Die deutsche Industrie steht unter massivem Investitionsdruck – und entdeckt Retrofit als schnellsten Weg zu mehr Effizienz, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit. Warum Retrofitting jetzt zur strategischen Pflicht wird – und welche Impulse der Retrofit Innovation Day 2026 setzt.
Im Retrofit greifen wirtschaftliche, technologische und regulatorische Themen stark ineinander. Orientierung und Best Practices bietet der Retrofit Innovation Day am 26. März in Würzburg.
Deutschlands Industrie investiert zurückhaltend – und zunehmend anders. Laut der deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) planen 2024 bereits 42 Prozent der Industrieunternehmen Investitionen im Ausland; die Inlandsneigung bleibt schwach. Und Daten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zeigen: Unternehmensinvestitionen liegen real deutlich unter dem Vorkrisenniveau, viele Firmen verschieben Erweiterungen und setzen selektiv auf Ersatz und Modernisierung. Genaue Retrofit-Quoten weist die Statistik zwar nicht aus, doch Umfragen deuten auf eine hohe Bereitschaft: Über die Hälfte der Betriebe plant konkrete Nachrüstprojekte. In dieser Gemengelage gewinnt Retrofitting als Brücke zwischen Kostendisziplin, Nachhaltigkeit und Regulierung enorm an Bedeutung.
Ökonomie trifft Ökologie
Ein Retrofit kostet in der Praxis meist nur 30 bis 50 Prozent eines Neukaufs. Weil Gestell, Mechanik und Peripherie weiter genutzt werden, sinkt der Kapitalbedarf, Umrüstzeiten verkürzen sich und die Amortisation rückt näher. Auf dieser ökonomischen Basis entfaltet sich der ökologische Hebel: Motor- und Antriebssysteme, die rund zwei Drittel des industriellen Stroms verbrauchen, lassen sich mit Frequenzumrichtern, hocheffizienten IE4/IE5‑Motoren und optimierter Regelungstechnik typischerweise um 15 bis 40 Prozent sparsamer betreiben – bei Pumpen und Ventilatoren sogar noch stärker.
Ebenso wichtig ist die Verfügbarkeit im laufenden Betrieb: Zustandsüberwachung und digitale Zwillinge reduzieren Stillstände, verlängern Lebenszyklen und schaffen Transparenz, ohne den erprobten Reifegrad der Bestandsmaschinen preiszugeben. So verbinden Unternehmen Kostendisziplin mit messbaren Energie- und Klimavorteilen.
Wirtschaftliche Lösungen für eine effiziente Industrie
Wie Unternehmen mit politischen und regulatorischen Anforderungen Schritt halten
Unternehmen stehen unter stetigem Druck, Betriebskosten zu senken und zugleich effizient und nachhaltig zu agieren. Retrofit ermöglicht die Modernisierung bestehender Maschinen und Anlagen zu einem Bruchteil der Kosten einer Neuanschaffung. Der Retrofit Innovation Day beleuchtet die entscheidenden Vorteile von Retrofit-Lösungen in der modernen Industrie.
Wie gut dieser Ansatz funktioniert, zeigen zahlreiche Beispiele. Zu den spannendsten gehört ein Projekt der TU Kaiserslautern und der Smart Factory KL: Die Projektpartner haben eine 60 Jahre alte Fräsmaschine mit einem digitalen Zwilling, Vorschubantrieben, einer CNC sowie einer OPC‑UA‑Schnittstelle aufgerüstet. Der Zwilling prüft Kollisionen und Machbarkeit, erzeugt Werkzeugbahnen und ermöglicht Feature-basiertes Fräsen direkt aus dem CAD. Das senkt den Programmieraufwand und erhöht die Auslastung.
Gleichzeitig bleibt Sicherheit nicht verhandelbar. So modernisierte Pilz eine betagte Stufenpresse mit moderner Schutztürverriegelung und Sicherheitssteuerung bis zur Konformität mit EN ISO 13849, führte die Risikobeurteilung durch und dokumentierte alles für die CE-Bewertung. Die Anlage arbeitet seither produktiver und sicherer.
Auch beim Energieverbrauch lassen sich rasch messbare Effekte erzielen. Schaeffler berichtet von einer Retrofit-Installation, die den Stromverbrauch außerhalb der Produktionszeiten um 57 Prozent gesenkt hat. Retrofit-fähige Sensorik, Lastganganalyse, automatische Alarme und konsequente Maßnahmen sorgten für die Einsparung.
Um diese Ergebnisse zu verstetigen und zu skalieren, verbindet Siemens Altanlagen über Industrial Edge mit Analytics und KI. In Referenzwerken sanken Ausschuss und Stillstände messbar, während die Brownfield-Konnektivität eine schrittweise Digitalisierung ermöglicht – ohne die Kosten und Risiken eines Totalaustauschs.
