Kommentar von Nils Herzberg, SAP

Wie Unternehmen die Digitalisierung der Supply Chain schaffen

| Autor / Redakteur: Nils Herzberg / Nico Litzel

Der Autor: Nils Herzberg ist Senior Vice President, Global Head of Discrete Industries bei SAP
Der Autor: Nils Herzberg ist Senior Vice President, Global Head of Discrete Industries bei SAP (Bild: SAP)

Die Digitalisierung in der Supply Chain und damit deren grundlegende Veränderung sind seit einiger Zeit Thema in der Logistikbranche. Während die beteiligten Entscheider sich der anstehenden Aufgaben wohl bewusst sind, zeigt sich jetzt, während der Hype sich legt, dass die praktische Umsetzung in den Unternehmen nur zögerlich vorangeht

Das behauptet zumindest das „8. Hermes Barometer“. Demnach sind 42 Prozent der Befragten in der Branche von der Notwendigkeit zur Digitalisierung in der Lieferkette überzeugt, über eine konkrete Strategie verfügen jedoch erst 27 Prozent der befragten Logistikentscheider – und Digitalisierung erfolgreich umgesetzt haben jedoch erst acht Prozent der Unternehmen. Dieselben Entscheider zeigen sich an Themen wie selbstlernenden Systemen (Machine Learning) oder der Blockchain-Technologie höchst interessiert.

Woran liegt die zögerliche Umsetzung in der Praxis? Der Hamburger Beratungsspezialist IoT Analytics hat seine IoT-Beratungen analysiert und kam zum Schluss, dass sechs Schlüsselfaktoren über den Erfolg oder Misserfolg von IoT-Projekten entscheiden:

  • Mensch: Die nötigen organisatorischen und unternehmenskulturellen Maßnahmen werden meist unterschätzt. Die Einstellung der beteiligten Menschen muss durch Workshops und Schulungen verändert werden
  • Zeit: IoT-Projekte dauern oft länger als erwartet. Im Schnitt gehen Projekte über 18 Monate und länger.
  • Wissen: Das notwendige Wissen ist meist intern noch nicht vorhanden. Eine neue Kombination von Wissen rund um Hard- und Software und Daten-Expertise wird benötigt.
  • Konnektivität: Probleme der Interkonnektivität zwischen den Systemen sind ein Hauptgrund für die Komplexität von solchen Projekten.
  • Wachstum: Die Skalierbarkeit kommt bei manchen Lösungen unerwartet an ihre Grenzen, wenn plötzlich tausende von Geräte eingebunden werden sollen. Dabei hapert es an der Hardware, auch veralteter Legacy-Hardware, und Datenmodellen, die alles zu sehr verlangsamen.

Erfolgreich starten

Wie lässt sich also ein IoT-Projekt erfolgreich starten und auf einen soliden Weg bringen? Was Wissen, Konnektivität und Wachstum anbetrifft, so hilft die sorgfältige Auswahl eines oder mehrerer Projektpartner mit solider Erfahrung, diese Problemfaktoren auszumerzen. Beim Faktor Zeit nimmt eine realistische Abschätzung der Dauer zusammen mit den Partnern den Druck aus dem Projekt. Wenn man sich mit der Dauer komplett verschätzt hat, dann ist Folgendes passiert: Das Team hat dem Projekt ein Bein gestellt. Wichtige Stakeholder wollen oder können nicht bei der Umsetzung helfen. Nicht umsonst steht also der Schlüsselfaktor „Mensch“ an erster Stelle.

IoT-Mitstreiter sollten mit einem kleinen (Pilot-) Projekt beginnen und einen psychologischen Trick anwenden: Das oftmals sehr abstrakte und immaterielle, weil softwaregestützte, IoT-Projekt sollte konkret mit einem physischen Gegenstand verknüpft werden. Ein Tablet, auf dem ein Business-Intelligence-Dashboard Daten visualisiert, kann beispielsweise den Vorstand überzeugen. Bei Logistikern könnte dies eine „Biene“ von Roambee sein.

Ergänzendes zum Thema
 
Die Bee

Die Bee von Roambee, etwa so groß wie ein externes Daten-Laufwerk, dient dazu, einzelne Gegenstände oder kleine bis große Container zu markieren und über ein Dashboard in Echtzeit verfolgbar zu machen. Der cloudfähige Sensor kann seine Daten via SIM und GSM Quadband in über 170 Ländern senden. Die Bee von Roambee ist der physische Startpunkt zur Revolution der eigenen Supply Chain. Man kann den kleinen gelben Kasten beim ersten Workshop in die Luft halten und dem Team zeigen (mehr Details zur Bee siehe Kasten). Man kann drei oder vier Stück auf dem Werksgelände auf die Reise schicken und sie über das Dashboard beobachten.

Roambee ist ein Invest von der Deutschen Telekom und zusammen mit SAP Leonardo, der Plattform für Innovation im Bereich Internet of Things (IoT), können Logistiker komplette Echtzeit-Anwendungen für vielfältige Teilbereiche erstellen. SAP Leonardo, Deutsche Telekom und Roambee haben sich zusammengetan, um die richtige Kombination aus Hardware, Software und Netzwerkkonnektivität zusammen zu bringen, um diesen Prozess zu beschleunigen.

