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IoT-Lösungen zum unkomplizierten Nachrüsten Plug & Play – IoT für den Mittelstand

| Autor / Redakteur: Michael Schneider * / Nico Litzel

Ein Vorurteil über das Internet of Things (IoT): Installation und Betrieb sind teuer und nur etwas für IT-Experten. Nicht mit Plug-and-Play-Lösungen zum Nachrüsten. Wie sich IoT auch für kleine und mittelständische Unternehmen lohnt.

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IoT-Lösungen lassen sich kostengünstig und ohne großen technischen Aufwand in bestehende Prozesse integrieren – als sogenannte Retrofit-Lösung.
IoT-Lösungen lassen sich kostengünstig und ohne großen technischen Aufwand in bestehende Prozesse integrieren – als sogenannte Retrofit-Lösung.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Keine Frage, der deutsche Mittelstand beschäftigt sich mit seiner Digitalisierung. Ein zentrales Thema: Das Internet der Dinge. Die IT-Entscheider in den Unternehmen haben das IoT auf dem Schirm, sorgen sich aber oft noch wegen vermeintlicher Komplexität und Fachkräftemangel (siehe Kasten). IoT-Lösungen lassen sich aber auch unkompliziert in bestehende Prozesse integrieren – als Retrofit-Lösung. Zahlreiche vernetzte Tracker, Sensoren und Buttons funktionieren per Plug & Play. Die Geräte sind mit der Cloud vernetzt und senden ihre Daten per Mobilfunk. Es sind weder hohe Investitionen noch technische Eingriffe ins Firmennetz oder zusätzliche IoT-Experten notwendig. Für die Logistik, Produktion und das Gebäudemanagement lassen sich IoT-Lösungen auch im Mittelstand planen, umsetzen und betreiben.

Mit smarten Trackern die Lieferkette im Blick

Beispiel Tracking-Lösungen für die Logistik: Einfach das Trackingmodul an der Palette befestigen, der Ladung beilegen oder im Container platzieren und schon lässt sich die Ware weltweit verfolgen. Vernetzte Tracker wie Roambee – eine IoT-Lösung des gleichnamigen US-amerikanischen Start-ups und der Deutschen Telekom – zeigen zuverlässig, wo sich Waren beim Transport befinden. Vom Online-Shopping bis zur Lebensmittellieferung für Supermärkte.

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Studie von IDG

Laut der Studie „Internet of Things 2019“ von IDG hat IoT für jeden zweiten (51 Prozent) der mehr als 500 befragten IT-Entscheider eine hohe bis sehr hohe Bedeutung. Im Vergleich zum Vorjahr (21 Prozent) nutzen jetzt doppelt so viele Unternehmen (44 Prozent) IoT-Lösungen. Dennoch gibt es Vorbehalte: Knapp ein Drittel (24 Prozent) der befragten IT-Entscheider fürchten die technische Komplexität des IoT. Ebenfalls denkt jeder Dritte (31 Prozent), dass der aktuelle Mangel an IT-Fachkräften die Umsetzung von IoT-Projekten hemmt.

Das Auftragsvolumen für Logistikunternehmen weltweit wächst und damit auch mögliche Fehlerquellen. Laut Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie hat jeder zweite Supply Chain Manager (51 Prozent) Probleme mit Lieferanten- und Lieferausfällen. Fast genauso viele (47 Prozent) können ihre Waren nicht lückenlos verfolgen. Retrofit-Tracking-Lösungen zeigen in Echtzeit nicht nur Informationen über den Standort von Gütern. Sie senden auch ein Signal, wenn die Ware die vorgesehene Route verlässt, Erschütterungen ausgesetzt ist, sich die Umgebungstemperatur ändert oder es zu Verzögerungen kommt, beispielsweise aufgrund von Stau. So können Logistiker rechtzeitig auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren.

Das Sendeintervall der Tracker wird vor Lieferbeginn über ein Portal in der Cloud festgelegt. Hier kann der zuständige Logistiker bestimmen, dass sich die Tracker auch bei außerplanmäßigen Ereignissen melden. Die Daten, die der Tracker auf dem gesamten Transportweg erzeugt, können Logistiker weiterverwenden, um ihre Lieferkette stetig zu optimieren. Ein Beispiel: Kommt es auf einem bestimmten Streckenabschnitt regelmäßig zu Erschütterungen, beispielsweise aufgrund von schlechten Straßenbelag, kann der Supply Chain Manager eine andere Route einplanen.

