Kommentar von René Janssen, Lepaya Werden Trainer bald durch Algorithmen ersetzt?

Von René Janssen 3 min Lesedauer

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Die dynamische Landschaft der Trainings- und Weiterbildungsprogramme erfährt durch den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) eine revolutionäre Veränderung. Im vergangenen Jahr implementierten bereits 50 Prozent der Unternehmen KI in ihre Lernprozesse, insbesondere in den Sektoren Technologie, Finanzen und dem Einzelhandel.

Der Autor: René Janssen ist Gründer und CEO von Lepaya (Bild:  RENS BOK PRODUCTIONS)
Der Autor: René Janssen ist Gründer und CEO von Lepaya
(Bild: RENS BOK PRODUCTIONS)

Der häufigste Grund hierfür ist die Steigerung der Effizienz und Produktivität – um mehr Lerninhalte mit weniger Ressourcen zu schaffen. Jedoch hat diese Technologie weitaus größeres Potenzial: Sie kann die Lernerfahrung grundlegend verändern.

KI beim Lernen geht über ChatGPT hinaus. Beispiele sind personalisierte KI-Coaches für Echtzeitfeedback, algorithmische KI für passende Inhalte und Empfehlungen je nach Bedarf sowie adaptives Lernen, das den Lernpfad dynamisch an den individuellen Fortschritt und Lernstil anpasst.

Im Bankenwesen setzt man zum Beispiel bereits erfolgreich auf eine Kombination aus KI-Avatar und Virtual-Reality-Technologie, um kaufmännische Fähigkeiten durch interaktive Rollenspiele zu fördern. Diese innovative Herangehensweise veranschaulicht, dass KI nicht nur ein theoretisch vielversprechendes Konzept ist, sondern bereits in konkreten Lernszenarien praktisch und erfolgreich eingesetzt wird.

KI als Motor für eine neue Ära der Weiterbildung

Die fortschreitende Integration von Künstlicher Intelligenz in die Weiterbildung markiert einen entscheidenden Schritt hin zu der Zukunft des lebenslangen Lernens. Durch die Anwendung von KI-Technologien können Bildungsprozesse individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Lernenden zugeschnitten werden. Adaptive Lernplattformen analysieren kontinuierlich den Lernfortschritt und passen den Lehrstoff dynamisch an, um eine optimale Lernerfahrung zu gewährleisten. Das ermöglicht nicht nur eine effizientere Wissensvermittlung, sondern fördert auch die Eigenmotivation und das selbstgesteuerte Lernen.

Datenschutz und ethische Fragen bezüglich des Einsatzes von KI in Trainingsprogrammen sind Themen, die jedoch sorgfältig adressiert werden müssen. Es bedarf transparenter Richtlinien und Standards, um sicherzustellen, dass die Integration von KI in der Weiterbildung verantwortungsbewusst und im Einklang mit gesellschaftlichen Werten erfolgt. Trotz dieser Herausforderungen eröffnet die Nutzung von KI in der Weiterbildung auch immense Chancen.

Die Automatisierung von Routinetätigkeiten erlaubt es, sich verstärkt auf kreatives Denken, komplexe Problemlösungen und zwischenmenschliche Fähigkeiten zu konzentrieren. Diese Qualitäten gewinnen in einer sich schnell verändernden Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. So schafft die Verbindung von menschlicher Intelligenz und KI eine vielversprechende Zukunft, in der Weiterbildung nicht nur effizienter, sondern auch anpassungsfähiger und auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden zugeschnitten ist.

Die Symbiose von Mensch und Technologie

Die zentrale Frage, die sich vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen stellt, lautet: Werden KI-Trainingstools bald die menschlichen Lehrkräfte ersetzen? Wirft man einen genaueren Blick auf die Hintergründe, erkennt man schnell die Herausforderungen und Chancen, die mit der fortschreitenden Integration von KI in die Welt der Weiterbildung einhergehen.

Ob es um personalisiertes Feedback zum individuellen Lernfortschritt geht, automatisierte Analysen über bestehende Fähigkeiten und erworbene Kompetenzen oder datenbasierte Empfehlungen für berufliche Entwicklungsschritte: Die Einbindung von KI in Trainingsprogramme sprengt bereits jetzt die traditionellen Grenzen. Das ist ein entscheidender Schritt in Richtung maßgeschneiderter und effektiver Lernprozesse.

Während KI-basierte Tools zweifellos effiziente und personalisierte Lernumgebungen schaffen können, wird die essenzielle Rolle des Trainers im Prozess der Wissensvermittlung und persönlichen Entwicklung unverzichtbar bleiben. Die Fähigkeit des Trainers, emotionale Intelligenz, Empathie und kreatives Denken einzusetzen, sind Aspekte, die eine KI nicht vollständig ersetzen kann.

In dieser neuen Ära wird die Rolle des Trainers möglicherweise transformiert, weg von der reinen Wissensvermittlung und hin zu einer umfassenderen Begleitung und Förderung von individuellem Wachstum. Die Koexistenz von Mensch und Technologie wird dabei nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Evolution des Bildungsbereichs bedeuten. Es liegt an uns, diese Synergie verantwortungsbewusst zu gestalten, um das Beste aus beiden Welten zu nutzen und eine Bildungslandschaft zu schaffen, die den sich wandelnden Anforderungen der Gesellschaft gerecht wird.

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Die strategische Nutzung von KI im Bereich der Weiterbildung erfordert mehr als einmalige Schulungsprogramme. Unternehmen sollten KI als integralen Bestandteil einer umfassenden Lernstrategie betrachten. Dies beginnt mit der Klärung der Geschäftsziele und der Identifizierung erforderlicher Verhaltensänderungen. Führungskräfte im Bereich Weiterbildung müssen die geschäftlichen Anforderungen mit den Qualifikationslücken der Belegschaft abgleichen und eine passende Mischung von Lerninterventionen, einschließlich KI, auswählen. Dabei sollte KI nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zur Erreichung geschäftlicher Auswirkungen betrachtet werden.

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