Lieferzeiten optimieren

Ein Szenario für derartige IoT-Anwendungen findet sich bei Postdienstleistern und Versorgern, die beide daran arbeiten, Lieferzeiten mithilfe von „dynamischem Routing“ zu optimieren. Das ermöglicht Änderungen bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Lkw beladen wird, und sogar während der Fahrt. Es bietet die Möglichkeit, sich auf Anomalien und Änderungen in letzter Minute einzustellen. Wenn eine Bestellung dem Plan hinzugefügt oder aus dem Plan gelöscht werden muss, wird bei der Routenplanung die kostengünstigste Methode zur Zustellung der Bestellung und zum erneuten Abfahren von Stopps entlang der Route ausgewertet.

Weitere Verbesserungen können erzielt werden, indem die „beste Zeit für den Empfang von Bestellungen“ für Kunden einbezogen wird und sie werden durch eine historische Analyse von Leerzeiten vor den Toren oder Orten des Empfängers bestimmt. Und sogar externe Daten wie Wetter, Ereignisberichte, Straßensperrungen und Verkehr können verwendet werden, um die Leistung des dynamischen Routings zu verbessern.

Bei SAP gibt es eine Reihe von innovativen Tools, die den effizienten Einsatz von Flotten für ausgehende Erst- und Last-Mile-Zustellungsvorgänge erhöhen. SAP Vehicle Insights führt im Rahmen von SAP Leonardo vorbeugende Wartungsalgorithmen durch, um Fahrzeugausfallzeiten zu reduzieren, indem Fahrzeugzustände, Fahrzeugpositionierung und Fahrerverhalten überwacht werden. Diese Daten werden dann verwendet, um neue Prozesse für die Abrechnung und Versicherung zu erstellen.

Viele Unternehmen beginnen zunächst in der Intralogistik oder mit Flotten, die innerhalb eines Lagers, einer Werft oder einer Fabrik operieren. Genau wie die Straßenlogistik hat auch die Intralogistik eigene Herausforderungen und Verbesserungspotenziale. Aus der Perspektive von Konnektivität und Geräten erfordert das Verschieben von Assets in einem Warehouse einen höheren Grad an Standortgenauigkeit und Verbindungsfrequenz.

Die richtige Flotte für den richtigen Auftragstyp

Das Grundbedürfnis, zur richtigen Zeit die richtige Flotte für den richtigen Auftragstyp zu finden, hat große Auswirkungen auf Effizienz, Betriebskosten und Lieferfähigkeit. Zum Beispiel müssen batteriebetriebene Gabelstapler basierend darauf gesteuert werden, wo und wie oft sie geladen werden müssen, und den Auftragstyp und wie sie verwendet werden. Die Optimierung von Ausführungsaufträgen innerhalb eines Lagers oder einer Werft ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, um die zurückgelegte Strecke mit Leerladungen zu reduzieren, indem Intralogistikoperationen durch dynamische Planung „überbereinigt“ werden.

Track and Trace spielt eine wichtige Rolle bei der Erweiterung der Lieferkettentransparenz für Anbieter von Supply-Chain-Netzwerkoperationen, wie zum Beispiel Logistikanbieter von Drittanbietern. Durch die Verfolgung von Containern, Paletten und Produktbestellungen kann die Sichtbarkeit des Versorgungsnetzes über den Kernbetrieb und die Flotte hinaus erweitert werden. SAP Global Track and Trace kann als Teil von SAP Leonardo die Netzwerklieferkanäle während der Kommunikation konsolidieren und und gleichzeitig geschätzte Lieferfenster an die Kunden auf der Empfängerseite übermitteln.

Connected Products hilft Unternehmen, die Anforderungen in Situationen effizient zu erfüllen, in denen Produkte über mehrere Standorte und Geschäftspartner hinweg gelagert, ausgegeben oder verbraucht werden. Mithilfe von Sensordaten bietet SAP Connected Goods Echtzeit-Transparenz und Einblicke in die Lagerbedingungen von Produkten und Lagerbeständen. Darüber hinaus bietet es durch die Kombination der Sensordaten mit Geschäftsdaten aus vorhandenen Geschäftssystemen kontextbezogene Warnmeldungen, um die Produktqualität zu gewährleisten, wenn Abweichungen von den für optimale Lagerbedingungen festgelegten Toleranzgrenzen auftreten, und überwacht und analysiert Verbrauchsmuster und löst intelligent aus Nachschubprozess.

Die Partnerschaft mit der Deutschen Telekom und Roambee soll es den meisten Unternehmen in der Logistik ermöglichen, den Sprung zu einem stärker vernetzten Unternehmen zu schaffen. SAP Leonardo ist das digitale Innovationssystem, das diese Art der digitalen Transformation in großem Maßstab ermöglicht. In Kombination mit Deutsche Telekom und Roambee sorgt die richtige Netzwerkanbindung, die richtige Hardware und das richtige digitale Innovationssystem dafür, dass das Internet der Dinge zum Leben erweckt wird.

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