Benchmark-Studie

„The State of Connected Planning“ enthüllt große deutsche Defizite

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Deutsche Unternehmen haben das Potenzial von guter Planung erkannt, kämpfen aber mit Hindernissen – oder sind einfach mit dem Bestehenden zufrieden.
Deutsche Unternehmen haben das Potenzial von guter Planung erkannt, kämpfen aber mit Hindernissen – oder sind einfach mit dem Bestehenden zufrieden. (Bild: Anaplan)

Die international und jährlich durchgeführte Benchmark-Studie „The State of Connected Planning“ hat für Deutschland herausgefunden, dass für 82 Prozent der Befragten die Planung für das Kostenmanagement „von entscheidender Bedeutung ist“ und nach Ansicht von 89 Prozent, dass eine bessere Planungstechnologie die Geschäftsergebnisse verbessere. Doch die deutschen Planungsexperten stehen auch vor erheblichen Hindernissen, ihre Pläne umzusetzen.

Die Benchmark-Studie „The State of Connected Planning“ (SoCP) wird jährlich international durchgeführt. 1.000 Befragte aus 45 Ländern und aus verschiedenen Branchen und Fachbereichen nahmen teil. „Wenn es um den Gang in die Cloud geht, ist inzwischen der Fachbereich maßgeblich, nicht die IT-Abteilung, denn die IT liefert nur einen Service“, sagt Christian Thiede, Regional Vice President und Country Manager bei Anaplan, Anaplan, Anbieter einer Cloud-basierten Software für Connected Planning, hat die SoCP-Studie in Auftrag gegeben. Auf Deutschland entfallen dabei immerhin hundert Planungsexperten, also zehn Prozent der Befragten, was die Bedeutung des deutschen Marktes unterstreicht.

Relativ positive Ergebnisse

Einer der positiven Befunde lautet, dass generell 74 Prozent der Befragten in größerer Regelmäßigkeit als noch vor fünf Jahren planen, doch in Deutschland sind es nur 68 Prozent. Wie eingangs schon erwähnt, hat sich die Erkenntnis, dass eine gute Planungstechnologie die Geschäftsergebnisse verbessert, durchgesetzt. „92 Prozent der international Befragten sind der Meinung, dass die Anwendung einer besseren Planungstechnologie zu besseren Ergebnissen führt“, sagt Thiede, „doch in Deutschland sind es nur 89 Prozent.“

Hindernisse

Die deutschen Planungsexperten stehen vor drei bedeutenden Hindernissen: Sieben von zehn Experten brauchen Wochen oder länger, um Marktveränderungen in ihre Pläne zu integrieren. Das verheißt nichts Gutes für das Überleben in Zeiten eines rapiden Wandels durch Digitalisierung. Nur 53 Prozent seien in der Lage, knapp die Hälfte (oder weniger) das Geplante auch tatsächlich umzusetzen. Auf die Ursache deutet folgender Befund hin: „Nur knapp jeder Fünfte (18 Prozent) der deutschen Experten ist mit den aktuellen Prozessen der Zusammenarbeit zufrieden“, so Thiede. Deutsche Unternehmen beschreiben mehrere Planungshindernisse, darunter unnötig lange Prozesse und eine unzuverlässige Datenlage.

Excel-Jockeys

„Unsere Studienergebnisse“, so Thiede weiter, „zeigen, dass 85 Prozent nur vierteljährlich oder seltener planen, 73 Prozent immer noch Spreadsheets und Tabellenkalkulationen für ihre Planung verwenden und nur 17 Prozent damit zufrieden sind, selbst vorausschauend und erkenntnisbezogen zu planen.“ Auf die Frage, was die Zusammenarbeit in ihrer Planung einschränke, antworteten deutsche Unternehmen: „Nicht genügend Zeit, um Input von Stakeholdern zu erhalten“ und „Nicht genügend Zeit für Stakeholder, um Feedback zu geben.“ Diese Einschränkungen deuten nach Ansicht von Thiede auf einen weit verbreiteten Bedarf an Technologien und Prozessen hin, die die Zusammenarbeit im gesamten Unternehmen fördern und schnellere Entscheidungen auf allen Ebenen des Unternehmens ermöglichen.

