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Bericht der KI-Enquete-Kommission KI bietet deutscher Wirtschaft Chancen

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Nico Litzel

Im September 2018 setzte der Bundestag eine Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz (KI) ein. Nun liegt deren Abschlussbericht vor. Das umfangreiche Werk befasst sich mit allen Aspekten rund um KI und ihren Einsatz. Fazit: Der Nutzen ist groß, aber man braucht Regeln und Regulierung.

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Die Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz hat ihren Bericht vorgelegt, in dem Chancen und Risiken für Deutschland aufgezeigt werden.
Die Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz hat ihren Bericht vorgelegt, in dem Chancen und Risiken für Deutschland aufgezeigt werden.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Mehr als fünfhundert Seiten ist schon der Kerntext des Vorläufigen Schlussberichts der KI-Enquete des Deutschen Bundestages (BT-Drucksache 19/23700) stark, dazu kommen zahlreiche Sondervoten. Sie zeigen, dass die Parteien bei der Beurteilung des Themenfeldes mitnichten immer einer Meinung waren. Allein die Zusammenfassung umfasst 40 Seiten.

Das macht klar, warum ein Online-Artikel in den üblichen Dimensionen sich nur auf das Allerwesentlichste beschränken kann. Weiterer Informationshunger lässt sich aber einfach stillen, da der Bericht online und kostenlos von den Webseiten des Bundestages herunterladbar ist.

Hier liegt der Schwerpunkt darauf, erstens den Aufbau des Papiers in Grundzügen zu beschreiben und zweitens beim Thema Wirtschaft tiefer einzusteigen. Der Bericht der Enquete-Kommission unterteilt sich in einen Allgemeinen Teil und einen Besonderen Teil. Der Allgemeine Teil ist kurz gehalten und umfasst Informationen über Auftrag und Arbeitsweise der Kommission. Sie tagte in diversen themenbezogenen Arbeitsgruppen (Projektgruppen) und in großer Runde nicht öffentlich, veröffentlichte aber die eingebrachten Arbeitspapiere. Die Projektgruppen erstellten je eigene Berichte samt Handlungsempfehlungen, die in den Abschlussbericht eingingen.

Auf etwa siebzig Seiten folgt dann der sogenannte Mantelteil. Hier finden sich Erörterungen zu übergreifenden Themen, die für alle Felder (Wirtschaft, Gesundheit, Bildung …), die KI beeinflusst, von Belang sind. In diesem Bereich geht es um Begrifflichkeiten, den Umgang mit Daten, Diskriminierung und Vorurteile (Bias) in Algorithmen, den Umgang mit Risiken, rechtliche Aspekte, KI-Ethik, gesellschaftliche Auswirkungen, ökologische Nachhaltigkeit, Forschung mit und an KI und schließlich – momentan wohl unvermeidlich – den Einfluss der COVID-19-Krise. Zu den meisten Themen gibt es neben einer Analyse auch Handlungsempfehlungen.

Daran schließen sich die Berichte der Projektgruppen zu spezifischen Bereichen an. Erörtert werden die Themen KI und Wirtschaft, KI und Staat, KI und Gesundheit, KI und Arbeit/Bildung/Forschung, KI und Mobilität, KI und Medien. Abschließend folgen 80 Seiten Sondervoten der einzelnen Parteien, wenige Seiten Repliken und ein rund 130-seitiger Anhang mit Zusatzinformationen wie den Listen der Protokolle und Drucksachen der einzelnen Projektgruppen.

KI und Wirtschaft

Nun zum Thema KI und Wirtschaft. Es wird auf rund 60 Seiten abgehandelt und umfasst so unterschiedliche Themen wie Landwirtschaft und die Industrie 4.0. In der Projektgruppe saßen neben Abgeordneten aller Parteien Vertreter aus der Forschung, der Industrie und einschlägigen Branchenverbänden. Unter anderem entstand eine Analyse von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken des Standorts (siehe Tabellen).

KI-Land Deutschland
Stärken Schwächen
Kooperation Industrie/Start-ups/KMU,
Clusterbildung/regionale Vernetzung steigt
wenig KMU setzen KI ein – gebremste
Innovationsdynamik
viele Patente bei autonomem Fahren/
autonomen Systemen
KI-Wissens-/Fachkräftemangel in KMU
bremst KI-Implementierung
ausreichender KI-Patentrechtsschutz Zu wenig Big-Data-/Data-Science-
Studiengänge
gute Regelungsdichte bei Zivil-/Haftungsrecht Hoher Aufwand und zu strikte Anforderungen an Geschäftsmodelle bei Förderanträgen
von KI-Start-ups
Berlin als Innovationszentrum und Start-up-HubHub schlechte digitale Infrastruktur

Eine Vision für das Jahr 2030 beschreibt, wie nach Meinung der Enquete-Projektgruppe Wirtschaft idealerweise der KI-Einsatz aussehen sollte, nämlich entsprechend festgeschriebenen Ethik-Standards, um die Chancen der Technologie ohne negative Begleiterscheinungen nutzen zu können.

Chancen und Risiken des KI-Standorts Deutschland laut KI-Enquete (Quelle: Abschlussbericht KI-Enquete)
Chancen und Risiken des KI-Standorts Deutschland laut KI-Enquete (Quelle: Abschlussbericht KI-Enquete)
(Bild: Rüdiger)

Unternehmen aller Größenordnungen sollen 2030 KI-Technologien verwenden, entwickeln und verstehen, wofür natürlich erhebliche berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildungsanstrengungen nötig seien – bis hin zu Informatik und Data Science als Standard-Schulfach, so utopisch das auch klingen mag. Natürlich ist dafür kräftige staatliche Förderung nötig, insbesondere bei Start-ups, anwendungsnaher Forschung, Mittelstandstransfer und dem Aufbau einer leistungsfähigen KI-Infrastruktur.

KI und Roboter sollen Menschen nicht ersetzen

Menschen sollen mit KI und Robotern Hand in Hand arbeiten, weniger durch sie ersetzt werden, weshalb KI-Technologien auch von den Belegschaften akzeptiert werden. Dasselbe gilt wegen der ethischen Leitlinien auch für Verbraucher. Es gibt 2030 viele erfolgreiche KI-Start-ups, auch Unternehmen betreiben KI-Forschung. KI-Entwicklung und -Einsatz führen dazu, dass Ressourcen geschont werden. „KI made in Germany“ wird zum weltweit anerkannten Gütesiegel. Zudem wird auch mehr europäische Autonomie bei Hard- und Software sowie beim Aufbau ausreichend großer Datenmengen für Analysen angestrebt.

Die Projektgruppe hat knapp 16 Seiten Handlungsempfehlungen und Perspektiven entwickelt, deren Umsetzung wohl nötig wäre, um das beschriebene optimistische Szenario zu realisieren. Im Folgenden einige Stichpunkte daraus ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger