Kommentar von Dr. Arne Engelbrecht, Salt and Pepper Consulting Künstliche Intelligenz – so schließen Unternehmen die Kluft zwischen Führung und Fachkräften

Von Dr. Arne Engelbrecht 6 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz (KI) ist aus dem Unternehmensalltag nicht mehr wegzudenken. Doch wo in der Führungsriege eifrig der nächste Prototyp zur Weiterentwicklung der Produktion oder Organisation geplant wird, ist die Euphorie im operativen Einsatz oft noch nicht so stark ausgeprägt.

Der Autor: Dr. Arne Engelbrecht ist Geschäftsführer von Salt and Pepper Consulting(Bild:  Markus Hertrich)
Der Autor: Dr. Arne Engelbrecht ist Geschäftsführer von Salt and Pepper Consulting
(Bild: Markus Hertrich)

Der KI-Report* von Salt and Pepper zeigt, wo die Meinungen von Führungs- und Fachkräften beim Thema Künstliche Intelligenz auseinandergehen und wie sich ein potenzieller Blindspot wieder auflösen lässt, um im schnelllebigen KI-Zeitalter gemeinsam die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Führungskräfte sind laut der Studie von diversen KI-Potenzialen überzeugt. So sind 80 Prozent von ihnen der Ansicht, Produktionsprozesse ließen sich dank KI und Echtzeit-Datenanalysen optimieren. Diese Ansicht teilen allerdings nur 72 Prozent der Fachkräfte. Ähnlich verhält es sich bei weiteren Einschätzungen – sowohl im administrativen als auch im produzierenden Bereich: Während 74 Prozent der Leader eine Entlastung des Kundenservices durch große Sprachmodelle vermuten, sind nur 66 Prozent der Fachkräfte davon überzeugt.

Dass sich mit KI Risiken frühzeitig erkennen und Vorschriften einhalten lassen, finden drei Viertel der Führungs- im Gegensatz zu 62 Prozent der Fachkräfte. Auch sehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Führungsverantwortung KI zu 70 Prozent als Attraktivitätsbooster für Unternehmen. Dieser Meinung sind hingegen nur 53 Prozent der Personen ohne Führungsverantwortung.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim aktuellen Einsatz von KI-Tools: Etwa bei der Nutzung von KI für die Automatisierung einfacher Aufgaben in der Produktion (35 % Führungs-, 17 % Fachkräfte), generativer KI in LLM (32 % Führungs- vs. 19 % Fachkräfte) oder auch für die automatisierte Analyse von Big Data (35 % Führungs- vs. 15 % Fachkräfte) sind die Leader von einer deutlich höheren Einsatzrate überzeugt als die Fachkräfte. Was könnte jedoch die Ursache dieser Diskrepanzen sein?

Unterschiedliche Realitäten?

Die Studie zeigt, dass operative Mitarbeitende weniger überzeugt vom Einsatz und Potenzial von KI-Tools sind als ihre Vorgesetzten. So glauben 22 Prozent der Führungskräfte, dass ihre Teams keine KI-Schulungen benötigen – eine Einschätzung, die nur 13 Prozent der Fachkräfte teilen. Zudem sind 32 Prozent der Führungskräfte sicher, dass es Formate für den internen Wissensaustausch gibt, während lediglich 23 Prozent der Fachkräfte diese kennen. Auch in der Wahrnehmung der unternehmerischen Förderung von KI-Nutzung gibt es Unterschiede: Während nur sechs Prozent der Führungskräfte der Meinung sind, dass das Unternehmen nichts unternimmt, um den Einsatz von KI-Tools voranzubringen, sehen das 21 Prozent der Mitarbeiter so.

Ein weiteres Beispiel für diese Diskrepanz zeigt sich in der Kommunikation: 47 Prozent der Führungskräfte geben an, dass sie in Gesprächen mit ihren Teams Fragen und Bedenken zur KI-Nutzung sammeln, um die Strategie entsprechend anzupassen. Doch nur 25 Prozent der Beschäftigten bestätigen, dass solche Gespräche tatsächlich stattfinden.

Diese Unterschiede in der Wahrnehmung könnten darauf hindeuten, dass Führungskräfte und operativ tätige Mitarbeiter ein unterschiedliches Bild vom KI-Einsatz im Unternehmen haben. Möglicherweise sind Führungskräfte zu weit vom Arbeitsalltag entfernt oder teilen relevante Informationen nicht ausreichend mit ihren Teams. Es ist denkbar, dass sie sich nicht bewusst sind, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht über die gleichen Informationen verfügen – oder sie messen dem Thema schlicht eine geringere Bedeutung bei. Solche Wahrnehmungslücken können die Stimmung in der Belegschaft beeinträchtigen und sich negativ auf die Produktivität auswirken.

Technische Herausforderungen im Mittelstand

Auch technologische Hürden können den produktiven Einsatz von KI erschweren – insbesondere im Mittelstand. Viele Unternehmen haben keine einheitliche Datenstrategie und kämpfen damit, qualitativ hochwertige Daten in die richtigen Formate zu bringen. Fehlende abteilungsübergreifende Datenintegration kann dazu führen, dass KI-Modelle nur eingeschränkt nutzbar sind.

Auch die IT-Infrastruktur stellt eine Herausforderung dar. Während große Unternehmen oft auf skalierbare Cloud-Lösungen setzen, arbeiten viele Mittelständler noch mit lokalen Systemen, die zu wenig Flexibilität für eine effiziente KI-Implementierung bieten. Dadurch bleibt die Skalierbarkeit von KI-Projekten begrenzt, was den Übergang vom Proof of Concept in den produktiven Einsatz erschwert.