Vier Haupttrends

Die aktuelle Studie ließ vier generelle Trends erkennen. Trend Nr. 1: Effektive Planung bedeutet größeres Wachstumspotenzial. „82 Prozent der am stärksten wachsenden Unternehmen integrieren Marktdaten innerhalb von Tagen oder Wochen in ihre Pläne.“ Aggressiv wachsende Unternehmen planen mehr, planen besser und priorisieren die Planung in der gesamten Organisation. Es ist zweimal wahrscheinlicher, dass diese Unternehmen eine Planungstechnologie als Voraussetzung für Wachstum ansehen, als weniger dynamische Unternehmen.

Trend Nr. 2: Erfolgreiche Unternehmen verwenden unternehmensweit skalierende Planungslösungen. Solche Unternehmen, die bessere Geschäftsentscheidungen schneller fällen können, ziehen Vorteile aus Fachwissen, Informationen und Daten aus der gesamten Organisation. Unternehmen, die in Planung und Ausführung gute Arbeit leisten, haben erkannt, das Kollaboration und Kommunikation die Schlüssel zum Erfolg sind, denn sie fördern Transparenz und fundierte Entscheidungen. Über 70 Prozent der Firmen, die alle ihre Pläne umsetzen können, nutzen unternehmensweite Planungstechnologie. Zu solchen Nutzern gehören beispielsweise Coca-Cola und Hewlett-Packard.

Trend Nr. 3 besteht in der Einsicht, dass sich die richtigen Entscheidungen auf die Kombination aus Mitarbeitern, Prozessen und Technologien (Daten und IT) verlassen können. Laut SoCP-Studie sagen 97 Prozent der Experten, dass effektive Planung entscheidend für die Steigerung der Umsätze, die Optimierung der Ressourcenverteilung und die Umsetzung von Strategien sei. Der Grund: Die richtigen Entscheidungen trifft man nur, wenn man die richtigen Mitarbeiter, Prozesse und Technologien miteinander kombiniert. „Diese Dreierwette“, meint Thiede, „gewinnt gegenüber den sogenannten ,Excel-Jockeys‘.“ Als eine der besonders betroffenen Branchen nennt er die Energieversorger, denn diese befänden sich aufgrund der Energiewende in permanenter Transformation. Immerhin: „Was Planning angeht, sind deutsche Unternehmen in allen Branchen aufgewacht.“

Trend Nr. 4 ist besonders für Data Scientists und Analytiker von Bedeutung: Advanced Analytics mit Deep- und Machine Learning verschaffen einen Wettbewerbsvorteil. „94 Prozent der Befragten meinen, Machine Learning sei für die Planung wichtig“, erläutert Thiede. „Es gebe ein enormes Einsparpotenzial, besonders in der Beschaffung. Fast alle Befragten glauben, dass Machine Learning für die Zukunft der Planung wichtig sein wird.“

Vorteile

„Als wir mit CPG-Firmen (CPG: Consumer-Packaged Goods) zusammenarbeiteten, halfen wir ihnen, Markt- und andere externe Daten zu integrieren, denn diese Daten betreffen Aspekte ihrer Planung“, berichtet Thiede. „So konnten sie ihre Prozesse entsprechend anpassen.“

Das Verständnis äußerer Faktoren und ihres Einflusses auf den Betrieb bedeute einen Wettbewerbsvorteil und ändere die Spielregeln: Die „Time to market“ wird verkürzt; Terminpläne für Fertigung und Produktion werden optimiert; das Verständnis der Kundenwünsche und -reaktionen lässt sich in nahezu Echtzeit berücksichtigen. Marketing- und Vertriebskampagnen, die in der Öffentlichkeit, falsch oder missverständlich ankommen, könnten dann zeitnah gestoppt und verändert werden.

Die User

Es gibt nach Thiedes Angaben eine ganze Reihe von Fachabteilungen, die für moderne Planungstechnologie Bedarf haben. Zu den üblichen Verdächtigen gehören die Buchhaltung, das Finanzcontrolling & Finanzplanung, aber auch Absatz- und Investitionsplanung. Längerfristig denkt die Personalplanung, die auch Urlaub, Reisen und sogar Boni zu bedenken hat. Mehr am Betrieb dran sind das Supply Chain Management, die Logistik und die Energieversorgung. „Es gibt 20 bis 30 Use Cases“, berichtet Christian Thiede, „praktisch jede Abteilung und jede Branche hat für moderne, Cloud-gestützte Planungstechnologie Bedarf.“

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