IFS, spezialisiert auf Business-Software für komplexe Unternehmensprozesse, setzt auf Agenten. Dabei sollen diese eher komplex als einfach sein und auch schwierige, mehrteilige Aufgaben selbst bewältigen.
IFS steigt unter anderem mit zehn digitalen Agenten in die KI-Anreicherung seiner Produktpalette ein.
(Bild: IFS)
Sebastian Spicker, Managing Director IFS DACH: „Deutschland steht bei der Umsetzung von KI-Ansätzen gar nicht so schlecht da!“
(Bild: IFS)
IFS, Anbieter von Business Software und traditionell besonders gut bei Asset-Management-Lösungen aufgestellt, informierte in München die deutsche Fachpresse über neue Produkte, Services und Strategien. Wenig überraschend drehten sich diese – wie derzeit meistens – um das Thema Künstliche Intelligenz (KI, engl. AI). IFS sieht sich fokussiert auf den Bereich Assets plus den dafür nötigen Service sowie Unternehmen mit mehr als 300 Servicetechnikern, erklärte Sebastian Spicker, Managing Director IFS DACH: „Das ist unser Sweetspot.“
Außerdem beschränke man sich ganz bewusst auf sechs Branchen. Das sind Luftfahrt und Verteidigung, Engineering und Konstruktion, Energie samt Utilitys und Ressourcen, Produktion, Telekommunikation und Dienstleistung. Dabei werden diesen Branchen jeweils für sie angepasste Lösungen angeboten.
Auf Wachstumskurs seit 2014
Bislang hat sich diese Strategie ausgezahlt: Die Firma, mit mittlerweile über 7.000 Beschäftigten, befindet sich seit 2014 in Privatbesitz. Eigentümer sind einige Investmentgesellschaften. Im Jahr der Privatisierung erwirtschaftete IFS 0,3 Milliarden Dollar Umsatz. 2024 waren es 1,23 Milliarden Dollar. IFS ist in 90 Ländern aktiv und bedient etwa 5.500 Kunden, die dem Unternehmen in der Regel langjährig treu sind.
Gegenüber dem Jahr 2023 konnte IFS seinen Cloud-Umsatz um 38 Prozent steigern. Der Anteil der jährlich wiederkehrenden Umsätze (Abos) stieg um 32 Prozent. Um weiteres Wachstum zu beflügeln, hat sich das Unternehmen inzwischen auch anderen Anbietern geöffnet, kann also zusammen mit entsprechenden SAP- oder Microsoft-Produkten eingesetzt werden.
Seit 2020 bietet IFS mit IFS Cloud seine Produkte auch als Cloud-Services an. In diesem Jahr erfolgte nun der Einstieg ins KI-Geschäft. Die dafür verwendete Marke heißt IFS.ai. Ziel ist die umfassende Automatisierung von industriellen und Dienstleistungs-Prozessen.
IFS will, so Sören Michl, Vice President AI Adoption, IFS.ai auf drei Gebieten einsetzen: erstens als Embedded-Ressource als Teil der IFS Cloud, zweitens in Form von Agenten für komplexe Aufgaben und drittens, um Innovation zu beschleunigen.
Chance für eine Verbesserung der Datenqualität
Anwender sähen, so Michl, durch KI vor allem eine Chance für eine Verbesserung der Datenqualität. „Bei einem unserer Kunden hat sich die Datenqualität durch die automatisierte Verarbeitung der Eingangsbelege um 67 Prozent verbessert“, berichtet er. Deshalb beklagen Anwender zwar oft die hohen Kosten von KI-Implementierungen. Viele wollen aber dennoch demnächst in die Technologie investieren.
Dabei ist sich Spicker sicher, dass Deutschland bei der Umsetzung von KI-Ansätzen gar nicht so schlecht dasteht, wie häufig behauptet. „Die AI steckt in vielen Prozessen und Produkten, es wird aber sehr wenig darüber gesprochen“, erklärt er. Andererseits liege die Rate der Unternehmen mit unklarer KI-Strategie noch immer sehr hoch, viele klagten über unzureichende Tools und Mitarbeiterqualifikationen.
Das KI-Engagement von IFS drückt sich auch in Akquisitionen aus: Mit der Übernahme von Copperleaf im Sommer 2024 für eine Milliarde kanadische Dollar (rund 620 Millionen Euro) kaufte IFS Ressourcen in der KI-unterstützten Asset-Bestands- und Beschaffungsplanung ein. Der Anbieter hatte eine KI-getriebene Plattform für die Entscheidungsanalyse entwickelt. Integriert in das IFS-Portfolio, sorgt diese nun beispielsweise für fundiertere Make-or-Buy-Entscheidungen.
