Kommentar von Christian Korff, Cisco Deutschland Künstliche Intelligenz – das müssen Unternehmen tun

Von Christian Korff 3 min Lesedauer

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Die KI-Welle rollt. Aber kaum ein Unternehmen ist wirklich darauf vorbereitet. Eine aktuelle Studie zeigt: 97 Prozent der CEOs sehen Künstliche Intelligenz (KI) als entscheidend für ihre Zukunft, doch nur ein Prozent fühlt sich ausreichend gerüstet. Warum? Es fehlt nicht nur an der passenden Technologie und Infrastruktur, sondern vor allem an Know-how und Fachkräften.

Der Autor: Christian Korff ist seit Mai 2019 als Managing Director Enterprise bei Cisco für internationale Großkunden in Deutschland verantwortlich. Korff ist seit 2001 bei Cisco, seit 2012 war er als Vertriebsdirektor verantwortlich für die Öffentliche Hand und ist seitdem auch Mitglied der Geschäftsleitung für Cisco Deutschland. Korff ist weiterhin Leiter der Bundesfachkommission „Künstliche Intelligenz und Wertschöpfung 4.0“ im Wirtschaftsrat der CDU.(Bild:  Alexander Klebe)
Der Autor: Christian Korff ist seit Mai 2019 als Managing Director Enterprise bei Cisco für internationale Großkunden in Deutschland verantwortlich. Korff ist seit 2001 bei Cisco, seit 2012 war er als Vertriebsdirektor verantwortlich für die Öffentliche Hand und ist seitdem auch Mitglied der Geschäftsleitung für Cisco Deutschland. Korff ist weiterhin Leiter der Bundesfachkommission „Künstliche Intelligenz und Wertschöpfung 4.0“ im Wirtschaftsrat der CDU.
(Bild: Alexander Klebe)

Alle wollen Künstliche Intelligenz – doch keiner weiß wie. So könnte man die aktuelle Stimmungslage in Unternehmen zusammenfassen. Das bestätigen gleich zwei aktuelle Umfragen: Gemäß der Cisco-CEO-Studie 2025 planen 97 Prozent der europäischen CEOs, KI in ihre Geschäftsabläufe zu integrieren. Dabei kennen 87 Prozent die Vorteile von KI für ihr Unternehmen gut. Doch lediglich ein Prozent fühlt sich vollständig bereit dafür. 69 Prozent befürchten, aufgrund von unzureichendem IT-Wissen und Infrastrukturlücken gegenüber der Konkurrenz an Boden zu verlieren.

Zeitdruck bei der KI-Integration

Viele Unternehmen wissen, dass sie schnell handeln müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Laut dem Cisco AI Readiness Index 2024 hat für 98 Prozent der deutschen Unternehmen die Dringlichkeit des KI-Einsatzes in den letzten Monaten zugenommen. Fast die Hälfte (47 %) sieht sich unter Zeitdruck und glaubt, dass sie höchstens ein Jahr für die Umsetzung ihrer KI-Strategie hat – andernfalls drohen erhebliche geschäftliche Nachteile. Gleichzeitig sehen sich nur sechs Prozent der Unternehmen bestmöglich auf KI vorbereitet.

KI als Treiber für Effizienz und Innovation

CEOs in Europa wollen mithilfe von KI vor allem die Effizienz steigern (61 %), Innovationen vorantreiben (60 %) und die Konkurrenz überflügeln (55 %). Das soll durch ein höheres Innovationstempo, vereinfachte Abläufe und eine schnellere Anpassung an digitale Veränderungen gelingen.

Insbesondere in Bereichen, in denen sich Prozesse automatisieren lassen, führt KI zu Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen, so das ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. KI-gesteuerte Automatisierung ermöglicht etwa eine optimierte Produktion und Logistik. Maschinelles Lernen und Datenanalysen bieten tiefe Einblicke in Kundenwünsche und zeichnen ein klares Bild aktueller Marktdynamiken. Außerdem kann KI Mitarbeiter bei vielen Routinetätigkeiten oder bei der Kreation unterstützen – und schneller zu besseren Ergebnissen führen.

