Kooperation zwischen Bayerischer Staatsregierung, Forschung und Wirtschaft

„AppliedAI“-Initiative will KI in Deutschland voranbringen

| Autor / Redakteur: Karin Johanna Quack / Nico Litzel

Dr. Andreas Liebl, Geschäftsführer der UnternehmerTUM Projekt GmbH und Leiter der Initiative AppliedAI
Dr. Andreas Liebl, Geschäftsführer der UnternehmerTUM Projekt GmbH und Leiter der Initiative AppliedAI (Bild: UnternehmerTUM Projekt GmbH)

Jedes Jahr ein deutsches Start-up aus dem Umfeld der Künstlichen Intelligenz (KI) in die internationalen Top-100-Listen bringen – so lautet eines der Ziele, das sich die Initiative „AppliedAI“ auf die Fahne geschrieben hat. Unter der Ägide der Bayerischen Staatsregierung und mit Unterstützung der Technischen Universität München kooperieren 26 Forschungseinrichtungen und Konzerne.

Auf göttliche Eingebung wartet die Regierung des Freistaats Bayern – dank des trinkfreudigen Engels Aloisius – noch heute, so schrieb der Belletrist Ludwig Thoma („Ein Münchner im Himmel“) Anfang des vorigen Jahrhunderts. Auf dass es ihr mit der Künstlichen Intelligenz nicht ebenso ergehe, hat die heutige Obrigkeit die Initiative „AppliedAI“ ins Leben gerufen. Sie soll das Potenzial der Artificial Intelligence ausloten – mit internationalem Anspruch.

Bislang 26 Forschungseinrichtungen und Konzerne – darunter viele Schwergewichte aus dem IT-Bereich – haben sich zusammengefunden, um unterschiedliche KI-Disziplinen wie Deep Learning oder Machine Learning sowohl ideell als auch praktisch zu fördern. Als Katalysator fungiert „UnternehmerTUM“, das an der TU München angesiedelte, rund 200 Mitarbeiter zählende „Center for Innovation and Business Creation“. Unter den Teilnehmern der ersten Stunde sind Google, SAP, Siemens, Infineon und NVIDIA sowie Allianz, Linde, Wacker, BMW und Porsche (in Gestalt der Beratungstochter Porsche Consulting).

Konzerne bringen auch Sachleistungen ein

Finanziert wird die Initiative hauptsächlich aus öffentlichen Mitteln – im Rahmen des „Digital-Hub Mobility“, der an der TU München eingerichtet wurde. Die beteiligten IT-Konzerne bringen aber zum Teil signifikante Sach- und Know-how-Leistungen ein. Der Grafikprozessoren-Anbieter NVIDIA zum Beispiel stellt ein Hochleistungs-Computersystem zur Verfügung, dessen Marktwert im sechsstelligen Euro-Bereich liegt.

Und was haben die Unternehmen davon? Sie profitieren möglicherweise von Fördergeldern, definitiv aber vom Know-how-Austausch untereinander und mit den Wissenschaftlern von Fraunhofer bis TUM. Sicher reizt auch der direkte Zugriff auf die 100 teilnehmenden Studentinnen und Studenten, deren Kenntnisse auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt sind.

Erst einmal überlegen, wohin die Reise geht

Foto des Podiums. Von links: EMEAI-Chef Jaap Zuiderveld von NVIDIA, Staatsminister Franz-Josef Pschierer und Dr. Andreas Liebl, UnternehmerTUM
Foto des Podiums. Von links: EMEAI-Chef Jaap Zuiderveld von NVIDIA, Staatsminister Franz-Josef Pschierer und Dr. Andreas Liebl, UnternehmerTUM (Bild: Karin Quack)

Franz-Josef Pschierer, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Energie und Technologie, stellte in seiner Festrede zur Gründung der Initiative vor allem deren Bedeutung für Industrie und Gesellschaft in Bayern und ganz Deutschland heraus. „Auch unter meiner Regierung wird es kein Kontaktverbot zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik geben“, verkündete der Minister. AppliedAI sei ein gutes Beispiel dafür: eine offene, gemeinnützige und neutrale Plattform, die auch mittelständischen Firmen Beratung und technische Hilfestellung auf dem Gebiet der KI anbieten könne.