Die effektivsten Schritte eines Retrofits auf einen Blick
Mit „Quick Wins“ starten: Umrichter bei Pumpen/Ventilatoren, Leckage- und Druckoptimierung, Standby-Lasten eliminieren.
Erst messen, dann investieren: Transparenz über Energieflüsse und OEE schafft die Basis für den Business Case.
Modularisieren: Dezentralisierte Automatisierung, Edge-Controller und verteilte I/O erhöhen Flexibilität; Safety-Funktionen (z. B. Profisafe) gleich mitdenken.
Digitaler Zwilling: Nutzen Sie ihn für Planung, Risikoanalysen, Inbetriebnahme (virtuell zuerst) und Schulung.
Governance: Legen Sie CE-, Safety- und Security-Rollen fest; dokumentieren Sie Änderungen revisionssicher.
Finanzieren: Kombinieren Sie Retrofit-Investitionen mit Förderprogrammen für Energieeffizienz und Digitalisierung.
Sicherheit und Security: Pflicht und Chance
Wer in Bestandsmaschinen eingreift, muss die Sicherheit von Beginn an mitdenken. Jede wesentliche Änderung verlangt eine Risikobeurteilung nach EN ISO 12100. Wird die Maschine grundlegend verändert, folgt ein neues Konformitätsverfahren inklusive CE‑Kennzeichnung. Diese Fragen früh zu klären, spart Zeit und vermeidet Umwege.
Gleichzeitig steigt der Druck in der Cybersecurity. NIS2 verschärft die Pflichten, IEC 62443 gilt als Stand der Technik. In der Praxis heißt das: Netze in Zonen und Leitungen segmentieren, Komponenten härten, Patch- und Schwachstellenmanagement fest verankern und Anomalien kontinuierlich überwachen. Ebenso wichtig: Security-Anforderungen inklusive Software-Stückliste (SBOM) in die Retrofit-Beschaffung schreiben – und die Erfüllung bei der Abnahme überprüfen.
Stand: 08.12.2025
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Die Beispiele machen deutlich, wie stark wirtschaftliche, technologische und regulatorische Themen im Retrofit ineinandergreifen – und wie groß der Bedarf an Orientierung und Best Practices ist. Genau hier setzt der Retrofit Innovation Day am 26. März in Würzburg an.
Von der Theorie in die Praxis: Retrofit Innovation Day am 26. März in Würzburg
Welche Stellschrauben in Retrofit-Projekten wirklich Wirkung entfalten, zeigt das Programm des Retrofit Innovation Day – praxisnah, technologieseitig tief und strategisch relevant. Den Auftakt macht die Keynote zur Kreislaufwirtschaft: Sie bricht mit der Logik „mehr verkaufen = mehr Erfolg“ und zeigt, wie Nachrüstungen und zirkuläre Modelle Wertschöpfung vom Ressourcenverbrauch entkoppeln – durch Lebensdauerverlängerung, Second‑Life‑Komponenten und Remanufacturing, aber auch durch servicebasierte Angebote, die neues Wachstum eröffnen.
Aus der strategischen Perspektive führt der zweite Vortrag direkt in die Werkhalle: An der „Skill Mill“ der RPTU Kaiserslautern wird eine 60 Jahre alte Fräsmaschine über Digitalen Zwilling, OPC‑UA‑Schnittstellen und „Skills“ in ein Netzwerk eingebunden. Bearbeitungsgeometrien stehen als wiederverwendbare Fähigkeiten bereit, sodass der Klassiker produktiver, transparenter und steuerbarer arbeitet – ein Blaupause für Industrie 4.0 im Brownfield.
Den operativen Abschluss bildet die Best‑Practice‑Session zu sicheren und smarten Retrofit‑Lösungen: Sie zeigt, wie dezentrale Automatisierung Flexibilität und Skalierbarkeit erhöht und dabei Safety und Security nach aktuellem Stand der Technik integriert. Praxisbeispiele machen greifbar, wie sich Normen und gesetzliche Vorgaben erfüllen lassen – und wie Nachrüstungen gleichzeitig Betriebssicherheit und Cyberresilienz stärken. So spannt die Veranstaltung den Bogen über die gesamte Retrofit‑Agenda: wirtschaftlich tragfähig, technologisch machbar und regulatorisch sauber.
In Zeiten hoher Unsicherheit, hoher Energiekosten und dichter Regulierung ist Retrofit kein Sparprogramm, sondern ein strategischer Hebel. Wer gezielt modernisiert, sichert Wettbewerbsfähigkeit, senkt Emissionen und bleibt normkonform – mit messbaren Effekten in Monaten, nicht Jahren.