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Ein weiteres Problem sind fehlende Schnittstellen zwischen bestehenden IT-Systemen und KI-Tools. Damit KI-Lösungen reibungslos funktionieren, braucht es nicht nur strategische Planung und Schulungen, sondern auch eine technologische Basis, die Integration ermöglicht. Unternehmen, die frühzeitig in eine klare Datenstrategie, flexible IT-Infrastrukturen und eine stärkere Vernetzung ihrer Systeme investieren, sichern sich langfristig einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Unstimmigkeiten als Gefahr für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit

Auch mit der richtigen technologischen Basis ist aber noch lange nicht alles getan; Laut KI-Report fühlt sich fast die Hälfte der Beschäftigten von den aktuellen Funktionen der genutzten KI-Tools überfordert. Etwa 40 Prozent finden diese Tools zu komplex. Zudem geben 69 Prozent der Befragten an, dass sie KI nicht ohne Weiteres in bestehende Prozesse integrieren können. Die Hälfte aller Teilnehmenden berichtet von Schwierigkeiten, Proof of Concepts in die Praxis zu überführen, und 61 Prozent sehen die größten Herausforderungen im Live-Betrieb der KI-Lösungen. Ein Mangel an technischen Kompetenzen trägt ebenfalls dazu bei: 17 Prozent der Befragten nennen dies als Grund für ausbleibende positive Effekte durch KI.

Diese Ergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen auf einigen Ebenen noch nicht „KI-ready“ sind. Neben technischen Aspekten wie der Datenbasis und -analyse spielen auch weiche Faktoren eine entscheidende Rolle – insbesondere die Motivation und Befähigung der Belegschaft. Ohne ausreichende Informationen und Austausch über Chancen und Risiken von KI können Ängste oder Widerstände entstehen, die Innovationen ausbremsen und die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Werden vorhandene KI-Potenziale nicht genutzt, können Investitionen in diese Technologie nicht den gewünschten Nutzen bringen.

Mit der richtigen Strategie Gegensätze umkehren

Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen alle Mitarbeiter – von der Produktion bis in die Büros – die Vorteile von KI verstehen und wissen, wie sie diese mit der richtigen technologischen Basis nutzen können. So lassen sich Prozesse automatisieren und vereinfachen, was Raum für kreative und innovative Ideen schafft. Damit das gelingt, braucht es jedoch eine gemeinsame Strategie und klare Maßnahmen. Dazu gehört eine offene Kommunikation über Wünsche und Bedenken der Mitarbeiter. Leader müssen aber auch über Möglichkeiten und Chancen von KI aufklären und die Teams schon bei der Planung des KI-Einsatzes ins Boot holen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die eingesetzten Tools auch sinnvoll sind und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten.

Gezielte Formate, wie ein regelmäßiger KI-Stammtisch oder Feedbackgespräche, können helfen, den Austausch zu fördern. Sie bieten Führungskräften zudem die Möglichkeit, herauszufinden, wo die Belegschaft beim Thema KI steht und welche Weiterbildungsbedarfe bestehen. Mit individuell passenden Schulungen lässt sich eine gemeinsame Wissensbasis schaffen, die Wertschätzung vermittelt und die Bedeutung von KI für alle Abteilungen verdeutlicht. Neben allgemeinen Grundlagen zu Anwendungsmöglichkeiten, Chancen und Risiken können auch vertiefende Seminare zu spezifischen Use Cases sinnvoll sein.

Dabei unterstützen auch externe Partner, die z. B. die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen oder direkt im operativen Einsatz unterstützen. Wichtig ist dabei, dass solche Anbieter ein breites Spektrum an Kompetenzen von Produktion bis Administration abdecken und mit fundiertem Praxiswissen supporten. So können Unternehmen schnell von einer Kombination aus internem und externem Know-how profitieren.

Roadmap: KI erfolgreich implementieren

  1. Schritt 1: Bedarfsanalyse durchführen – Wo steht das Unternehmen in Sachen KI? Ein Workshop mit einem erfahrenen Partner kann hier Aufschlüsse geben.
  2. Schritt 2: Mitarbeitende einbinden – Workshops und Feedback-Runden initiieren.
  3. Schritt 3: Schulungsprogramme etablieren – regelmäßige Trainings und Coachings anbieten.
  4. Schritt 4: Quick Wins identifizieren – erste kleine Erfolge sichtbar machen und schrittweise komplexere Projekte angehen.
  5. Schritt 5: Erfolgsmessung und Anpassung – kontinuierlich überprüfen und optimieren.

Vom Blindspot zur gemeinsamen Vision

Die Ergebnisse verdeutlichen: In deutschen Unternehmen herrschen aktuell noch einige Unstimmigkeiten zwischen Leadern und Fachkräften beim Thema KI. Wird die Technologie in der Führungsetage oft als Schlüssel angesehen, um die eigene Produktivität zu steigern, fehlt es den Mitarbeitern in der Praxis oft noch an den nötigen Informationen und Schulungen. Eine klare Strategie kann jedoch dazu beitragen, diesen blinden Fleck der Führungskräfte zu beseitigen und alle für den KI-Einsatz zu motivieren und zu befähigen. Die richtige Kombination aus internen Strategien und externem Know-how kann Unternehmen helfen, ihre KI-Strategien erfolgreich in die Praxis umzusetzen – und den Blindspot in eine gemeinsame Vision und klare To-dos umzuwandeln.

* Im Rahmen seines Salt and Pepper KI-Reports hat der Engineering- und IT-Dienstleister untersucht, wie es um den aktuellen Einsatz von KI in deutschen Unternehmen bestellt ist. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH mit 2.019 Teilnehmern, darunter 527 aus der IT-Branche und 599 aus produzierenden Unternehmen. Unter allen Befragten sind 980 in einer Führungsposition und 1.008 der Befragten ohne Führungsverantwortung.

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