zwei Lager im Umgang mit KI. Die einen halten sie für den heiligen Gral, die anderen für einen Marketing-Gag. Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen. Nachfolgend die gängigsten Annahmen im Vergleich zwischen Theorie und Realität:

1. Chatbots ersetzen den Kundenservice komplett?

Theorie: Chatbots beantworten alle Fragen sofort, 24/7, effizienter als jeder Mensch.

Realität: Wer schon einmal mit einem schlecht programmierten Chatbot gestritten hat, weiß: Das ist weit entfernt von einer echten Lösung. Standardfragen? Ja, das geht. Aber sobald es um komplexe Anliegen oder Emotionen geht, versagt die Technik noch ab und zu. KI sollte den Kundenservice unterstützen, nicht ersetzen. Die besten E-Commerce-Unternehmen setzen auf eine Hybridlösung: Erst hilft die KI, aber wenn es knifflig wird, übernimmt ein Mensch. Das KI aber in Zukunft die Kommunikation fast allein machen wird, ist auch klar.

2. Personalisierte Produktempfehlungen steigern den Umsatz enorm?

Theorie: KI analysiert das Nutzerverhalten und liefert perfekte Produktempfehlungen, die den Umsatz explodieren lassen.

Realität: Das funktioniert – wenn die Datenbasis stimmt. Aber viele Unternehmen nutzen Algorithmen, welche zu oberflächlich arbeiten. Nur weil man sich einmal ein Paar Turnschuhe angeschaut hat, heißt das nicht, dass man wochenlang nur noch Sneaker-Werbung sehen will. Gute KI setzt auf eine tiefere Analyse: eine Kombination aus Kaufhistorie, Interessen, aktuellen Trends und dem Timing. Denn der beste Produkttipp zur falschen Zeit ist wertlos. Auf den Zeitpunkt kommt es an. Da sein, wenn der Kunde kaufen will.

3. Dynamische Preisstrategien maximieren den Gewinn?

Theorie: KI passt Preise in Echtzeit an, um die Marge zu optimieren und den Kunden trotzdem nicht zu verlieren.

Realität: Theoretisch genial, praktisch oft problematisch. Viele Systeme orientieren sich an Konkurrenzpreisen, doch ohne strategische Preisgestaltung kann das nach hinten losgehen. Wer sich nur an der Konkurrenz orientiert, landet schnell in einer Preisspirale nach unten. Wirklich erfolgreiche dynamische Preisstrategien berücksichtigen nicht nur den Markt, sondern auch die Zahlungsbereitschaft der Kunden, die Produktverfügbarkeit und saisonale Faktoren. Wer hier unüberlegt KI einsetzt, kann mehr verlieren als gewinnen. Größen wie Amazon machen das gut vor. Aber sie nutzten Ihre Daten und die des Marktplatzes, um gezielt zu arbeiten. Diesen Vorteil hat nicht jeder. Hier kann die KI wirklich einen Unterschied machen.

Statt sich von Schlagwörtern blenden zu lassen, sollten Unternehmen gezielt prüfen, wo KI echten Mehrwert bietet:

1. Automatisierte Prozessoptimierung

Ob Lagerhaltung, Retourenmanagement oder Versandoptimierung: KI kann Abläufe effizienter gestalten. Systeme, die Bestellmengen voraussagen und Lagerbestände intelligent verwalten, helfen, Kosten zu senken und Engpässe zu vermeiden. Im Rewe gibt es jetzt einen Testmarkt, bei dem man alles in den Wagen legen kann und das System weiß direkt, was man bezahlen muss. Das wird auch Anwendung im E- Commerce finden.

2. Smarte Kundenanalyse und Segmentierung

KI kann Kundenverhalten besser verstehen als klassische Methoden. Statt „neue Kunden, Stammkunden, Gelegenheitskäufer“ in starre Kategorien zu pressen, kann KI viel feiner segmentieren und erkennen, wann jemand bereit für einen Kauf ist. So lassen sich zielgenaue Kampagnen schalten, die Ads optimieren (personalisiert) und aus dem „Intent“ wird ein „Purchase“.

3. Betrugsprävention und Sicherheit

Gerade im Online-Handel sind Betrugsversuche ein echtes Problem. KI kann verdächtige Transaktionen in Echtzeit identifizieren und so Schaden verhindern. Viele Payment-Anbieter setzen bereits auf solche Systeme, um betrügerische Muster zu erkennen. Auch KI-Captcha kommen schon zum Einsatz.

4. Sprachsuche und visuelle Suche

Der klassische Produkt-Suchbalken hat ausgedient. Kunden wollen per Sprache oder Bild suchen. Systeme wie Googles „Lens“ zeigen, dass die visuelle Suche immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wer hier mitzieht, kann einen echten Wettbewerbsvorteil schaffen. Bild hochladen und die KI zeigt die Artikel, die mit dem Bild vergleichbar sind. Die Generation Alpha, also 16 Jahre und Jünger, kommuniziert fast nur noch mit Voice-Command. „Alexa such mir dies. Siri macht das. Google bestell mir Coca-Cola.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Big Data, Analytics & AI

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Fazit: Nicht jede KI ist Gold, die glänzt

Künstliche Intelligenz kann den E-Commerce revolutionieren – aber nicht jede Anwendung ist sinnvoll. Unternehmen sollten sich nicht von Buzzwords verleiten lassen, sondern gezielt nach echten Mehrwerten suchen. Statt auf die nächste KI-Sensation zu setzen, sollten Händler prüfen: Welche Probleme kann KI wirklich lösen? Wo spart sie Kosten, verbessert den Service oder steigert den Umsatz? Und wo ist sie nur ein nettes Extra ohne echten Nutzen?

Der smarte Einsatz von KI ist keine Frage der Technologie, sondern der Strategie. Und wer sich von der Masse abheben will, braucht vor allem eines: Den Mut, nicht jeden Hype blind mitzumachen, sondern mit kühlem Kopf zu entscheiden, was wirklich einen Unterschied macht.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:50364256)