Nachbericht Dell Technologies Forum in München KI als Schlüssel zur Zukunft

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 5 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz (KI) macht aus jeder Firma eine Softwarefirma – anscheinend auch aus der großen IT-Schmiede Dell Technologies. Das zeigte sich Ende 2024 auf dem Dell Technologies Forum in den Grasbrunner Eisbach Studios.

Die sich neu eröffnende KI-Welt schafft auch für Dell-Kunden viele neue Möglichkeiten.(Bild:  Dell/Rüdiger)
Die sich neu eröffnende KI-Welt schafft auch für Dell-Kunden viele neue Möglichkeiten.
(Bild: Dell/Rüdiger)

KI stellt die IT-Welt auf den Kopf. Und zwar so sehr, dass die Keynote-Session eines tradierten Infrastrukturlieferanten auf einer der großen Reseller- und Kundenveranstaltung im deutschsprachigen Raum sich hauptsächlich um KI-Software, KI-Chancen, KI-Anwendungen und KI-Risiken dreht. So zu besichtigen beim Dell Technologies Forum 2024 in München.

Die Veranstaltung fand in den Eisbach Studios in München statt – vielleicht ein gutes Symbol für eines der großen KI-Risiken: Fake und Halluzinationen. Von denen fabrizierte der Zauberkünstler Simon Pierro gleich einleitend einige, bei denen die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt mittels gekonnter Zauberkunst, moderner Hardware und Softwarebeherrschung verwischten.

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Risiko Fake

Auf den potenziellen Realitätsverlust durch Künstliche Intelligenz bezog sich Tim van Wasen, Managing Director von Dell Technologies, in seiner Keynote: Durch KI bestehe das realistische Risiko, dass Realität und Fiktion zunehmend schwerer zu unterscheiden seien. Das bedeute in der Realität neue Risiken, beispielsweise der politischen Manipulation oder für Betrügereien.

So ermögliche die Technologie etwa, „sich in andere Personen zu verwandeln“, jedenfalls im digitalen Raum. Schon 2023 habe der Schaden durch Cyberangriffe 260 Milliarden Euro betragen, Tendenz steigend.

Dennoch fahre der Zug der KI unaufhaltsam – mehr als 3,7 Milliarden ChatGPT-Aufrufe innerhalb eines Jahres sprächen eine deutliche Sprache. Dem müssten sich Branche und Anwender stellen, selbstredend am liebsten mit Unterstützung von Dell Technologies.

Die Bayerische Regierung lässt grüßen

Auch die bayerische Regierung war beim Dell Technologieforum vertreten: Ministerialdirektor Dr. Rolf-Dieter Jungk, Amtschef im Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, lieferte ein Grußwort.

Klar, dass er die bayerischen Anstrengungen um eine gute Position im weltweiten KI-Markt lobte. Sie sind tatsächlich bemerkenswert. So wurden laut Jungk im Rahmen der bayerischen KI-Förderung 134 neue Professorenstellen für KI geschaffen, von denen schon 90 Prozent besetzt sind.

Kooperation erforderlich

Insgesamt wurden bereits mehr als 500 Forscherinnen und Forscher und andere KI-Spezialisten angeworben. Von ihnen kommen 70 Prozent nicht aus Bayern. Außerdem läuft ein mittelstandszentriertes Umsetzungsprogramm. Darüber, wie viele aus dem Ausland kommen, sagte Jungk leider nichts.

KI-Erfolge und die Bewältigung der KI-Herausforderungen ließen sich, so Jungk, nur durch die Kooperation zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Staat umsetzen. Dazu gehören vor allem die Bereiche Ethik, Datenschutz, Arbeitsgestaltung und Energieverbrauch.

Erste deutsche KI-Uni

In Nürnberg entsteht im Rahmen der KI-Initiative die erste deutsche TU, die sich auf KI fokussieren soll. Eine Aufgabe hat sie von der Regierung schon erhalten.

Denn ein wichtiges Thema sei, so Jungk, mehr Unabhängigkeit von überseeischen KI-Basismodellen. Deshalb versuche Bayern jetzt, ein eigenes KI-Basismodell zu realisieren, das später Open Source gehen soll. Es soll unter Leitung der TU Nürnberg und mit Mitarbeit der anderen bayerischen Universitäten entstehen. Jungk: „Wir wollen damit KI-Projekte erleichtern und die Wettbewerbsbedingungen verbessern.“ Wie lange es dauern soll, bis dieses Modell bereit für den Einsatz ist, sagte er leider nicht.

