Kommentar von Dr. Bernd Welz, SAP SE

Weiterbildungstrend Lernen just in time

| Autor / Redakteur: Dr. Bernd Welz / Nico Litzel

Der Autor: Dr. Bernd Welz ist Chief Knowledge Officer bei SAP SE
Der Autor: Dr. Bernd Welz ist Chief Knowledge Officer bei SAP SE (Bild: SAP SE)

Lernen auf Vorrat war gestern – denn Wissen veraltet immer schneller. Wer mit der Digitalisierung Schritt halten möchte, lernt besser täglich dazu. Am besten direkt bei der Arbeit. Intelligent-User-Assistance-Systeme, Maschinenlernen und Chatbots werden dabei unsere Weiterbildungslandschaft verändern.

LKW-Fahrer planen via Tablet-PC die nächste Ladung und Tour. Mit dem neuen 3D-Drucker können Zahnarzthelfer nicht nur Abdrücke, sondern auch Implantate selbst herstellen. Der Einzelhandel setzt auf Künstliche Intelligenz, um Kunden besser zu verstehen. Die drei Beispiele zeigen: Die Anforderungsprofile vieler Jobs ändern sich gerade.

Das setzt Anpassungsbereitschaft und Lernwillen seitens der Mitarbeiter voraus. Wer künftig am ökonomischen und gesellschaftlichen Fortschritt teilhaben möchte, muss sich mit der Transformation auseinandersetzen und sollte sich darüber im Klaren sein, dass sich der eigene Job, die eigenen Tätigkeiten, grundlegend ändern werden. Unternehmen brauchen Gestalter, Programmierer, Führungskräfte und Mitarbeiter, die die Digitalisierung technisch verstehen. Die sie als neue Kulturtechnik begreifen. Und mit ihr so selbstverständlich und vorurteilslos umgehen wie Kinder beim Erlernen des ABC und des Einmaleins.

Digitale Kompetenz: noch ausbaufähig

Noch sind viele Beschäftigte davon ein gutes Stück entfernt: Laut der Telekom-Studie Digitalisierungsindex Mittelstand 2018 halten nur 35 Prozent der Unternehmen die eigenen Beschäftigten für digital genügend qualifiziert. 82 Prozent von 300 befragten Personalverantwortlichen sehen einen erhöhten Weiterbildungsbedarf durch die Digitalisierung. Denn wer nicht konsequent in die digitale Fortbildung investiert, wird die Lücke zwischen steigendem Bedarf und dem sinkenden Angebot von Fachkräften kaum schließen können.

Das deckt sich mit der Eigeneinschätzung der Arbeitnehmer. In der „The Tech-Divide“-Studie der „Vodafone Stiftung“, veröffentlicht 2018, fürchten 43 Prozent der Befragten in Deutschland, dass ihre digitalen Kenntnisse für die Anforderungen ihres Jobs wohl bald nicht mehr ausreichen werden.

Weiterbildung als Managementaufgabe

Bedeutet: Die digitale Weiterbildung ist eine Managementaufgabe. Führungskräfte müssen nicht nur darauf achten, dass sich die richtigen Kräfte bei ihnen bewerben – sondern sich auch darauf konzentrieren, dass aus der vorhandenen Belegschaft ein Digital-Team wird. Das funktioniert nur, wenn Unternehmen zu lernenden Systemen werden. Und nicht nur IT-Kenntnisse vermitteln, sondern zusätzlich den Unternehmergeist der Mitarbeiter und deren Innovationsfähigkeit fördern. Denn Mitarbeiter brauchen ein digitales Mindset.

Viele Unternehmen stärken das digitale Know-how

Die Unternehmen wissen, dass sie ihre Belegschaften für die digitalen Herausforderungen fit machen müssen: 63 Prozent der Firmen bieten ihren Beschäftigten bereits digitale Weiterbildungen an, hat eine Studie des TÜV und des Digitalverbands BITKOM ermittelt. Mitarbeiter fordern größtmögliche Flexibilität und wollen die mobilen Möglichkeiten ausschöpfen: Sie möchten selbst entscheiden wann, wo und wie sie lernen.