Nachbestellen auf Knopfdruck

IoT-Lösungen beschleunigen auch die Produktion. Beispielsweise am Fließband. Wenn der Facharbeiter am Montageband eines Autoherstellers merkt, dass bald alle Blinker verbraucht sind, genügt ein Knopfdruck auf einen intelligenten IoT-Button und im Lager geht automatisch die Nachbestellung ein. Das funktioniert für jede Art von Gebrauchsgegenständen: Von Schrauben in der Schreinerei über Druckerpatronen im Büro bis hin zu Hygienehandschuhen im Labor. Der Button wird per Plug & Play direkt dort angebracht, wo er gebraucht wird und bekommt über eine cloudbasierte IoT-Plattform einen Befehl zugewiesen, etwa das Versenden einer SMS oder E-Mail. Eine weitere Administration ist nicht notwendig.

So funktioniert auch der IoT Service Button. Den hat die Telekom gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) entwickelt. Der Button sendet seine Nachrichten über den neuen Funkstandard NarrowBand IoT (NB-IoT): „Dank NarrowBand IoT wird es möglich, kostengünstig und zuverlässig Millionen von Gegenständen und Vorgängen in das Internet der Dinge einzubinden, von der einfachen Nachbestellung eines Verbrauchsartikels bis zu digitalisierten Prozessketten“, sagt Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML.

Smarte Buttons unterstützen auch in der Logistik: Steht ein Maschinenteil, beispielsweise ein Elektromotor, am Ende einer Produktionsstraße zur Abholung bereit, genügt ein Knopfdruck und der Abtransport wird automatisch angewiesen.

Sensoren als Helfer im Facility Management

Auch das Management von Gebäuden läuft mit IoT reibungslos. Sind Türen und Fenster nachts geschlossen? Überhitzt ein Meetingraum im Sommer? Sind nach Schulschluss noch Geräte im Chemielabor eingeschaltet? Nur einige von vielen Fragen, die sich Facility Manager von Schulen, Krankenhäusern oder Bürogebäuden regelmäßig stellen. Funkbasierte Sensoren helfen dem Gebäudemanager dabei, den Überblick zu behalten. Die kleinen Geräte lassen sich überall in Räumen anbringen und messen beispielsweise Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Helligkeit und Kohlenstoffdioxid-Gehalt der Raumluft in beliebig vielen Bereichen eines Gebäudes. Die Sensoren erkennen zudem, wie viele Personen sich in einem Raum aufhalten. Und helfen so dabei, die Auslastung von Meetingräumen, aber auch den Reinigungszyklus von Waschräumen zu optimieren.

IoT-basierte Sensoren lassen sich kostengünstig nachrüsten, ohne Verkabelung, aufwendige Installation oder Unterputzarbeiten. Über eine verschlüsselte Internetverbindung senden sie ihre Daten in die Cloud. Dort werden diese analysiert und lassen sich im Anschluss in eine Gebäudemanagementsoftware übernehmen. Jeder Sensor ist auf einem digitalen Gebäudeplan anwählbar. So hat der Facility Manager alle Aktivitäten immer im Blick. Bei ungeplanten Ereignissen wie dem Anstieg des Kohlendioxidgehalts in einem Labor, Klassenzimmer oder Hotelzimmer sendet der Sensor einen automatischen Alarm per SMS oder E-Mail an einen Servicetechniker. Auch Hochsicherheits- und Risikobereiche wie Rechenzentren oder Maschinenräume lassen sich so rund um die Uhr überwachen. Sie senden ihre Daten sicher und energiesparend per Mobilfunk in die Cloud. Der Standard NB-IoT bietet hier neben einem geringen Energieverbrauch für das Senden auch eine sehr gute Gebäudedurchdringung. So funken die Geräte zuverlässig auch aus Heizungskellern oder Kühlräumen. Mit smarten Lösungen wie Building Monitoring & Analytics (BMA) von T-Systems wird so aus einem Gebäude in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand ein Smart Building.

Die IDG-Studie zeigt: Schon jetzt erreichen die befragten Unternehmen dank IoT-Lösungen eine höhere Produktivität (47 Prozent), Kostensenkungen (46 Prozent) und steigende Umsätze (41 Prozent). Smarte Tracker, Buttons und Sensoren zum Nachrüsten haben das Potenzial, diese Zahlen weiter zu erhöhen.

* Michael Schneider leitet das Geschäftskunden-Marketing für die M2M und IoT Telekom Deutschland GmbH

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