Studie: KI verändert Branchen

Eine von Volker Seidel, Senior Director Presales DACH bei Dell Technologies, präsentierte exklusive Dell-Studie zu den Chancen und Risiken von KI brachte wenig Neues. Befragt wurden 2024 mehr als 6.600 IT-Entscheider aus mehr als 40 Ländern.

So sagten 78 Prozent der Befragten aus Deutschland, KI werde ihre Branche verändern. Gleichzeitig beklagten 49 Prozent, sie hätten Schwierigkeiten mit den aktuellen IT-Herausforderungen Schritt zu halten.

KI als Chance und Innovationsbeschleuniger

KI wird eher als Geschäftschance und Innovationsbeschleuniger gesehen. 70 Prozent sagen, KI-Tools erweiterten die Fähigkeiten und machten Mitarbeitende produktiver, schneller und intelligenter.

Weiter sehen die meisten Anwender die Stärke der KI nicht darin, Menschen zu ersetzen. Vielmehr gehe es darum, die einzigartigen menschlichen Fähigkeiten zu nutzen und den großen Rest der KI zu überlassen. Dies sei gerade in Deutschland wegen des zu erwartenden Verrentungsschubs auch notwendig.

Kernkompetenz Lernfähigkeit

Am wichtigsten sei aber, dass man davon ausgehen müsse, dass viele neue Jobs noch nicht erfunden sind. Seidel: „Innovationsleader, das ergab unsere Studie, befähigen Teams, mit der KI zu wachsen.“ Es gehe um eine Partnerschaft zwischen Menschen und KI. Die wichtigsten Fähigkeiten seien daher in Zukunft flexibles Lernen, KI-Kompetenz und kreatives Denken. Eine wichtige Rolle spiele dabei das „kreative Scheitern“. Das müssten kluge Chefs ermöglichen.

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Daten seien das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von Unternehmen. Doch bislang könnten erst 29 Prozent der Anwender aus Daten Echtzeit-Erkenntnisse ziehen. Hindernisse auf dem Weg dahin sind Sicherheit, die Arbeit mit vielfältigen Datenformaten und Datenstrukturen. Wer alle diese Faktoren berücksichtige, habe die Chance, Innovation zu ermöglichen.

Roboter scannt die Regale

Wie durch KI mögliche Innovationen real aussehen können, zeigte beispielsweise der IT-Dienstleister Schwarz IT, unter anderem tätig für die Einzelhandelsketten Lidl und Kaufland. Dort laufen inzwischen 120 KI-Anwendungen. Eine davon: Roboter, die durch die Gänge der Kaufland-Filialen fahren, erkennen, welche der mehreren zehntausend Artikel gerade im Regal fehlen. Die Rate gerade fehlender Artikel im Regal konnte damit um 3,7 Prozent gesenkt werden.

Weiter arbeiten inzwischen rund 750 Chatbots im Dienst von Schwarz IT. Sie befassen sich vor allem mit Themen der Prozessabwicklung. Beispielsweise erhält der menschliche Callcenter-Agent durch die Vorarbeit des Chatbot ein Transkript aller Kundenäußerungen, sodass der Zeitbedarf für die Abwicklung eines durch einen Anruf ausgelösten Prozesses um ein Drittel verringert werde.

Universität Essen: KI konsolidiert Patientendaten

An der Universität Essen wird KI derzeit beispielsweise dafür benutzt, sämtliche Patientendaten zu konsolidieren und dem Pflegepersonal mehr Zeit für die Patientensorge zu eröffnen. Von der Arbeitszeit der Pflegerinnen und Pfleger gehen derzeit, so Christian Winterfeldt, Senior Director Data Center Sales DACH bei Dell Technologies, 40 Prozent für Dokumentation drauf. Intelligente Automation kann diesen Anteil verringern. Derzeit umfassen die Datenressourcen des Klinikums laut Prof. Dr. Felix Nensa, Radiologe am Universitätsklinikum Essen mit Schwerpunkt Radiologie, mehr als 1,9 Milliarden Ressourcen, also Datenelemente, die recherchiert werden können.

Ein praktisches Beispiel ist die Verwaltung von Blutkonserven. Das Thrombozyten-Konzentrat ist maximal vier Tage lagerfähig und muss bewegt werden. Daher rühren 14 Prozent Verwurf bei ohnehin knappen Spenderblutressourcen. Die Nachfrage schwankt.

Durch KI lässt sich nun mit hoher Sicherheit voraussagen, welche Patienten innerhalb der nächsten 20 Stunden transfusionspflichtig werden. Das vereinfacht es, die nötigen Blutkonserven zeitnah vorzuhalten und Schwund aufgrund verdorbener Chargen zu verringern.

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