Nach dem Zusammenschluss mit Hortonworks

Cloudera will nächstes Jahr profitabel sein

| Autor / Redakteur: Karin Johanna Quack / Nico Litzel

Wolfgang Huber, Senior Regional Sales Director Benelux, Central and Eastern Europe bei Cloudera
Wolfgang Huber, Senior Regional Sales Director Benelux, Central and Eastern Europe bei Cloudera (Bild: Cloudera)

Mit Cloudera und Hortonworks haben sich die beiden größten Anbieter im Hadoop-Umfeld zusammengeschlossen. Beide schreiben bislang rote Zahlen. Wolfgang Huber, Senior Regional Sales Director Benelux, Central and Eastern Europe, erläutert im Gespräch mit BigData-Insider, wie aus zwei defizitären Unternehmen ein auch finanziell erfolgreicher Konzern werden soll.

Der Aktien-Deal ist Anfang Januar ohne großes Tamtam über die Bühne gegangen. Das neu entstandene Unternehmen heißt Cloudera und wird weiterhin von Cloudera-CEO Tom Reilly geführt. Hortonworks-Chef Rob Bearden soll einen Platz im Vorstand bekommen. Die Fusion hat ein Volumen von mehr als fünf Milliarden US-Dollar; die Anteilseigner von Cloudera erhalten 60, die von Hortonworks 40 Prozent der Aktien.

Die konsolidierte Kundenbasis der beiden Unternehmen weist etwa zweieinhalb Tausend Namen auf. Zwischen 650 und 700 Millionen US-Dollar dürfte der kombinierte Umsatz des vergangenen Jahres liegen (Hortonworks hat die Ergebnisse für das vierte Quartal seines Geschäftsjahres nicht mehr gemeldet). Damit übertreffen die Jahreseinnahmen der neuen Cloudera die des einzigen ernst zu nehmenden Konkurrenten MapR auf jeden Fall um das Fünf- bis Sechsfache.

Den beeindruckenden Einnahmen – größtenteils aus Subskriptionen der jeweiligen Hadoop-Distribution – steht allerdings ein akkumulierter Verlust in beinahe gleicher Größenordnung gegenüber. Doch schon für 2020 seien ein Umsatz von einer Milliarde US-Dollar und eine Profit-Marge von 15 Prozent geplant, berichtet Huber. Und er verrät auch, wieso das mehr als bloßes Wunschdenken ist:

„Wir sind die größten Kontributoren zum Hadoop-Projekt“, begründet der Vertriebsexperte die derzeit negative Ertragslage: „Kontribution kostet Geld.“ In den vergangenen Jahren hätten Cloudera und Hortonworks nicht nur zahlreiche Erweiterungen zu Hadoop beigetragen, sondern sie auch supportet. Die Software der beiden Distributoren bestehe aber „zu circa 70 Prozent aus gemeinsamer Codebasis“. Also müsse künftig ein Großteil des Codes nur noch ein- statt zweimal unterstützt werden. Das sei ein nicht zu unterschätzender Synergieeffekt.

Gemeinsame Plattform bereits in Arbeit

Cloudera werde, so verspricht Huber, die zu erwartenden Redundanzen beim Personal keineswegs nutzen, um die Kosten weiter zu verringern, sprich: Entlassungen auszusprechen. Vielmehr sollen die Fachleute gehalten werden, um neue Aufgaben zu übernehmen.

Eine dieser Aufgaben ist die Entwicklung einer einheitlichen Plattform. Wie Huber berichtet, wird die Cloudera Distribution including Hadoop (CDH) mit der Hortonworks Data Platform (HDP) zur Cloudera Data Platform (CDP) verschmolzen. Der kombinierte Stack werde voraussichtlich schon zum Ende des laufenden Jahres verfügbar sein.

