Nachbericht zur Dell-Konferenz „The Next Now!“

Digitalisierung erfordert nahtlose Kommunikation

| Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Nico Litzel

Doris Albiez und Dinko Eror, die beiden Deutschlandchefs von Dell/EMC, eröffneten die Konferenz mit den Ergebnissen einer eigenen Studie zur digitalen Transformation.
Doris Albiez und Dinko Eror, die beiden Deutschlandchefs von Dell/EMC, eröffneten die Konferenz mit den Ergebnissen einer eigenen Studie zur digitalen Transformation. (Bild: Kriemhilde Klippstätter)

Dells Tagesveranstaltung The Next Now! In München wollte Hilfestellung leisten auf dem Weg zur Digitalisierung der Unternehmen in Deutschland. Welche Strategien und Rahmenbedingungen erweisen sich als günstig, was soll vermieden werden?

Die beiden Geschäftsführer von Dell/EMC in Deutschland, Doris Albiez und Dinko Eror, eröffneten die Konferenz mit Ergebnissen aus eigenen Studien. Von weltweit 4.000 Befragten wissen 42 Prozent nicht, ob ihr Unternehmen die digitale Transformation überleben wird. 57 Prozent wissen nicht, was sie dafür zu tun haben, obwohl sich 90 Prozent mit der Thematik beschäftigen.

Nach diesen alarmierenden Zahlen gab sich Michael Dell die Ehre im geführten Interview. Er verdeutlichte noch einmal, dass alle technischen Geräte jetzt und in Zukunft über Intelligenz verfügen, die digitale Transformation aber nicht von der Technologieabteilung aus erfolgen soll, sondern vom Top-Management: „Das ist mehr ein kulturelles als ein technisches Problem.“ Er verwies erneut auf die Priorität, die vorhandenen Daten besser zu nutzen, schließlich seien sie wichtiger als Applikationen. Die Cloud sei zudem kein Ort, um Daten abzulegen, sondern eine Art, Dinge zu tun. Dem Management gab er die Aufgabe mit auf den Weg, die Veränderungen positiv aufzunehmen und zu vermitteln. „Change ist eine gute Sache“, lautet das Credo.

Precht: „Wir brauchen Bildung statt Ausbildung“

Richard David Precht fordert Bildung statt Ausbildung.
Richard David Precht fordert Bildung statt Ausbildung. (Bild: Kriemhilde Klippstätter)

Der Philosoph und Publizist Richard David Precht griff in seinem Vortrag diesen Faden auf und ging der Frage nach, wie das Neue in die Welt kommt. Er geht davon aus, dass die Digitalisierung unsere Welt und unsere Gesellschaft ebenso verändern wird wie die industrielle Revolution ab 1750. „Innovationen müssen akzeptiert werden“, sagt Precht und mahnt insbesondere unser Ausbildungssystem an, das dem entgegensteht. „Unser Bildungssystem dient der Ausbildung von Angestellten. Wir brauchen aber Innovationen.“ Was dazu notwendig sei, sind Eigeninitiative, Flexibilität und auch Stressresilienz, damit Kränkungen und Rückschläge beherrschbar sind.

Auch was die für den Transformationsprozess so wichtige Kreativität angeht, verlangt Precht ein Umdenken: „Kreativität von Technikern folgt der mathematischen Sichtweise. Kreativität derzeit beschäftigt sich mit Problemlösen.“ Gesucht sei aber das, was wir uns wünschen. Dabei müsse man aber auf die Folgen der Innovation achten und Exnovation betreiben, also die (negativen) Folgen der Innovation entsorgen. Dazu bedarf es mehr Empathie. Sein Fazit: „Die Antwort ist nicht mehr Ausbildung, sondern mehr Bildung.“

Wie sieht es nun mit der Führung und bei der Rekrutierung von neuen Arbeitskräften derzeit in den Unternehmen aus? Die anschließende Podiumsdiskussion mit den Personalverantwortlichen von Microsoft, Intel, Dell und dem Berliner Start-up RatePAY GmbH erbrachte bei den etablierten Unternehmen kaum Neues. Intels HR-Director Bernd Holthaus setzt auf das Führen nach Zielen, Claudia Wentsch, Director Human Resources bei Microsoft, freut sich über die Tatsache, keine „Präsenzkultur von 9 bis 17 Uhr“ zu fordern. Ulrike Rüger, Head of Business Unit Client Solutions Dell Deutschland, geht sogar davon aus, dass „man eigentlich immer arbeitet“. Einzig Miriam Wohlfahrt, Gründerin und Geschäftsführerin von RatePAY, hat genaue Vorstellungen davon, welche Mitarbeiter sie anheuert: „Wir brauchen keine Angsthasen und auch keine Ja-Sager.“

Was sich in der Praxis schon bewährt hat

Was deutsche Firmen in puncto Digitalisierung im und für das Unternehmen bereits umgesetzt haben, zeigten die Vorträge etwa von Dr. Arne Beckhaus, Head of Big Data & Digital Transformation bei der Continental AG. Sein Credo: Datenkultur durch Analytics für Business Users. Dahinter verbirgt sich der Ansatz, für die wertschöpfende Nutzung der Datenbestände kein neues Wissenssilo aufzubauen, „sondern Datenkompetenz an den Stellen zu fördern, an denen tagtäglich auf Datenbasis entschieden wird.“ Kai Diekmann, ehemaliger Chefredakteur und Herausgeber der Bildzeitung, berichtete darüber, wie er nach einem Jahr in den USA das Boulevardblatt in Deutschland neu positioniert hat. Sein Tipp: Nicht zu lange warten mit der digitalen Umgestaltung, auch wenn das alte Business noch profitabel läuft.

Markus Hägele, Senior Manager Corporate Strategy, Head of DigitalLife@Daimler, Daimler AG, gestaltet die digitale Transformation gemeinsam mit den Mitarbeitern. Ziel ist es, bestehende Stärken im Unternehmen mit der Schnelligkeit und Agilität von Start-ups zu kombinieren. Dazu werden den Daimler-Mitarbeitern Workshops und Wettbewerbe angeboten.

Stefan Lenz, Vice President Infrastructure bei der Adidas Group, propagiert für sein Unternehmen gleich eine Radikalkur: „Das Firmenintranet verschwindet.“ Adidas ist ein globales Unternehmen in dem Kreativität die zentrale Rolle spielt. Viele Mitarbeiter arbeiten global und gemeinsam an Projekten und sind auf „seamless communication“ angewiesen. Der digitale Arbeitsplatz muss dem genügen ohne Sicherheitsaspekte zu vernachlässigen. Er setzt auf „inhaltliches Open-Source“ am digitalen Arbeitsplatz.

Fazit und Empfehlungen

Dr. Jörg Wallner, Trendforscher, Director Innovation & Change, 2b AHEAD ThinkTank, bekräftigte noch einmal, dass sich Änderungen heute immer schneller vollziehen als früher. „Wenn Sie heute 20 Jahre zurückdenken, dann können Sie erwarten, dass sich dieser Wandel in Zukunft in zehn Jahren vollziehen wird.“ Er gab den Besuchern von The Next Now zum Abschluss noch das „Rulebreaker“-Manifest mit auf den Weg, wenn etwas Fundamentales erreicht werden muss oder soll:

  • 1. Überschreite Deine Kompetenzen
  • 2. Umgehe alle Regeln, die Dein Projekt gefährden
  • 3. Verbrenne Deine Stellenbeschreibung
  • 4. Rechne jeden Tag damit, gefeuert zu werden
  • 5. Entschuldige Dich lieber hinterher, als vorher um Genehmigung zu bitten!

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