KI im Redaktionsalltag – aber (noch) kein Gamechanger Medienhäuser rechnen mit KI, aber selten mit neuen Ideen

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Der neue KI-Reifegrad-Report von BDZV und Retresco zeigt: Fast alle deutschen Medienhäuser nutzen generative KI – doch der Fokus liegt auf Effizienz statt Innovation. Während RAG-Systeme und Personalisierung boomen, bleiben agentische KI und neue Erlösmodelle Nebenschauplätze.

Mehr Effizienz, weniger Vision: Der KI-Alltag deutscher Redaktionen bleibt betriebswirtschaftlich geprägt.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Mehr Effizienz, weniger Vision: Der KI-Alltag deutscher Redaktionen bleibt betriebswirtschaftlich geprägt.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Deutsche Redaktionen haben generative Künstliche Intelligenz (KI) fest in ihren Alltag integriert, aber der strategische Reifegrad stagniert. Laut dem KI-Reifegrad-Report 2025 von BDZV und Retresco setzen 96 Prozent der befragten Medienhäuser auf KI-Tools – ein Plus von elf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Doch anstatt neue Geschäftsmodelle zu erschließen, bleibt der Schwerpunkt klar: Kosten senken, Prozesse beschleunigen, Budgets schonen.

57 Prozent der Redaktionen nutzen KI primär, um Kosten zu reduzieren – im Vorjahr waren es 24 Prozent. Zugleich messen 60 Prozent inzwischen Kennzahlen wie Zeitersparnis, Lesedauer oder Content-Scores. KI wird also zunehmend zu einer betriebswirtschaftlichen Kennziffer – weniger zu einem kreativen Werkzeug.

Inhaltlich dominiert weiterhin der Textbereich: Über die Hälfte der Redaktionen produziert regelmäßig KI-gestützte Artikel oder News, während die Bildgenerierung mit +38 Prozent Wachstum den größten Sprung macht. Audio und Video haben laut Report hingegen (noch) keine Relevanz.

Neue Technik, alte Muster

Technologisch liegt der Fokus auf RAG-basierten Frage-Antwort-Systemen (60 Prozent Relevanz) und KI-gestützter Personalisierung (58 Prozent). Sprachbasierte Formate wie Voicebots oder synthetische Sprecher folgen mit 47 Prozent. KI-Agenten, also autonome Systeme, die Aufgaben selbstständig planen und ausführen sollen, halten dagegen nur 34 Prozent der Befragten für relevant.

Zwar experimentieren Häuser wie Ippen Digital mit agentischen Anwendungen, doch insgesamt bleibt der Markt zögerlich. Agentic AI sei für viele noch nicht greifbar, heißt es im Report.

Zwischen Euphorie und Ernüchterung

Die Euphorie der vergangenen Monate ist abgeklungen: 69 Prozent der Mitarbeiter bewerten den KI-Einsatz heute neutral. Gleichzeitig kennen nur 47 Prozent die eigene KI-Strategie ihres Hauses – ein Befund, der zeigt, dass interne Kommunikation und Qualifizierung weiter hinterherhinken.

91 Prozent der Medienhäuser geben an, den tatsächlichen Nutzen von KI nur schwer messen zu können. Das führt zu einem Paradox: Fast alle investieren, aber nur wenige wissen, wie viel die Technologie tatsächlich bringt.

Marktdruck durch KI-Suchen

Der größte externe Stressfaktor kommt von außen: Googles AI Overviews und AI Mode verändern die Sichtbarkeit journalistischer Inhalte. 43 Prozent der befragten Verlage berichten bereits von rückläufigem Traffic. Nur 17 Prozent optimieren aktiv für KI-Suchsysteme wie SearchGPT oder Perplexity. Die meisten bleiben beim klassischen SEO – wohlwissend, dass die Spielregeln des Internets sich gerade neu schreiben.

Fazit

Der Report zeichnet ein klares Bild: KI ist in den Medienhäusern angekommen, aber oft noch ohne Richtung. Der aktuelle Fokus liegt auf interner Prozessoptimierung, aber es brauche verbindliche Leitplanken und Qualifizierung, um Potenziale zu skalieren.

Solange KI vor allem als Werkzeug zur Effizienzsteigerung gilt, bleibt das eigentliche Potenzial – neue journalistische Formate, smarte Services und datengetriebene Erlöse – weitgehend ungenutzt.

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