Kommentar von Dr. Stefan Ebener, Google Cloud So transformiert generative KI die Geschäftswelt

Von Dr. Stefan Ebener 4 min Lesedauer

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Im Jahr 2023 erlebte die Welt eine Revolution im Bereich der generativen Künstlichen Intelligenz. Die Technologie wurde massentauglich und bietet Nutzern auf der ganzen Welt seitdem ungeahnte Möglichkeiten bei der Erstellung von Text, Bildern, Musik und Softwarecode in Echtzeit. Realisierbar ist das dank Large Language Models (LLMs), die mithilfe von Deep-Learning-Technologien Massen an strukturierten und unstrukturierten Daten durchpflügen, Muster in den Daten erkennen und dieses Verständnis nutzen, um neue Inhalte zu generieren.

Der Autor: Dr. Stefan Ebener ist Head of Customer Engineering Specialists EMEA North bei Google Cloud(Bild:  Andi Werner Photography Düsseldorf - Köln)
Der Autor: Dr. Stefan Ebener ist Head of Customer Engineering Specialists EMEA North bei Google Cloud
(Bild: Andi Werner Photography Düsseldorf - Köln)

Aktuell sehen wir, wie generative KI die Geschäftswelt verändert und Unternehmen dabei hilft, intelligentere Entscheidungen zu treffen. Denn: Generative KI ist längst eines der bestimmenden Zukunftsthemen für Unternehmen, auch in Deutschland. Eine aktuelle Studie von Capgemini, für die auch hierzulande Organisationen befragt wurden, zeigt: Die Technologie steht bei 96 Prozent der Unternehmen weltweit auf der Tagesordnung von Vorstandsetagen. Bei diesen Organisationen befürworten wiederum mit 59 Prozent mehr als die Hälfte der Entscheiderinnen und Entscheider den Einsatz generativer KI. 39 Prozent der Führungskräfte wollen lieber noch etwas mit der Implementierung warten. Lediglich zwei Prozent der Entscheiderinnen und Entscheider sind vom Potenzial der Technologie noch nicht überzeugt. Bis zum Jahr 2032 wird der globale Markt für generative KI laut neuesten Prognosen eine Marktgröße von 208,8 Milliarden US-Dollar erreichen.

Aufbauend auf den Durchbrüchen der letzten Jahre sehen wir weitere Innovationen im Wochentakt. Heutige „Front Runner“ LLMs bedienen immer mehr Anwendungsfälle, Daten-basierte Technologien werden für die KI optimiert, Unternehmen stützen ihre Ergebnisse auf gut strukturierte Daten, und es entstehen neue Disziplinen wie das Prompt Engineering. Solche Verfeinerungen bedeuten gleichzeitig bessere Ergebnisse, ein besseres Verständnis der Kosten-Nutzen-Relation und mehr Einsatzmöglichkeiten der Technologie im gesamten Unternehmen.

Neue virtuelle Kolleginnen und Kollegen

Diese Entwicklungen sind aber erst der Anfang. Fortschrittliche generative KI wird von Angestellten nicht wie eine Tabellenkalkulation, ein Diagramm oder ein herkömmliches Business-Intelligence-Dashboard (BI-Dashboard) genutzt werden. Stattdessen wird die Technologie Nutzerinnen und Nutzern wie eine Expertenrunde zur Seite stehen, die mit ihnen in eine dynamische Konversation treten kann. Sie versteht Fragen und kann aufschlussreiche, kontextbezogene Antworten liefern. Ein Beispiel: Die Zusammenarbeit kann Anwendern vorkommen wie die Kooperation mit einer sachkundigen Kollegin oder einem Kollegen. Das Nutzererlebnis gleicht einem organischen Gespräch samt zielführender Anregungen und Informationen, wie sich beispielsweise die Verkaufszahlen entwickeln und weshalb das so ist. Außerdem kann ein solches „Kollegen-LLM“ erklären, wie sich die jüngsten Änderungen des Provisionsmodells auf die Zahlen auswirken und welche nächsten Schritte unternommen werden können, um die Margen zu verbessern.

