KI in der Chefetage CEOs vertrauen KI mehr als ihren Vorständen

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz (KI) erobert die Chefetagen deutscher Unternehmen. Eine aktuelle Umfrage von Dataiku zeigt: 95 Prozent der deutschen CEOs halten KI-Agenten für gleichwertige oder bessere Berater als menschliche Vorstandsmitglieder. Ist das der Beginn einer datengetriebenen Führungskultur oder ein Alarmzeichen für den menschlichen Faktor in der Unternehmensstrategie?

95 Prozent der deutschen CEOs halten KI für gleichwertige oder bessere Berater als Vorstandsmitglieder. Was bedeutet das für die Zukunft der Unternehmensführung?(Bild:  Dataiku)
95 Prozent der deutschen CEOs halten KI für gleichwertige oder bessere Berater als Vorstandsmitglieder. Was bedeutet das für die Zukunft der Unternehmensführung?
(Bild: Dataiku)

Die Ergebnisse des aktuellen „Global AI Confessions Report“ (Registrierung erforderlich)* von der KI-Plattform Dataiku sind ein Paukenschlag: Fast alle befragten deutschen CEOs halten KI-Agenten für gleichwertige oder gar bessere strategische Berater als ihre Vorstandsmitglieder. Noch vor wenigen Jahren war KI vor allem eine operative Unterstützung in der Datenanalyse oder Prozessautomatisierung. Heute scheint sie im C-Level angekommen zu sein – nicht als Werkzeug, sondern als Entscheidungsträger.

Und die Zahlen sprechen weiter für sich: 93 Prozent der CEOs könnten sich wohl vorstellen, ein Vorstandsmitglied durch einen KI-Experten zu ersetzen. Ganze 90 Prozent glauben, dass KI bessere strategische Pläne entwickeln kann als ihr eigenes Führungsteam. Diese Entwicklung wirft grundsätzliche Fragen auf: Sind datengetriebene Entscheidungen tatsächlich überlegen? Und was passiert mit dem menschlichen Faktor, wenn Unternehmensführung zunehmend automatisiert wird?

Druck auf die Chefetagen: KI-Kompetenz wird zur Überlebensfrage

Für viele CEOs ist KI längst keine Innovationsspielerei mehr, sondern eine existenzielle Herausforderung. 69 Prozent der deutschen Unternehmenslenker befürchten, dass eine gescheiterte KI-Strategie oder eine KI-induzierte Krise bis Ende 2025 zu CEO-Entlassungen führen wird. Noch drastischer: 76 Prozent sehen sich in der Pflicht, innerhalb von zwei Jahren messbare KI-getriebene Gewinne zu liefern, um ihre Position zu sichern.

Diese Entwicklung macht deutlich, dass KI-Know-how eine der wichtigsten Qualifikationen für die Führungsebene wird. 31 Prozent der befragten CEOs gehen davon aus, dass Erfahrung in der erfolgreichen Implementierung von KI bald zu den entscheidenden Kriterien für neue Top-Manager gehören wird. Wer KI nicht beherrscht, riskiert also nicht nur Marktrückstände, sondern auch die eigene Karriere.

Regulatorische Hürden und Fehleinschätzungen als Risiko

Trotz des Hypes gibt es auch Schattenseiten. 78 Prozent der deutschen CEOs befürchten, dass strenge EU-Vorschriften die KI-Nutzung in ihren Unternehmen ausbremsen könnten. Tatsächlich wurden bereits 25 Prozent der KI-Projekte aufgrund regulatorischer Unsicherheiten verzögert, 35 Prozent sogar gestoppt.

Hinzu kommt ein unkritischer Optimismus in Bezug auf Standard-KI-Lösungen: 87 Prozent der weltweit befragten CEOs glauben, dass generische KI-Agenten genauso effektiv sein können wie maßgeschneiderte Modelle. Diese Fehleinschätzung könnte sich als kostspielig erweisen, denn ohne anwendungsspezifische Anpassung bleibt KI oft unter ihrem Potenzial.

Mensch oder Maschine – wer entscheidet künftig?

Wenn man den Ergebnissen des Berichts Glauben schenken mag, dann zeigen sie eine Zeitenwende in der Unternehmensführung. KI wird nicht länger als bloßer Effizienztreiber gesehen, sondern als strategische Entscheidungsinstanz. Doch dabei bleibt eine zentrale Frage offen: Wenn Maschinen die besseren Berater sind – braucht es dann noch den Menschen an der Spitze? Oder liegt die wahre Kunst darin, KI als ergänzendes Werkzeug zu nutzen, ohne den menschlichen Faktor aus den Augen zu verlieren?

* Die Studie für den „Global AI Confessions Report: CEO Edition“ wurde vom 25. Januar bis zum 7. Februar 2025 von The Harris Poll im Auftrag von Dataiku online durchgeführt. Die Umfrage wurde unter CEOs in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Deutschland durchgeführt. Insgesamt wurden 504 Online-Interviews durchgeführt (USA = 201, Großbritannien = 100, Deutschland = 100, Frankreich = 103). Alle CEOs in der Studie arbeiten für große Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar (oder 250 Millionen Pfund/250 Millionen Euro) und einer Unternehmensgröße von mehr als 500 Mitarbeitern.

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