Für die Kunden sei der Übergang auf die konsolidierte Plattform („das Beste aus beiden Welten“, so Huber) relativ schmerzlos, verspricht der Vertriebschef für Mittel und Osteuropa. Migrationspfade werde es von den Cloudera-Versionen 5 und 6 sowie von HDP 2 und 3 geben. Die Anwender hätten zudem drei Jahre Zeit für den Umstieg. So lange würden die separaten Plattformen – Stand heute – von Cloudera gewartet. Für den Fall des Falles gebe es sogar eine Fallback-Möglichkeit: „Die Software ist auch rückwärts kompatibel.“

Umsatzwachstum von 25 Prozent angepeilt

Überschneidungen in den Kundenstämmen von Cloudera und Hortonworks gebe es übrigens kaum, auch wenn beide Unternehmen die Zielgruppe der „Top 5.000 weltweit“ anpeilten, sagt Huber. Mit anderen Worten: Durch den Merger wächst die Kundenbasis tatsächlich, nicht nur virtuell.

Die jeweiligen Zusatzwerkzeuge für Hadoop unterscheiden sich ebenfalls: Cloudera hat sich lange schon auf Analytics-Werkzeuge konzentriert, Hortonworks gilt als Experte für Multi-Cloud-Umgebungen und machte zuletzt mit automatischen Provisionierungs-Tools von sich reden. Damit dürfte das eine oder andere Cross-Selling möglich sein. Cloudera hofft, seinen Umsatz künftig um 25 Prozent pro Jahr steigern zu können.

„Hadoop in the core“

Das Bekenntnis des Unternehmens zur Open-Source-Entwicklung Hadoop bleibt ungebrochen. „We are Hadoop in the core“, so lautet der Slogan, den Huber auf Englisch zitiert. Dieses Credo ist verständlich, wenn man weiß, dass Clouderas Chief Architect, Doug Cutting, als „Erfinder“ des Apache-Projekts gilt.

Einige Big-Data-Experten sehen Hadoop allerdings auf dem absteigenden Ast. Insbesondere im Cloud-Umfeld laufe Amazon mit „S3“ dem Projekt mit dem gelben Elefanten allmählich den Rang ab, so heißt es.

Huber kann das nicht nachvollziehen: „Hadoop ist für uns die richtige Plattform für die Verteilung von Massendaten, auf denen sich dann Analysen fahren lassen.“ Sicher stelle Amazon in der Cloud einen eigenen Speicher-Layer bereit – nicht mehr und nicht weniger. Viele Kunden wollten ihre Daten jedoch nach wie vor im Haus haben „und Cloudera lässt ihnen diese Wahl“. Eigenen Angaben zufolge liefert das Unternehmen derzeit noch 75 Prozent seiner Software on premises aus, wobei der Cloud-Anteil jedoch schneller wachse.

Service ist der Schlüssel

Auf absehbare Zeit sieht Huber bei seinen Kunden vor allem hybride Umgebungen aus Cloud- und On-premises-Komponenten. Schon allein deshalb, weil die Anwender ein Lock-in durch die Cloud-Anbieter fürchteten, aber auch, weil eine interne Lösung häufig preisgünstiger sei.

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Und was ist mit dem Vorwurf, Hadoop sei schwierig zu managen? Auch hier ist der Vertriebler nicht um eine Antwort verlegen. „Die Entwickler können den Cloudera Manager nutzen“, sagt er. Die Kunden müssten also nicht direkt auf Hadoop arbeiten, sondern mit einem „Cloudera-Layer“, der sie gegen die Komplexität der Datenhaltung abschirme. Dieser Layer biete unter anderem ein Security-Framework und automatisierte Compliance-Überwachung.

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Darüber hinaus bietet sich Cloudera als Service-Provider an. „Selbstverständlich kann der Anwender auch die reine Plattform verwenden“, weiß Huber: „Aber wenn es unternehmenskritisch wird, will er doch lieber eine Firma als Ansprechpartner im Hintergrund.“

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