So wie die Digitalisierung den Wissensbedarf steigert, erleichtert sie aber gleichzeitig auch den Wissenserwerb, sprich: das Lernen. Die Digitalisierung macht es möglich, intuitive, personalisierte Lernangebote zu entwickeln, die sich kontinuierlich anpassen lassen und auf die die Mitarbeiter jederzeit und überall zugreifen können. Die Trendstudie zur Mitarbeiterqualifizierung in Zeiten der Digitalisierung des Bundeswirtschaftsministeriums kommt zu dem Schluss, dass die digitale Kompetenzentwicklung immer dann besonders vielversprechend ablaufe, wenn das Lernen vermehrt am Arbeitsplatz stattfindet. Wenn der Knowledge Worker zum Learning Worker wird.

Wie die Weiterbildung der Zukunft aussieht

Natürlich werden Präsenzseminare nicht von jetzt auf gleich aussterben – aber da sie zeit- und kostenintensiv sind, dürfte sich das Angebot zugunsten webbasierter Alternativen weiter verringern. Drei wichtige Trends sind für die berufliche Weiterbildung maßgeblich:

1. Intelligente Anwenderunterstützung: Damit Lernen und Arbeiten Hand in Hand gehen

Es gibt bereits digitale Weiterbildungsangebote, die nach dem didaktischen Motto „Ich arbeite, also lerne ich“ verfahren. Solche Intelligent-User-Assistance-Systeme stellen den digitalen Lehrstoff genau in dem Moment zur Verfügung, in dem die Mitarbeiter ihn brauchen. Die Würth IT GmbH , eine Tochter der Würth-Gruppe, der Spezialistin für Befestigungs- und Montagetechnik aus Künzelsau, setzt beispielsweise SAP Enable Now ein, um Kunden besser zu unterstützen, die mit SAP-Software arbeiten. Der Vorteil: Schulungsmaterialien lassen sich damit konsistent und effektiv produzieren. Um die Lernhilfen abzurufen, müssen die Nutzer die Benutzeroberfläche nicht verlassen. SAP zeigte kürzlich auf der LEARNTEC 2019, der größten europäischen Veranstaltung für digitale Bildung, wie die Software die Anwender mit Tutorials und Anleitungen Schritt für Schritt durch die jeweiligen Prozesse geführt werden. Alle Hilfsangeboten sind direkt in SAP-Cloud-Lösungen integriert. Und nicht nur das: Kunden können die von SAP gelieferten Lerninhalte je nach Bedarf anpassen und erweitern.

2. Künstliche Intelligenz: Damit die Mitarbeiter nicht den Überblick verlieren

Digitalisierung hat viele Seiten: Künstliche Intelligenz, Big Data, die Cloud, Social Media oder Virtual Reality. Die Fülle der digitalen Möglichkeiten ist ebenso interessant wie verwirrend. Mitarbeiter brauchen dringend Orientierung. Auf welchem Gebiet sollen sie sich weiterbilden? Welche Fähigkeiten sind künftig für ihr Aufgabengebiet maßgeblich? Welches digitale Know-how brauchen sie, um auf ihrem Karriereweg voranzukommen? Welche Entwicklungspfade bieten sich ihnen? Hier geben inzwischen Lernmanagement-Systeme Tipps. Ihre Intelligenz verdanken sie dem maschinellen Lernen. Algorithmen empfehlen den Beschäftigten ganz gezielt Weiterbildungen und Schulungen, melden Lernfortschritte und vernetzen mit Kolleginnen und Kollegen, weil sich Wissenslücken im Austausch schneller schließen.

3. Chatbots: Damit der Einstieg in die Weiterbildung leichter fällt

Intelligente Sprachassistenten, auch Chatbots genannt, werden auch im Weiterbildungsbereich immer wichtiger. Hier lohnt der Blick auf die Hochschulen, die mit Chatbots als „Lotsen“ für die Studierenden längst gute Erfahrungen machen. Solche Lernbots sind niedrigschwellige Angebote, sie bringen Grundlagenwissen zu digitalen Themen unterhaltsam und spielerisch näher – und servieren dem Nutzer im Dialog die Wissenshäppchen. Solche Chatbots unterstützen als intelligente Tutoren auch vielerorts neue Mitarbeiter mit automatisierten Antworten beim Onboarding. Ihr Vorteil: Sie geben schnelle Auskünfte auf einfache und immer wiederkehrende Fragen. Voraussetzung für ihre Akzeptanz: Natürlich muss den Beschäftigten klar sein, dass es sich um eine Software und keinen realen Austauschpartner handelt.

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