Die größten Hindernisse

Dabei sehen die europäischen CEOs aber folgende Hürden: Qualifikationsdefizite (34 %), fehlende Anwendungsszenarien (33 %), Infrastrukturlücken (32 %) und Risiken in der IT-Sicherheit (31 %). Entsprechend erachten sie KI-spezifisches Wissen (51 %) und Schulungen für ihre Belegschaft (46 %) als ähnlich wichtige Schritte wie erweiterte Datenkapazitäten (53 %), verbesserte Netzwerkinfrastruktur (49 %), Investitionen in Rechenzentren (44 %) und erweiterte Sicherheitsmaßnahmen (41 %).

Gerade in Sachen Belegschaft mit KI-spezifischem Wissen hapert es aufgrund des IT-Fachkräftemangels, der sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen wird. So gab es laut einer BITKOM-Studie 2023 bereits 149.000 unbesetzte IT-Stellen in deutschen Unternehmen. Bis 2040 werden hierzulande sogar 663.000 IT-Fachleute fehlen.

Weiterbildung als Basis

Das bedeutet: Ohne strategische Herangehensweise und gezielte Maßnahmen zur Weiterbildung von Mitarbeitern und Einsteigern wird KI in vielen Unternehmen ein Wunschtraum bleiben. Dazu sind zunächst die nötige Sensibilisierung und ein Grundverständnis zu schaffen. Das erfolgt über Einführungsseminare, weiterführende Online-Kurse und Live-Demos. Technische Schulungen und praxisnahe Trainings zeigen anschließend die Möglichkeiten von KI für die verschiedenen Fachabteilungen auf. Insbesondere in der Anfangsphase sorgen interne KI-Botschafter und Kommunikationsplattformen für den nötigen Informationsaustausch.

Zur nachhaltigen Nutzung von KI tragen Pilotprojekte, Ideenwettbewerbe und Hackathons bei. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sammeln darüber praktische Erfahrungen und entwickeln mithilfe von Low-Code-/No-Code-Plattformen eigene KI-Anwendungsfälle. Für den produktiven Einsatz müssen Datenquellen geprüft, Datenschutzrichtlinien beachtet sowie die geeigneten Tools bereitgestellt werden.

Doch es sind nicht nur die Firmen selbst gefordert, sondern auch die IT-Anbieter und die Politik. Cisco will zum Beispiel bis 2030 in Europa 1,5 Millionen Menschen in verschiedenen IT-Bereichen weiterbilden. Das wird durch die Schulung von 5.000 Lehrkräften in den nächsten fünf Jahren unterstützt. Kurse behandeln etwa die Auswirkungen von KI auf Cybersicherheit, IT-Netzwerke und andere IT-Bereiche. Sie vermitteln Ausbildern das nötige Wissen und die Fähigkeiten, um die nächste Generation von KI-Fachleuten zu unterrichten.

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Branchenübergreifende Zusammenarbeit

Zudem haben führende Technologie-Firmen und Beratungsunternehmen das „AI-Enabled ICT Workforce Consortium“ gegründet. Es will konkrete Erkenntnisse zu den KI-Folgen für Tech-Beschäftigte gewinnen, neue Möglichkeiten für Umschulungen und Weiterbildungen entwickeln sowie Unternehmen mit qualifizierten Fachkräften in Kontakt bringen. Die Mitglieder wollen insgesamt weltweit 95 Millionen Menschen weiterbilden. Zum Konsortium gehören unter anderem Cisco, SAP, Accenture, Eightfold, Google, IBM, Indeed, Intel und Microsoft. Es steht weiteren Partnern wie Behörden, NGOs oder Hochschulen offen.

Denn gerade der IT-Fachkräftemangel kann nur mit einer branchenübergreifenden Zusammenarbeit gelöst werden. Hier müssen IT-Anbieter und Kunden, Wirtschaft und Politik, Arbeitgeber und Mitarbeitende Hand in Hand gehen. Das erfordert die richtigen Weichenstellungen, ausreichend Budgets, eine klare Priorisierung und Verantwortlichkeit – sowie den Willen, neue Technologien auszuprobieren und einzusetzen. Dann können Deutschland und Europa zumindest in bestimmten KI-Bereichen eine Vorreiterrolle übernehmen.

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