Studie belegt: KI-Antworten erscheinen selektiv Google steuert AI Overviews nach wirtschaftlichem Kalkül

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Google blendet seine KI-generierten Suchzusammenfassungen nicht willkürlich ein. Forscher des EPoS Economic Research Center der Universitäten Bonn und Mannheim haben mehr als 15.000 Suchergebnisse ausgewertet. Ihr Befund: Der Algorithmus hält die „AI Overviews“ gezielt zurück, wenn klassische Ergebnisseiten mit Werbeplatzierungen mehr Umsatz versprechen.

Laut Robin Ng vom EPoS Economic Research Center soll die KI-Übersicht nicht nur Suchergebnisse verbessern, sondern sei Teil einer Strategie zur Umsatzmaximierung.(Bild:  Florian Wehking)
Laut Robin Ng vom EPoS Economic Research Center soll die KI-Übersicht nicht nur Suchergebnisse verbessern, sondern sei Teil einer Strategie zur Umsatzmaximierung.
(Bild: Florian Wehking)

Ob ein Nutzer eine KI-Zusammenfassung sieht oder eine klassische Ergebnisseite, hängt laut einem Diskussionspapier „AI Overview or Overreach? Google's Strategic Deployment of Generative AI in Search“ vom Typ der Suchanfrage ab.

Bei offenen Fragen, bei denen sich Nutzer erst in ein Thema einlesen, erscheint die „AI Overviews“ in rund jeder zweiten Suche. Bei gezielten Anfragen, etwa nach einem konkreten Produktmodell, liefert Google dagegen nur in 10 bis 20 Prozent der Fälle eine KI-Übersicht. Stattdessen zeigt der Algorithmus klassische Suchergebnisse mit Werbung an prominenter Stelle.

KI-Übersicht als Lückenfüller

Die Forscher vermuten, dass die KI-Zusammenfassungen dann erscheinen, wenn die klassische Ergebnisseite nicht genügend Werbeeinnahmen erzielen kann. Google fasse in diesen Fällen Inhalte aus unterschiedlichen Quellen zusammen, darunter Inhalte von Werbekunden, und lenke die Aufmerksamkeit auf Suchanfragen, von denen die Plattform wirtschaftlich profitiere.

Frage nach Transparenzpflichten

Die Ergebnisse treffen auf eine bereits angespannte regulatorische Lage. Die EU-Kommission hatte Google im März 2025 vorläufig attestiert, gegen das Verbot der Selbstbevorzugung im Digital Markets Act (DMA) zu verstoßen. Konkret ging es um die prominente Platzierung eigener Hotel-Buchungsdienste in den Suchergebnissen. Im April 2026 legte die Kommission Maßnahmen vor, die Google zur Weitergabe von Suchdaten an Drittanbieter verpflichten sollen.

Die Autoren sehen daher regulatorischen Handlungsbedarf. „Unsere empirischen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Google der zunehmenden Bedeutung KI-generierter Antworten Rechnung trägt und seine Marktmacht nutzt, um Werbeeinnahmen zu sichern“, sagt Robin Ng vom EPoS Economic Research Center. „Ein solches Verhalten ist auch für die Ausgestaltung regulatorischer Rahmenwerke wie den Digital Markets Act relevant. Zusätzliche Transparenzanforderungen könnten gerechtfertigt sein, damit Plattformen etwa offenlegen müssen, wann und warum sie KI-generierte Inhalte einsetzen.“

Breitere Auswirkungen auf die Suchlandschaft

Google hatte die AI Overviews im März 2025 in Deutschland, Österreich und der Schweiz freigeschaltet. Seitdem berichten Branchenanalysten von deutlich sinkenden organischen Klickraten. Laut einer Analyse von Seer Interactive lag die organische Klickrate bei Suchanfragen mit AI Overviews im September 2025 bei 0,61 Prozent, verglichen mit 1,62 Prozent bei Anfragen ohne KI-Zusammenfassungen.

Für Unternehmen, die auf Sichtbarkeit in der Google-Suche angewiesen sind, verschiebt sich der Fokus damit auf Generative Engine Optimization (GEO).

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