Darüber hinaus erweitert der Einsatz von KI im Hintergrund dieses Prozesses die Funktion und den Nutzen eines bereits bestehenden BI-Dashboards. Nehmen wir etwa die Funktionsweise von Social-Media-Plattformen als Beispiel: Zentraler Faktor ihres Erfolgs ist der Algorithmus im Hintergrund, der den Nutzern neue Inhalte vorschlägt, die sie noch nicht kennen, aber mit größter Wahrscheinlichkeit mögen werden. Das BI-Äquivalent im Unternehmenskontext dazu wäre die Bereitstellung weiterer Daten, die der Mensch zwar nicht aktiv anfragt, die aber für seine Arbeit und seine Fragen relevant sind. Ein solches Modell ist eindeutig mehr als ein einfacher Chatbot, der mit einem BI-Dashboard verschweißt ist, oder ein simples Produktivitäts-Tool. Vielmehr handelt es sich um ein komplett neues System, welches neue Dimensionen der Firmen-Intelligenz und -Agency eröffnet. Was aber am wichtigsten ist: Eine solche Technologie wird den Einblick sowohl auf der menschlichen als auch auf der digitalen Ebene erweitern.

Skalierung menschlicher und computergestützter Erkenntnisse

Da generative KI mit den Menschen in natürlicher Sprache interagiert, stellt die Technologie eine Demokratisierung des Zugangs zur Datenverarbeitung dar, die mit dem Aufkommen des PCs, dem Internet oder mobiler Apps vergleichbar ist. Jeder Nutzer und jede Nutzerin kann sie für eine wachsende Zahl von Anwendungsfällen verwenden. So sehen wir bereits, dass KI sowohl von Data Scientists in Konzernen als auch vom Verkaufspersonal im Einzelhandel genutzt wird.

Alle individuellen Anfragen, die sich auf eine Vielzahl von Rollen und Kontexten im Unternehmen beziehen, können aggregiert werden. Das bedeutet konkret, dass Betriebe und Nutzer Einblicke erhalten, wie Kolleginnen und Kollegen erfolgreiche Antworten auf Fragen gefunden haben. Außerdem erfahren sie, welche Arten von Fragen in einem Unternehmen im Trend liegen und welche Interaktionen über einen Tag, ein Quartal oder ein Jahr hinweg den größten Impact hatten. Diese bisher unbekannten Einblicke und das damit verbundene Wissen führen zu einer neuen Art der Zusammenarbeit im gesamten Unternehmen. Der größte Erfolg lässt sich hier durch ein sicheres, transparentes System erzielen, das die Privatsphäre der Anwenderinnen und Anwender schützt und einen gesunden Informationsaustausch belohnt.

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Zusätzlich zu diesen skalierten menschlichen Erkenntnissen kann die KI auch selbst skalieren, indem sie isolierte Informationen zu einem Gesamtbild des Unternehmens in all seiner Komplexität und seinen Abhängigkeiten, wie zum Beispiel dem Produktionsprozess, den Lieferketten oder externen wirtschaftlichen Faktoren, zusammenfasst. Erkenntnisse aus einem Teil des Unternehmens, etwa aus dem Marketing oder der Fertigung, können zu einer neuen Art kollektiver Erkenntnis skaliert werden.

Die Zukunft ist da und wartet auf ihren Einsatz

Ein künftiger BI-Prompt könnte lauten: „Erkläre mir mein Unternehmen in fünf Diagrammen und sage mir, was ich als Nächstes lernen sollte.“ Solche Anfragen werden die Komplexität der Unternehmensführung nicht beseitigen, aber es wird mit Sicherheit zu besserer Einsicht, größerer Effizienz, einem gesteigerten Mehrwert und mehr Zeit für die wirklich sinnvollen Aufgaben führen. Besonders Letzteres ist einer der bedeutendsten Vorteile der Technologie überhaupt. Das Erstaunlichste an diesem Szenario ist, dass nur sehr wenig davon weit in der Zukunft liegt oder noch nicht dagewesene Innovationen erfordert. Viele der „Einzelteile“ sind bereits vorhanden und müssen im Jahr 2024 „nur“ zusammengefügt und verfeinert werden. Wie so oft ist der beste Weg, um mehr zu erfahren, sich mit den neuen Entwicklungen zu befassen und sein Wissen weiterzugeben. Wie bedeutend die generative KI für unsere Wirtschaft hierzulande ist, illustrierte kürzlich eine Studie von IW Consult, laut der sich die Bruttowertschöpfung in Deutschland durch die Technologie um satte 330 Milliarden Euro erhöhen könnte.

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