Untersuchung vom Center for Data Innovation EU-Gesetz zur KI: Teurer Spaß für KMU

Autor: Heidi Schuster

In einer Studie untersuchte das Center for Data Innovation die Kosten des geplanten EU-Gesetzes zur Künstlichen Intelligenz und warnt vor erheblichen Ausgaben in Höhe von 31 Milliarden Euro und einem Rückgang von europäischen KI-Investitionen um bis zu 20 Prozent.

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Das geplante EU-Gesetzes zur Künstlichen Intelligenz könnt besser klingen, als es ist.
Das geplante EU-Gesetzes zur Künstlichen Intelligenz könnt besser klingen, als es ist.
(Bild: RS-Studios - stock.adobe.com)

Der Gesetzesentwurf der Europäischen Kommission zur Regulierung der Künstlichen Intelligenz würde die weltweit restriktivsten Rahmenbedingungen zur Entwicklung und Nutzung von KI zur Folge haben, behauptet das Center for Data Innovation.

Das erklärte Ziel der Europäischen Kommission ist es, dass 75 Prozent aller europäischen Unternehmen im nächsten Jahrzehnt KI-Systeme verwenden. Dies erfordert ein zehnfaches Wachstum der momentanen KI-Nutzung. Mittels Daten der von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen Studie zur Folgenabschätzung des Gesetzes, stellt das Center for Data Innovation fest, dass die Compliance-Kosten des Gesetzes das Investitionsvolumen in die Künstliche Intelligenz bis zu 20 Prozent reduzieren würde.

„Die Kommission hat wiederholt argumentiert, dass das KI-Gesetz das Wachstum und die Innovation im digitalen Sektor unterstützt. Eine Analyse der Kosten zeigt allerdings, wie unrealistisch das ist,“ kommentiert der Studienautor, Dr. Benjamin Müller, politischer Analyst beim Center for Data Innovation.

Einstufung von KI-Systemen

Das KI-Gesetz ist eine horizontale Vorlage, welche alle KI-basierten Anwendungen betrifft. Es stuft KI-Systeme in drei Kategorien ein: unannehmbares Risiko, hohes Risiko und geringes Risiko. Eine KI-Anwendung, welche die Grundrechte oder die Gesundheit und Sicherheit der Bürger betrifft, wird beispielsweise als „Hochrisiko“-System eingestuft. Dies umfasst laut dem Center for Data Innovation einen weiten Bereich an potenziellen KI-Anwendungen – von kritischer Infrastruktur, über Beschäftigung und Personalmanagement, bis zur Bildung – und belaste solche Systemen mit einer breiten, detaillierten und kostspieligen Palette von regulatorischen und technologischen Auflagen. Erst wenn die volle Konformität mit dem Gesetz garantiert ist darf, ein Hochrisiko-KI-System auf den Markt gebracht werden, erklärt das Unternehmen.

Enorme Kosten

Anhand der Studiendaten erwartet das Center for Data Innovation, dass die Compliance-Kosten für europäische Unternehmen bis im Jahre 2025 jährlich knapp 11 Milliarden Euro betragen werden. Insgesamt ergäbe das innerhalb der nächsten fünf Jahre Kosten in Höhe von 31 Milliarden Euro. In diesen Kosten sind die verlorenen Investitionen in KI und die damit entgangenen Vorteile für die Produktivität und das Wirtschaftswachstum nicht enthalten. Da das Gesetz die Kapitalkosten für KI-Investitionen in Europa erhöhen wird, sei zusätzlich eine Abwanderung europäischen Fachkräften des KI-Bereichs in andere Regionen zu erwarten.

Das Center for Data Innovation stellt zudem fest, dass zur Zeit lediglich 7 Prozent aller europäischen Unternehmen KI-Systeme nutzen. Das geplante Gesetz stuft KI-Anwendungen in mehr als einem Drittel der EU-Wirtschaft in die Hochrisiko-Kategorie ein. Für Unternehmen in Hochrisiko-Bereichen werden Kosten für KI-Investitionen signifikant ansteigen und die Entwicklung von solchen Systemen wird aufwändiger. Ein KMU mit jährlichem Umsatz von 10 Millionen Euro, welches ein Hochrisiko-KI-System installieren will, müsste aufgrund der neuen Regulierungen mit Mehrausgaben von bis zu 400.000 Euro rechnen, so das Unternehmen.

„Das KI-Gesetz gefährdet den digitalen Wandel der europäischen Wirtschaft, bevor er überhaupt begonnen hat,“ behauptet Müller. „Die Überregulierung der EU-Wirtschaft, welche die Kommission aktiv vorantreibt, ist schädlich für Unternehmer, die Investitionen in innovative neue Technologien planen. Die KI-Revolution kann der europäischen Wirtschaft dringend benötigten Schwung und Auftrieb verleihen. Leider würde das KI-Gesetz in vorliegender Fassung diesem Wandel den Wind aus den Segeln nehmen, und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen beeinträchtigen.“

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 Heidi Schuster

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Redakteurin, Online CvD, Vogel IT-Medien