Hierzulande würden zu schnell Normen entwickelt und erst dann Überlegungen angestellt, welche Geschäftsmodelle es dafür möglicherweise gebe, so der Minister weiter. Aus seiner Sicht ist es sinnvoller, erst einmal zu überlegen, wo die Reise denn eigentlich hingehen soll.

In dieser Beziehung will AppliedAI offenbar vorpreschen: Ideen sammeln und Aufklärungsarbeit leisten, Möglichkeiten erörtern und Umsetzungen planen. Das Spektrum der Aktivitäten reicht von Ausstellungen, voraussichtlich auch in Kooperation mit dem Deutschen Museum, über die Diskussion der gesellschaftlichen Auswirkungen – vorangetrieben durch die Heinz und Heide Dürr Stiftung – bis hin zu konkreten und durchaus entgeltlichen Consulting-Leistungen für ratsuchende Unternehmen.

Start-up-Förderung als konkrete Aufgabe

Die Hauptaufgabe der Initiative ist also weder Grundlagenforschung noch Lehre. Auch die Entwicklung neuer Studiengänge sei eher Sache der Universitäten, erläuterte Dr. Andreas Liebl, Geschäftsführer der UnternehmerTUM Projekt GmbH und Leiter der Initiative AppliedAI. Eher mache man sich Gedanken über neue Geschäftsmodelle sowie Arbeitsweisen, Berufsbilder und dafür nötige Ausbildungsmaßnahmen.

Als übergreifendes Ziel hat die Initiative denn auch formuliert: Verständnis und Umsetzung von KI-Anwendungen beschleunigen oder plakativer: „Deutschland ins KI-Zeitalter bringen“. Wie Liebl verdeutlichte, arbeitet AppliedAI mit unterschiedlichen Ausbildungsanbietern zusammen, um nicht nur ein paar Studenten, sondern „mehrere Hundert“ Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer pro Jahr in Sachen KI zu schulen.

Darüber hinaus will die Initiative deutschen Startups unter die Arme greifen. Bislang sei die internationale Bedeutung junger deutscher Technologiefirmen recht überschaubar, räumte Liebl ein. Um das zu ändern, wolle AppliedAI jedes Jahr mindestens ein deutsches Start-up in die internationalen Top-100-Listen hieven – durch systematische Förderung inklusive Vermittlung von Wagniskapital. Derzeit prüfe die Initiative bereits fünf Bewerber auf ihre Eignung.

KI ist kein neuer Industriezweig

Staatsminister Franz-Josef Pschierer (links) und Dr. Liebl zusammen mit dem von einem Münchner Studenten geschaffenen Humanoid-Roboter „Roboy“
Staatsminister Franz-Josef Pschierer (links) und Dr. Liebl zusammen mit dem von einem Münchner Studenten geschaffenen Humanoid-Roboter „Roboy“ (Bild: UnternehmerTUM/Bert Willer)

Dass die Künstliche Intelligenz das Top-Thema der kommenden Jahre sein werde, daran äußerte keiner der Vertreter aus Politik und Wirtschaft irgendwelche Zweifel. Liebl zitierte dazu den Mitbegründer des „Wired“-Magazins, Kevin Kelly, mit den Worten: „Der Business-Plan der nächsten 10.000 Start-ups ist leicht vorherzusagen: Nehmen Sie einfach x und ergänzen Sie KI.“

Die Spielarten der Künstlichen Intelligenz seien keineswegs ein neuer Industriezweig, ergänzte Jaap Zuiderveld, Vice President EMEAI bei NVIDIA. Vielmehr werde die Artificial Intelligence über kurz oder lang jede Industrie durchdringen.

AppliedAI ist eine offene Initiative. Neue Partner sind durchaus willkommen, über deren Aufnahme wird jedoch unter den Mitgliedern abgestimmt, vor allem, falls es zu Konkurrenzsituationen kommt. Wer bestimmte Unternehmen, beispielsweise IBM, bei der Auflistung der Teilnehmer vermisste, erhielt von Liebl zur Antwort: „Wir sind vor drei Monaten mit Firmen gestartet, die Folgendes verbindet: Sie sind offen und denken in Ecosystemen, sie haben ein ähnliches Mindset und deshalb war eine schnelle Zusammenarbeit möglich. Mit anderen dauert es eventuell etwas länger.“

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