Kyndryl People Readiness Report 2026 Der KI-Zug fährt schneller, aber es fahren weniger mit

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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66 Prozent der Unternehmen haben KI bereits Schreibrechte auf ihre Kernsysteme erteilt. Allerdings halten nur 23 Prozent ihre Belegschaft für vorbereitet. Kyndryls neuer People Readiness Report zeigt: Die Lücke zwischen KI-Adoption und Mensch hat sich gegenüber 2025 nicht geschlossen, sondern geweitet.

Der Engpass der KI-Transformation liegt nicht in der Technologie. Er liegt laut Report in den organisatorischen Strukturen, die Menschen mit der Technik Schritt halten lassen sollen. Und während die Technik beschleunigt, fällt die Zahl derer, die mithalten, weiter zurück.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Der Engpass der KI-Transformation liegt nicht in der Technologie. Er liegt laut Report in den organisatorischen Strukturen, die Menschen mit der Technik Schritt halten lassen sollen. Und während die Technik beschleunigt, fällt die Zahl derer, die mithalten, weiter zurück.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Vor einem Jahr lautete der Befund: Die KI-Technik ist da, der Mensch bleibt zurück. Kyndryls neuer „People Readiness Report 2026“ zeigt, dass sich die Lücke nicht geschlossen, sondern geweitet hat. Während immer mehr Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI) in Kernprozesse einbetten, halten noch weniger Führungskräfte ihre Belegschaft für vorbereitet. Und zwei Drittel haben der Technologie bereits Schreibrechte auf ihre Kernsysteme gegeben, bevor das Vertrauen da ist.

Die auffälligste Zahl des Reports steht in keiner Pressemitteilung: 66 Prozent der befragten Organisationen haben KI-Systemen die Erlaubnis erteilt, autonom aus ihren Systems of Record zu lesen und in sie zu schreiben ohne menschliche Freigabe. Zugleich vertrauen nur 25 Prozent autonomen Systemen vollständig, die ohne Aufsicht agieren. Unternehmen räumen der KI also operativen Zugriff ein, den sie ihr selbst noch nicht zutrauen.

Das ist die Zuspitzung eines Musters, das sich durch den gesamten Report zieht. KI ist laut Kyndryl breit angekommen: 57 Prozent der Unternehmen geben an, KI sei in Kernprozesse eingebettet oder unternehmensweit ausgerollt. 38 Prozent betreiben zwischen sechs und 20 autonome Agenten in Produktion, 34 Prozent sogar zwischen 21 und 50. 81 Prozent erwarten, dass KI-Agenten binnen eines Jahres Entscheidungen mit spürbarer Geschäftswirkung treffen.

Readiness sinkt, während die Adoption steigt

Die Gegenbewegung findet bei den Menschen statt. Nur 23 Prozent der Führungskräfte halten ihre Belegschaft für vollständig KI-bereit – laut Kyndryl ein Rückgang um sechs Punkte gegenüber 2025. Die Belegschaft rangiert damit am unteren Ende der Readiness-Skala, deutlich hinter technischen Faktoren wie IT-Infrastruktur (35 Prozent). 79 Prozent stimmen zu, dass das Tempo der KI-Einführung die Anpassungsfähigkeit von Belegschaft, Governance und Betriebsmodell übersteigen wird.

Bemerkenswert ist, wo die Verantwortlichen die größeren Hürden sehen: nicht im Tech-Stack. Cybersicherheit (52 Prozent), Skills- und Talentlücken (49 Prozent) sowie Datenqualität (47 Prozent) führen die Liste der Umsetzungshürden an. 52 Prozent sagen, es sei im vergangenen Jahr schwerer geworden, Mitarbeiter mit den passenden Kompetenzen zu finden. Gleichzeitig haben nur 33 Prozent Trainingsprogramme für die Zusammenarbeit mit KI vollständig implementiert, nur 25 Prozent definierte Übergangspfade für Mitarbeiter, deren Rollen sich durch KI verändern.

Anders als im Vorjahr verläuft die zentrale Wahrnehmungslücke nicht mehr zwischen CEOs und Technikvorständen, sondern zwischen Führungsetage und Umsetzungsebene: Nicht-C-Level-Befragte nennen Skills-Lücken mit 55 Prozent deutlich häufiger als die C-Suite mit 43 Prozent. Wer näher an der Ausführung sitzt, sieht mehr Reibung.

Die Vorreitergruppe wird kleiner

Kyndryl identifiziert erneut eine Gruppe von „Pacesettern“ – Organisationen, die Rollen um KI herum neu gestalten, Change-Management vollständig implementieren und ihre Belegschaft tatsächlich vorbereitet haben. Diese Gruppe ist von 14 Prozent im Vorjahr auf 9 Prozent geschrumpft.

Laut Report erzielen Pacesetter 1,6-mal häufiger Produkt- und Service-Innovationen und 1,5-mal häufiger KI-bezogenes Umsatzwachstum als der Rest.

Der Pacesetter-Begriff sei 2026 strenger definiert als 2025: Der Rückgang von 14 auf 9 Prozent dürfte daher teils auf die geänderte Definition zurückgehen, nicht allein auf eine reale Verschlechterung.Auch die im Report behauptete Reihenfolge der Schritte („94 Prozent gingen in dieser Reihenfolge vor“) stammt aus einer Querschnittsbefragung und beschreibt keine über die Zeit beobachtete Entwicklung.

* Der Report basiert auf 1.100 Führungskräften in acht Ländern, erhoben von Edelman Intelligence im Auftrag von Kyndryl zwischen Ende März und Ende April 2026. Pro Land entfallen darauf nur 100 bis 200 Befragte – für Deutschland 100. Länderspezifische Differenzen liegen damit im Bereich statistischer Unschärfe und taugen eher als Indikation denn als belastbarer Befund.

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