EU-Kommission startet neue Strategien für KI in Industrie und Forschung „Europa ist gut positioniert, um ein KI-Kontinent zu werden“

Von Berk Kutsal 4 min Lesedauer

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Nach Jahren der Regulierung will die EU nun ins Handeln kommen. Mit der „Apply AI Strategy“ und der „AI in Science Strategy“ will Brüssel den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Industrie, Forschung und Verwaltung beschleunigen – und Europa endgültig zum KI-Kontinent machen.

Ursula von der Leyen (li.) und Henna Virkkunen bei der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments. (Bild:   European Union 2025)
Ursula von der Leyen (li.) und Henna Virkkunen bei der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments.
(Bild: European Union 2025)

Auf der ganzen Welt kämpfen Länder darum, das Potenzial der Künstlichen Intelligenz zu nutzen. Die Europäische Kommission hat jüngst zwei Strategien vorgestellt, um sicherzustellen, dass Europa die Nase vorn hat, um die Akzeptanz in Schlüsselindustrien voranzutreiben und Europa an die Spitze der KI-gesteuerten Wissenschaft zu bringen. In der wird dargelegt, wie der Einsatz von KI in Europas Schlüsselindustrien und im öffentlichen Sektor beschleunigt werden kann. Die konzentriert sich darauf, Europa an die Spitze der KI-gesteuerten Forschung und wissenschaftlichen Exzellenz zu bringen.

Mit der neuen „Apply AI Strategy“ und der „AI in Science Strategy“ setzt die EU-Kommission zwei zentrale Pfeiler ihres AI Continent Action Plan um, um die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in europäischen Schlüsselbranchen und der öffentlichen Verwaltung massiv zu beschleunigen. Nach Jahren der Regulierung folgt nun der politische Schwenk in den Anwendungsmodus.

„Ich möchte, dass die Zukunft der KI in Europa gestaltet wird. Denn wenn KI eingesetzt wird, können wir intelligentere, schnellere und erschwinglichere Lösungen finden“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim Start der Initiative. Mit den Strategien solle der Einsatz von KI in allen Schlüsselsektoren vorangetrieben werden und zwar „von der Robotik über das Gesundheitswesen bis hin zu Energie und Automobilindustrie“.

Zwei Strategien, ein Ziel

Die neue Doppelstrategie soll die Lücke zwischen Forschung, Innovation und praktischer Nutzung schließen. Während die Apply AI Strategy auf den flächendeckenden Einsatz von KI in Wirtschaft und Verwaltung zielt, soll die AI in Science Strategy Forschungseinrichtungen, Start-ups und KMU beim Transfer von KI-gestützten Erkenntnissen in marktreife Anwendungen unterstützen.

„Europa ist gut positioniert, um ein KI-Kontinent zu werden. Mit der ‚Apply AI Strategy‘ werden wir unsere Unternehmen und Schlüsselsektoren dabei unterstützen, KI zu nutzen, um den EU-Bürgern echte Vorteile zu bringen, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und unsere technologische Souveränität zu sichern“, erklärte Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie.

Kommissarin Ekaterina Sachariewa, zuständig für Start-ups, Forschung und Innovation, betonte den wissenschaftlichen Aspekt: „Mit der ‚AI in Science Strategy‘ unternimmt Europa einen entscheidenden Schritt, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Wir werden unseren Forschern, Start-ups und KMUs die Werkzeuge an die Hand geben, um Ideen in Durchbrüche zu verwandeln, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und schneller vom Labor zum Markt zu gelangen.“

Die Kommission plant dazu den Aufbau einer europäischen Forschungsplattform, die Rechenleistung, Datenräume und Fördermittel bündelt. Sie soll Investitionen mobilisieren, Talente vernetzen und als Katalysator für wissenschaftliche Innovation wirken – insbesondere für KI-basierte Forschung in Medizin, Industrie und Grundlagenwissenschaften.

Beide Strategien stützen sich auf den AI Continent Action Plan. Er beschreibt, wie Europa seine KI-Infrastruktur und Datenräume ausbauen, Fachkräfte fördern und Unternehmen den Zugang zu KI-Technologien erleichtern will.

Vom Rechenzentrum bis zur Anwendung

Konkret plant die Kommission den Ausbau von 13 „AI Factories“ bis Ende 2025, die mit Hochleistungsrechnern, Datenlaboren und Trainingsressourcen für Unternehmen und Forschung ausgestattet sind. Sie sollen Teil des europäischen EuroHPC-Netzwerks werden und Rechenleistung für Start-ups, Mittelstand und öffentliche Projekte bereitstellen. Ergänzend dazu sind bis zu fünf „AI Gigafactories“ vorgesehen, die mit mehr als 100.000 spezialisierten Prozessoren die Entwicklung großer KI-Modelle in Europa ermöglichen sollen.

Parallel will die EU mit der Data Union Strategy und sogenannten Data Labs hochwertige Datensätze für KI-Training und -Validierung verfügbar machen. Der Zugang zu qualitativ guten Daten gilt als zentrale Hürde für europäische KI-Entwicklung.

Zur Förderung von Fachkräften wird 2025 die AI Skills Academy gestartet, die Aus- und Weiterbildungsangebote zu generativer KI bündelt und ein Stipendien- sowie Rückkehrprogramm für Fachkräfte auflegt. Außerdem soll das neue InvestAI-Programm bis zu 20 Milliarden Euro für den Aufbau von KI-Infrastruktur und Rechenkapazitäten mobilisieren.

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Chancen und Mahnungen

Die EU-Strategien markieren einen Kurswechsel – weg vom Fokus auf Regulierung hin zu Förderung und Nutzung. Doch nicht alle sehen die Umsetzung ohne Risiko.

Alexander Rabe, Geschäftsführer vom eco-Verband der Internetwirtschaft begrüßte zwar den politischen Kurswechsel, mahnt aber eine breitere Perspektive an:

„Es ist ein gutes Signal, dass die EU in Sachen KI endlich den rein regulatorischen Pfad verlässt und eine Strategie für den KI Standort Europa entwickelt, die sich darauf fokussiert Kompetenzen und Kapazitäten zu stärken. Eine breite Förderung des Einsatzes von KI bedeutet einen positiven Impuls für Europa und die digitale Wirtschaft. Ein solcher Ansatz kann allerdings nur ganzheitlich erfolgen und sollte sich nicht auf einzelne Bereiche wie die öffentliche Hand fokussieren.“

In erster Linie käme es aber darauf an, dass die Initiative nicht wieder in einer regulatorischen Abwehrschlacht münde, betont Rabe.

Kritikpunkte betreffen auch mögliche ungleiche Förderverteilungen zwischen den Mitgliedstaaten und den hohen Energiebedarf der geplanten Gigafactories. Die Kommission verweist darauf, dass Nachhaltigkeit und Energieeffizienz in den Ausschreibungen verbindliche Kriterien sein sollen.

Deutschland als Testfeld

Für Deutschland dürfte die Strategie gleich doppelt relevant sein: Zum einen könnten hier Rechenzentren für AI Factories entstehen, zum anderen sollen Programme wie GenAI4EU und GovTech-Piloten den öffentlichen Sektor gezielt einbinden. Die Kommission will so sicherstellen, dass auch Verwaltungen von KI-gestützten Prozessen profitieren – etwa in Gesundheitswesen, Justiz oder Verwaltung.

Damit wird die europäische KI-Politik greifbar: von der Grundlagenforschung über Supercomputer bis hin zur produktiven Anwendung in Fabriken, Laboren und Rathäusern. Europa will nicht länger nur über Regeln sprechen, sondern KI selbst zur Regel machen.

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