Die Anwendungsgebiete des IFS Copilot, einer direkt in die Enterprise-Software-Plattform von IFS integrierten KI, und IFS.ai sind vielfältig: Die Tools helfen, Inhalte zu erstellen, sorgen für sinnvolle Empfehlungssysteme, verstehen kontextualisiertes Wissen, können prognostizieren und simulieren sowie Prozesse optimieren und erkennen Anomalien.
LLM nach Kundenbedarf
Ihm unterliegt ein LLM. Welches, das entscheidet IFS bei der Implementierung von Lösungen jeweils im Einzelfall. Michl: „Wir nutzen viele unterschiedliche Technologien.“ Die kundenspezifischen Lösungen werden dann jeweils durch Anreicherung mit firmenspezifischen Daten erzeugt.
Stand: 08.12.2025
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Der Copilot hat diverse Funktionsbereiche: Fertigung/Lieferkette, Service/Anlagenmanagement, Spesenabrechnung, automatische Erstellung von Kundenkontakten oder Wissenssuche, um nur einige zu nennen. Außerdem lässt er sich auch als Benutzerhilfe einsetzen. Der Einsatz des Copilots soll laut Michel die Produktivität von Mitarbeitern um 50 bis 80 Prozent je nach Anwendungsfall nach oben schnellen lassen. Copilot soll in Zukunft wie auch andere IFS-Lösungen monatlich aktualisiert werden.
Ins Reich der derzeit gehypten KI-Agenten begibt sich IFS mit seinen Digital Workers. Grundlage dafür war die Akquise von TheLoops im Juni 2025. Das Unternehmen hat eine KI-Agenten-Plattform entwickelt, die nun in die Angebote von IFS einfließt.
Was ein Digital Worker für IFS ist, definiert Michl so: „Digital Worker sind autonome Softwaresysteme und Programme, die ihre Umgebung wahrnehmen, Informationen verarbeiten, Schlussfolgerungen ziehen, Pläne erstellen, um zu entscheiden und Maßnahmen über mehrere Systeme hinweg ergreifen, um Ziele zu erreichen.“ Die Worker werden dabei vorläufig von Menschen beaufsichtigt und gegebenenfalls korrigiert. Dadurch lernen sie kundenspezifisch immer neues Prozesswissen dazu, das sie befähigt, bei ähnlichen Aufgaben bessere Entscheidungen zu treffen.
Zehn Digital Worker realisiert
IFS hat bisher zehn komplexe KI-Agenten vorgestellt.
(Bild: IFS)
Bislang wurden zehn Digital Worker realisiert: Management der Kundenbestellungen, Management der Bestellungen bei Lieferanten, Lagerbestandsmanagement, Datenanalyse des Betriebsablaufs, Rohstoffbestandsmanagement. Weitere Worker-Themen sind Analysen im Qualitätsmanagement und von vorhandenen Anlagen.
Unter der Haube der Digital Workers befindet sich jeweils ein ganzes Bündel von IFS als Tools bezeichnete Subagenten. Diese koordinieren sich jeweils aufgabenspezifisch unter Überwachung des ihnen übergeordneten Digital Workers untereinander, um ans Ziel zu kommen. Sie können Aufgaben lösen wie das Schreiben einer Mail, das Durchforsten einer Datei etc.
Das Bündel kommuniziert über die MCP-API (Model Control Protocol). Der offene De-facto-Standard wurde von Anthropic entwickelt, damit LLMs über eine einheitliche und vom Modell unabhängige Schnittstelle mit der digitalen Außenwelt kommunizieren können. Das gilt für Tools, Systeme und Datenquellen.
Externe Einflüsse in die Planung einbeziehen
Die Anwendungsmöglichkeiten der Worker sind sehr vielfältig. Einige Möglichkeiten: Lebensmittelhersteller können externe Einflüsse wie Wetter, Sentiment oder anderes in ihre Planung einbeziehen oder nicht mehr nutzbare Überschüsse reduzieren. Diese sind beispielsweise in vielen Bäckereien ein Problem.
Insbesondere im Sinne einer nachhaltigen Unternehmensführung könnten Digital Worker segensreiche Effekte erzeugen, beispielsweise, indem sie bei der nachhaltigen Beschaffung helfen oder Emissionen mit KI verfolgen. Daran ändere auch eine zeitweise je nach politischem Gusto wieder gelockerte Gesetzgebung nichts. Michl: „Firmen denken langfristig und wollen mittlerweile meistens nachhaltig werden.“
Viele Unternehmen fühlen sich mit der Konzeption für ihre Situation individuell optimierter Lösungen überfordert. Für sie gibt es mit Nexus Black jetzt ein entsprechendes Co-Creation-Dienstleistungsangebot.